Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

In diesem Beitrag möchte ich versuchen, grundlegendes über Steampunk Outfits zu beschreiben, was für Anfänger von Interesse sein dürfte. Fortgeschrittene Steampunks dagegen werden in diesem Beitrag nicht viel Neues erfahren. Wenn Sie etwas ergänzen möchten, schreiben Sie gern einen Kommentar.

Vorbilder der Steampunk Mode

Generell betrachtet, zieht die Steampunk Mode ihre Inspiration vor allem aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert (grob geschätzt ca. 1870 bis maximal 1940).

Der sogenannte „Dieselpunk“ findet seine Vorbilder vor allem in den 1920er bis 1940er Jahren.

Klassische Kleidungsstücke und Accessoires aus diesem Zeitraum sind zum Beispiel:

Herren

Zylinder oder „Melone“

Schiebermützen

Westen

Hemden

Knickerbocker-Hosen

Hosenträger

Monokel

Taschenuhr

militärische Accessoires, z.B. Orden

Smoking

dreiteiliger Anzug

(Kutscher-)Mantel

Schal

Krawatte, Fliege oder Halstuch

Frack

Cut

Smoking

Gehrock

Damen

mehrteilige Kleider, z.B. mit Tournüre (nach Vorbilder aus der Zeit von ca. 1870 bis 1888)

Blusen, gern mit Rüschen

Röcke in allen möglichen Längen, gern mit volants, Rüschen oder anderen Verzierungen,

mit oder ohne Reifrock

Korsetts in allen möglichen Ausführungen, die oft auch über der Kleidung getragen werden

Bolero-Jacken

Hüte, gern auch Zylinder

Fascinators (Mini-Hüte oder Kappen, die oft mit Haarklammern befestigt werden)

seltener sind Hauben wie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

Schmuck mit nostalgischer Optik, z.B. Kameen, Gemmen oder auch mit Uhrwerken, Zahnrädern, Schlüsseln, Kraken...

lange Mäntel/Umhänge

Capes

Schal oder Stola

Handschuhe

Punk?

Dieser Begriff kann für Verwirrung sorgen. Steampunk hat mit Punk nur wenig gemeinsam. Bei beidem spielt Rebellion gegen die Gesellschaft zwar eine Rolle – mehr oder weniger - dies wird jedoch unterschiedlich ausgedrückt. Im Gegensatz zu Punks, die einen eher absichtlich abgerissenen Look bevorzugen, kleiden sich die meisten Steampunks eher elegant oder zumindest gepflegt. Dennoch kann es durchaus zu Überschneidungen kommen, z.B. wenn Steampunks schottische Karomuster in ihre Outfits integrieren, derbe Arbeiterstiefel tragen oder abgewetzte Handwerker-Overalls.

Goggles/Schweißerbrillen

Viele Steampunks sind der Ansicht, dies sei das Accessoire schlechthin für Steampunk. Die Goggles werden gern auch reich verziert oder mit weiteren Teilen umgestaltet. Viele tragen sie nicht auf der Nase, sondern zur Zierde auf dem Zylinder. Allerdings scheiden sich hier die Geister: Für manche sind Goggles einfach ein hübsches Accessoire, andere meinen, man sollte sie nur tragen, wenn man beispielsweise insgesamt den Look eines Technikers, Mechanikers, Piloten oder ähnliches erzielen möchte.

Und was ist mit Zahnrädern?

Auch hier gibt es geteilte Meinungen. Manche Steampunks verzieren ihre Outfits oder auch selbst gestaltete Objekte gern mit Zahnrädern (oder Abbildungen derselben). Andere sind der Ansicht, Zahnräder als reine Deko gehören verboten und sind nur zulässig, wenn sie tatsächlich irgendeine Funktion erfüllen, wie in einem Uhrwerk.

Dazu gibt es übrigens einen netten Youtube Video-Clip in englischer Sprache -

Just Glue Some Gears On It (And Call It Steampunk):

http://salon.clockworker.de/video/just-glue-some-gears-on-it-and-ca...

