Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Verehrte Mitreisende!

Als ich heute Morgen aufgestanden bin, haben mir meine Zimmerpflanzen erneut ihr Leid geklagt, ich solle doch endlich etwas gegen ihre Schildläuse unternehmen. Und als ich gerade zu meiner üblichen Ausrede ansetzen wollte, dass ich keine Sprühflasche habe, in die ich eine Spülmittellösung füllen könnte, fiel mein Blick auf zwei leere Deodorantzerstäuber.
Nun habe ich zwei "steamige" Kleinstgartenbesprüher: Einen für eine Spülmittellösung gegen Läuse und einen mit destilliertem Wasser, um meine feuchtigkeitsliebenden Litschibäumchen zu verwöhnen.

Wie ich die Deodorantzerstäuber in die steamigen Sprühflaschen umgestaltet habe, möchte ich Ihnen im Folgenden zeigen.

Allerdings möchte ich mich vorweg schon für das teilweise recht rosafarbene Licht in den Fotografien entschuldigen. Dies rührt von der Lampe her, welche meine Pflanzen auch im Winter mit dem nötigen Licht versorgen soll.

Zunächst habe ich also die Etiketten von den Flakons entfernt und letztere gründlich gereinigt. Ich kann Ihnen sagen, dass danach alles nach dem Deodorant geduftet hat, obwohl wirklich nur noch ein winziger Tropfen in beiden Flakons enthalten war!

Die Etiketten gingen natürlich nicht rückstandslos von den Flakons ab und hinterließen solch eine typische, klebrige Schicht. Dafür musste mein guter Airbrushreiniger herhalten, der rechts im Bild zu erahnen ist. Denn zu meinem Erstaunen war dieser, obwohl lösemittelfrei, im Gegensatz zu einem lösemittelhaltigen Fensterreiniger, problemlos für diese Aufgabe geeignet.

Als nächstes habe ich die Zerstäuberköpfe in eine Schale mit Spülmittelhaltigem Wasser gelegt, in der Hoffnung, dass sie den Deodorantgeruch abgeben würden, was sich allerdings als erfolglos herausstellen sollte. Vielleicht hätte eine Alkohollösung bessere Arbeit geleistet, da der Geruch aber nicht mehr gar so penetrant war wie zuvor, habe ich es dabei belassen.

Daraufhin war es an der Zeit für neue Etiketten! Würde ich die Flakons nicht durch solche kenntlich machen, würde ich vielleicht versuchen, Läuse mit destilliertem Wasser zu bekämpfen und meine Litschis würden unter der Spülmitteldosis leiden! Also klebte ich die Originaletiketten so zusammen, dass sie sich möglichst wenig wellten. Mein Versuch, sie auf kleinster Stufe zu bügeln, zeigte mir schnell, dass sie Kunstsoff enthielten. Das ist der Grund für die wellige Textur des oberen Etiketts im Bild.

Ich nutzte also die alten Etiketten, um mir den Umriss für die Neuen auf ein gutes Zeichenpapier zu übertragen, wobei ich feststellte, dass das vordere Etikett die selbe Form hat, wie das hintere.

Nach einem missglückten Versuch hatte ich das erste Etikett fertig. Ich entschied mich, nur ein Etikett zu machen und auf eine Rückseite zu verzichten, weshalb die Notiz "vorne" gerne übersehen werden darf.

Für den Schriftzug orientierte ich mich an den Schrifttypen "Kaiserzeit Gotisch" und "AnglosaxOblique", zeichnete alles kurz mit einem Bleistift freihand ab, nutzte dann eine 2mm Bandzugfeder für den H2O-Schriftzug und das Ornament unter der Schrift, eine 1mm Bandzugfeder für den "destilliert"-Schriftzug und eine feine Kronenfeder für Verzierungen und Umriss.

Nachdem ich durch das erste Etikett bereits etwas mehr Übung hatte, brauchte ich für das zweite Etikett nur noch einen Versuch. Dafür habe ich hier die Vorzeichnung mit Bleistift ins Bild geschnitten.

Nachdem ich im ersten Etikett die Schriftzüge in Mauriziusblau und die Verzierungen am Rand mit Umbra gebrannt gezeichnet habe, entschied ich mich dafür, es jetzt genau andersherum zu machen.

Nun sind die Etiketten ausgeschnitten, mit einem Acryl-Klarlack besprüht und unglaublich semiprofessionell mit Klebestift auf die Flakons geklebt. Daneben stehen übrigens die Tintenflaschen, falls sich jemand dafür interessiert. 

Nun, da die Flakons soweit fertig waren, musste unbedingt etwas mit den Plastikteilen geschehen. Ich habe sie also gründlich mit Reinigungsalkohol entfettet. Die Sprühdüse und den Pumpschlauch habe ich abgeklebt. eventuell hätte es nicht geschadet, die sehr glatte Oberfläche des Zerstäuberkopfes mit einem feinen Sandpapier an zu schleifen. Ich habe das Gefühl, dass die Lackschicht nicht allzu fest mit dem Malgrund verbunden ist. 

Jedenfalls habe ich nun die Einzelteile mit schwarzer Airbrushfarbe hübsch gleichmäßig besprüht und mit einer dicken Schicht Acryl-Klarlack fixiert. Die matte Farbe sah gleich viel besser aus.

Der letzte Schliff war allerdings erst mit etwas goldener Acrylfarbe getan. Diese habe ich mit dem Finger aufgetragen, um eine Art metallische Oberfläche zu erzeugen. Um die Lackschicht so robust wie möglich zu machen, habe ich daraufhin erneut eine Acryllackschicht appliziert. Der verwendete Lack, die goldene Acrylfarbe sowie die schwarze Airbrushfarbe von "Revolution Kolor" sind alle im Bild zu sehen, falls der geneigte Leser sich mit dem Gedanken trägt, mein Projekt nachzuahmen.

Man glaube es oder nicht, ich war fertig! Für dieses Mal. Ich überlege, eventuell den unteren Rand der Deckel noch etwas aufzuwerten. Eine Art  aufgenietetes Band wäre vielleicht  eine gute Möglichkeit, den Übergang nicht so plötzlich aussehen zu lassen.

Jedenfalls sprühen die Flakons wundervoll feinen Sprühnebel und sind für eine Zimmerpflanze oder einen Kleinen Zimmergarten nahezu perfekt.

Das Original ParaLaus besteht aus einem winzigen Spritzer umweltverträglichen Handspühlmittels, welcher mit destilliertem Wasser verdünnt wurde.

Ich empfehle stets destilliertes Wasser oder Regenwasser zu nehmen, da sich sonst unter Umständen hässliche weiße Kalkflecken auf den Pflanzenblättern bilden, welche die für die Atmung der Pflanzen unabdingbaren Stomata verstopfen können.

Ich bedanke mich herzlichst, dass Sie meine Ausführungen bis hierher gelesen haben und bin sehr Gespannt auf Ihre geneigte Meinung sowie Anregungen! 

Falls Sie Interesse daran haben, selbst einen solchen Kleinstgartenbesteamer zu konstruieren, habe ich die Etiketten als druckfertige PDF-Datei angehängt. Bei einem Druck in A4-Format sollten die Etiketten genau die richtige Größe für solch einen Flakon aufweisen. 

Hochachtunsvoll, Ihr

Don Texugo Meles

Tags: Bewässerung, Schädlingsbekämpfung, Sprühen

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Antworten auf diese Diskussion

Alle Achtung, mein Freund Texugo!
Ihr ausführlicher Bericht, welcher sehr gut mit Bildern ausgestattet ist, lässt sich sehr schön lesen. Die Idee ist super und das kalligraphische Schreiben scheint Ihnen sehr zu liegen. Eine tolle Anregung und perfekt zum nachbasteln!
Mit Hochachtung
Sir Isaac Moto

Werter Don Meles

 

Vielen Dank für diese tolle Idee. Die Etiketten sehen super aus, Kompliment zu Ihrer ruhigen Hand. Das kalligraphische Schreiben beherrscht ja heute kaum einer, geschweige denn in so perfekter Präzision.