Farben

Grelle Farben sollte man bei der Auswahl für Steampunk-Outfits meiden. Was bunte Farben betrifft, gibt es ein weitverbreitetes Klischee, dass diese im 19. Jahrhundert selten in der Mode zu finden waren. Das ist so nicht richtig und daher  empfehle ich, den Kommentar von Birgitta vom Elbenstrand zu diesem Thema zu lesen.

Besonders typische Farben im Steampunk.Bereich sind allerdings eher dunkle oder gedämpfte Farben, darunter Braun, Beige, Kupfer, Elfenbein, (Dunkel-)Blau, Weinrot, Grau, Anthrazit oder Schwarz. Letzteres ist natürlich auch durch Überschneidungen zur Gothic-Szene beliebt.

Muster

Im ausgehenden 19. Jahrhundert waren farbig bedruckte Stoffe mit Mustern aller Art ziemlich beliebt, z.B. Karos, florale Muster, Rankenornamente oder indische Muster, die aus der britischen Kolonie nach Europa importiert wurden (bekannt bis heute sind etwa die Paisley-Muster). Auch Streifen sind im Steampunk häufig vertreten, z.B. in der Kombination schwarz-weiß oder schwarz-braun.

Unpassend sind dagegen viele moderne abstrakte oder geometrische Muster. Auch tierische Muster wie Tigerstreifen, Schlangenhautmuster oder „Leopardenfell“ passen eher nicht zum Steampunk.

Stoffe

Wie im 19. Jahrhundert erfreuen sich Stoffe wie Taft, Damast, Satin, Brokat oder Seide bei eleganten Outfits großer Beliebtheit, doch auch schwerer Samt oder schlicht und einfach Baumwolle, Leinen oder Wolle können zum Einsatz kommen, z.B. bei alltäglicheren Outfits oder bei Mänteln und Capes.

Schuhwerk

Mit schlichten (Schnür-)Schuhen in braun, schwarz, grau oder dunkelblau kann man wenig verkehrt machen, ob mit Absatz oder flacher Sohle. Moderne Zusätze wie Reißverschlüsse oder Klettverschlüsse sollten dabei jedoch vermieden werden. Zu manchen kürzeren Damen-Outfits passen auch schlichte Overknee-Stiefel sehr gut.

Beliebt bei den Damen sind außerdem die „Granny Boots“, schlichte, meist schwarze Schnürstiefeletten mit kleinem Absatz.

Zu einem Dandy-Look a la 20er/30er Jahre passen schwarz-weiße Schnürschuhe sehr gut.

Empfehlenswert sind auch Schuhe und Stiefel aus dem Gothic-Bereich, welche z.B. mit silbernen Schnallen verziert sind.

Es gibt mittlerweile im Aether auch zahlreiche Angebote an „Steampunk Schuhen“, die z.B. mit Zahnrädern oder anderen Steampunkmäßigen Symbolen verziert sind. Solche Schuhe sind jedoch oft recht teuer und meiner Meinung nach für Steampunk-Einsteiger nicht notwendig.

Accessoires

So manches Accessoire kann man auf Flohmärkten oder in Trödel-/Antiquitätenläden finden. Auch Aether-Auktionshäuser sind oftmals eine wahre Fundgrube für Accessoires.

Damen, die ihr Schuhwerk weiter verzieren möchten, können dies z.B. mit selbst gestalteten Gamaschen tun. Zu manchen Outfits mit kurzen Ärmeln passen auch Armstulpen oder elegante Handschuhe, die bis über die Ellenbogen reichen.

Upcycling – die Umgestaltung vorhandener Kleidungsstücke

Im Aether finden sich viele DIY (Do it yourself) Anleitungen, wie man gebrauchte Kleidungsstücke umgestalten kann, z.B. alte Jacken, Blazer, Blusen oder Hemden.

Hier sind einige Video-Beispiele als Anregung:

http://www.youtube.com/watch?v=lbxRdDjp67g

http://www.youtube.com/watch?v=fACbMz-nK2w

http://www.youtube.com/watch?v=E0mUVssPWDk&list=TLQbOrtgo5TYSLb...

Frisuren

Auch hier orientieren sich Steampunks gern - grob geschätzt - an der Zeit von 1870 bis 1940. Bei den Damen sieht man häufig mehr oder weniger streng hochgesteckte oder geflochtene Haare, die oft auch mit Haarschmuck versehen sind. Bei der Frisur sollte man beachten, ob ein Hut, eine Haube, Mütze oder ein Fascinator getragen wird oder nicht. Im 19. Jahrhundert durften Damen übrigens meistens ihre Kopfbedeckungen aufbehalten, auch bei Tisch, während Männer ihre Hüte bei Einladungen in Innenräumen ablegten.

Bei den Herren ist vieles möglich: kurze bis mittellange Haare, bartlos oder mit Bart, und wer mag, kämmt sich die Haare mit Gel oder stilecht mit Pomade nach hinten.

Sind Steampunk-Outfits alltagstauglich?

Bei dieser Frage kommt es ganz auf die Outfits an und auf den eigenen Alltag und Beruf an. Ein elegantes mehrteiliges Abendkleid wird man sicherlich nicht im Büroalltag tragen können - Weste, Hose und Hemd schon eher. Kleinere Accessoires, z.B. Halsketten oder Taschenuhren lassen sich meistens problemlos auch im Alltag tragen, während man den Zylinder vielleicht besser zu Hause lässt – es sei denn, man ist Schornsteinfeger ;)

Wer sich nun fragt, wo man denn Steampunk Kleidung und Accessoires im Aether finden kann, dem sei die folgende Diskussion im Club „Kaufrausch“ empfohlen:

http://salon.clockworker.de/group/kaufrausch/forum/topics/kleidung-...

Wer gern selbst zu Nadel und Faden greifen möchte und über einige Schneidererfahrung verfügt, dem möchte ich den Club „Tapfere Schneiderlein“ empfehlen:

http://salon.clockworker.de/group/tapfereschneider

Seitenaufrufe: 22951

Tags: Anfänger, Basics, Einsteiger, Kleidung, Outfit, Steampunk

Kommentar

Sie müssen Mitglied von Rauchersalon sein, um Kommentare hinzuzufügen!

Mitglied werden Rauchersalon

Kommentar von D.G. Verne am 24. Januar 2014 um 6:20pm

Werte Amalia Zeichnerin. 

Noch ein begeisterter Leser Ihrer werten Ausführungen. 

Hochachtungsvoll

D.G Verne

Kommentar von Amalia Zeichnerin am 20. Januar 2014 um 11:12am

Vielen Dank, Frau vom Elbenstrand,

für Ihre Ergänzung mit den Farben. Ich habe meinen Blogbeitrag dementsprechend angepasst.

Herzliche Grüße,

Amalia Zeichnerin

Kommentar von Birgitta vom Elbenstrand am 20. Januar 2014 um 11:04am

Sehr geehrte Frau Amalia Zeichnerin,

eine sehr schöne Zusammenstellung haben Sie da verfasst, worüber der eine oder andere Steampunkanfänger bestimmt sehr dankbar ist. Bei Ihrer Ausführung über Farben bin ich allerdings am Zweifeln, ob man sich da wirklich auf eine gedämpfte Farbpalette beschränken sollte.

Mitte des 19.Jh. eroberte die Farbenpracht der aus Teer hegestellten Anilinfarben die Stoffmärkte. Bunte Farben wurden nun billig und eroberten die Herzen der (hauptsächlich weiblichen) Menschen. Das Buch "Nineteenth-Century: Fashion in Detail" von Lucy Johnston zeigt unter anderem anschaulich die leuchtende Farbigkeit der damaligen Mode. Mut zur Farbe kann man also aus geschichtlichen Gründen ohne Zweifel auch Steampunkbegeisterten empfehlen. Die Fotos des letzten Jahrhunderts waren zwar nicht gerade farbig, allerdings hatte das ja nun ´mal mit der damaligen Technik des Entwickeln der Bilder und nichts mit der nicht vorhandenen farbigen Kleidung der Menschen zu tun. Auch Gemälde wurden oft mit bräunlichem Firniss überzogen, was die gemalten Farben dämpfte. Also, werte Steampunkliebhaber: Seid doch mutig, die Welt ist viel zu häufig braun und graugedämpft. Oder hat der Ausspruch Goethes: "Je gebildeter die Leute werden, desto farbloser ist ihre Kleidung" etwa heute noch Gültigkeit?  Kommt daher möglicherweise die Annahme, dass Frauen ungebildeter sind als Männer?