Die Vorlagen (von denen ich gerne zu gegebener Zeit Gebrauch machen werde) sollten unbedingt im Laderaum abgespeichert werden. Vielen Dank für das Einstellen.

 

Ergebenst

Lady Anna

Vielen Dank, verehrte Lady Anna!


Die Kalligraphie ist mir ein wichtiges Hobby. Die ruhige Hand, die Sie erwähnen, kommt tatsächlich oft erst nach einigen Strichen des "Warmzeichnens", ist vielleicht aber auch einfach Übung. Es hilft, sich ein ganzes A4-Blatt vorzunehmen und mit einem Stift jeglicher Art das ganze Blatt mit zahlreichen, möglichst geraden Linien in gleichmäßigem Abstand und etwa drei bis fünf Zentimeter Länge zu füllen. Dabei ist zu empfehlen, stets auf sich selbst zu zu zeichnen, da die Linien so am geradesten werden. Sie werden sehen, dass die Linien gegen Ende hin immer gerader und gleichmäßiger werden. Wenn Sie diese Übung immer wieder wiederholen und Buchstaben aus alten Büchern oder von Schrifttypen auf Ihrem PC abzeichnen (Hilfslinien für Ober- und Untergrenze der Glyphen helfen sehr!), werden Sie sehen, dass die Kunst der Kalligraphie nicht nur durchaus zu erlernen ist, sondern auch unglaublich beruhigen kann. :) Ich kann nur wärmstens empfehlen, es auszuprobieren! Federn und Tusche sind auch nicht all zu teuer und lohnen sich in jedem Fall.

Den Rat mit dem Laderaum werde ich beherzigen! Vielen Dank!

Hochachtungsvoll,

Ihr Don Meles

Werter Don Meles

Wenn Sie das so schreiben möchte man es gerne glauben. Ich stimme mit Ihnen überein, dass Geduld und Übung sicherlich ihren Teil dazu beitragen, daneben so denke ich, ist aber auch ein wenig Talent nicht von Schaden und das haben Sie mit Gewissheit in die Wiege bekommen.

Die Kalligraphie kommt somit auf meine (schon ziemlich lange) Liste der Dinge, die ich irgendwann noch ausprobieren will. Für den Moment habe ich aber zu viele andere Projekte auf dem Tisch.

Dafür habe ich schneller als gedacht Verwendung für zumindest eine Ihrer Etiketten. Da ich mir eine Pflanze zugelegt habe, die eine höhere Luftfeuchtigkeit bevorzugt und nur Regenwasser oder eben destilliertes Wasser verträgt, muss ein Zerstäuber her. Zufälligerweise benutzen wir hier im Hause ebenfalls ein Deo von Nivea mit derselben Flakonform. Sobald die nächste Flasche leer ist (was in den nächsten Tagen zu erwarten ist) wird sie zum Wasserzerstäuber umfunktioniert.

Vielen Dank für diese schöne Anregung und das Bereitstellen der Etiketten.

Ergebenst

Lady Anna

Werte Lady Anna,

es ehrt mich überaus, dass Sie Verwendung für meine Etiketten finden! Ja es erfüllt mich sogar mit großer Freude! 

Darf ich fragen, um welche Pflanze es sich handelt?

Hochachtungsvoll,

Ihr Don Meles

Werter Don Meles

In einem Anflug von Übermut habe ich mir eine "Nepenthes Bloody Mary" gekauft und zwar ohne mich davor kundig zu machen. Die Aussicht, dass das hübsche Pflänzchen sich um die lästigen Fliegen kümmert, welche mit den wärmeren Tagen bald Einzug halten, hat mich dazu verleitet. Nachdem ich mich aber nun ein wenig Schlau gelesen habe war dies keine so gute Entscheidung. Ich befürchte in meinem warmen Wohnzimmer mit niedriger Luftfeuchte wird die arme Pflanze keine Freude haben. Daher will ich ihr zumindest mit dem Wasserzerstäuber ein wenig Erleichterung bringen, in der Hoffnung, dass sie nicht gleich das zeitliche segnet.

Ergebenst

Lady Anna

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