Herzlichst grüßt sie eine Farbenliebhaberin

Ihre Birgitta vom Elbenstrand

Kommentar von Morris Kidham am 18. Januar 2014 um 6:14pm

Sehr geehrtes Fräulein Amalia,

vielen Dank für Hre erhellenden Worte. 

Ich muss zugeben, dass mir diese Option so nicht bewußt war.

Ich wollte nicht despektierlich erscheinen.

Hochachtungsvoll

Morris Kidham

Kommentar von Amalia Zeichnerin am 18. Januar 2014 um 5:40pm

Werter Mr. Kidham,

es steht Blogschreibern hier frei, Kommentare erst zu genehmigen oder diese gleich freizugeben. Ich habe mich für die erste Option entschieden.

Hochachtungsvoll,

Amalia Zeichnerin

Kommentar von Morris Kidham am 18. Januar 2014 um 4:48pm

Sehr geehrte Mitreisende,

ich habe hier einen Kommentar verfasst und dann die Nachricht erhalten, dass mein Kommentar noch genehmigt werden muss.

Ist das normal?

Hochachtungsvoll

Morris Kidham

Kommentar von Morris Kidham am 18. Januar 2014 um 4:38pm

Zunächst einmal möchte ich mich bei Fräulein Amalia für diesen gelungenen Beitrag bedanken.

Ja,  ja der Reißverschluss .......

Geehrtes Fräulein Amalia,

wenn man sich Abbildungen der damaligen Bekleidung anschaut, dann ist der Reißverschluss praktisch nicht existent. In diesem Fall stimme ich Ihnen zu.

Was die Erfindung und Einführung des Reißverschlusses angeht, gehe ich völlig konform mit dem geschätzten Doc Damyrev. Die Geschichte des Reißverschlusses können Sie HIER nachlesen.

Sehr geehrter Herr Teleman von Phone,

Sie machen nun genau das, was unter anderem für mich Steampunk ausmacht.

Steampunk ist nun einmal nicht identisch mit Viktorianisch.

Hochachtungsvoll

Morris Kidham

P.S.

Meine Hose, die ich selbst geschneidert habe, hat auch einen Reißverschluss hinter dem Hosenlatz und ich muss sagen, dass dadurch das Öffnen der Hose an gewissen Orten doch erheblich erleichtert wird.  

Kommentar von Teleman von Phone am 18. Januar 2014 um 4:08pm

Sehr geehrte Mitreisende,

da muss ich jetzt leider mal vehemend eingreifen, denn gerade Reßverschlüsse sind ein zentrales Thema meines derzeitigen Bauprojektes. Ich gebe hier aus gegebenen Anlasses ein Preview - aber nur ein ganz kleines:

Nur um hier mal einen konstruktiven Beitrag meinerseits zu bringen.

Den Rest und um was es sich handelt (als Tipp: es ist kein Stoff sondern Kupfer!!!), gibt es irgendwann später mal.

Ihr Teleman von Phone

Kommentar von Amalia Zeichnerin am 18. Januar 2014 um 3:43pm

Werter Doc Damyrev,

was die Reißverschlüsse betrifft, rate ich davon insofern eher ab, da diese - ungeachtet ihres frühen Aufkommens - in der Mode und im Schuhwerk des 19. Jahrhunderts kaum zu sehen sind. Jedenfalls ist mir kein entsprechendes zeitgenössisches Bild bekannt, aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren :)

Hochachtungsvoll,

Amalia Zeichnerin

Kommentar von Bill Dor am 18. Januar 2014 um 2:52pm

Ich sage einfach einmal DANKE, sehr lehrreich.

Hochachtungsvoll

B. Dor

© 2017   Erstellt von Horatius Steam.   Powered by

Flagge zeigen!  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen