Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

(Erheb:) Klingklingkling!

Aufgemerkt, meine sehr verehrten Mitreisenden,

vielleicht hätten Sie die Muße, einem andächtig Wort zu lauschen, bevor Sie dem braungebrannten Vogel dort das Bein ausreissen und sich der obligatorischen Völlerei hingeben.

Anderenfalls -  bitte weitermachen, und wohl bekomms !

Quasimodo

Gerade jetzt zur Weihnachtszeit

ist es Quasimodo leid

das Starren und das dumme Glotzen,

er findets meistens nur zum Kotzen.

Anderssein ist einfach nicht,

und niemand ist darauf erpicht.

Ob arm, ob hässlich, ist egal,

hierzulande: alles Qual

Das weihnachtlich Gesäusel zeigt:

für Toleranz scheint nicht bereit

die Masse, welche hier zwar eifert,

am Elend aber sich ergeifert;

NICHT innehält, doch fest umklammert -

Wohlstandsängste. Laut bejammert.

Wie trefflich kommt das Ungeheuer,

jagts zum Teufel, macht ihm Feuer!

Mann, wie hässlich; es ist fein,

dass ich darf ganz anders sein.

Geld in de Täsch und frisch geliftet,

durchs pralle Leben forsch gedriftet

Drum schenke ein den glühnden Wein,

die andern? Lass doch einfach schrein.

Man denkt an sich! Wenns jeder macht,

so ist doch allen dann gedacht?

„Das Leben find ich ach so fade,

niemand liebt mich, das ist schade -

drum klettre ich an der Fassade...“

Sprachs, und setzte in die Tat,

was es zuvor ersonnen hat,

das widerliche Ungetüm.

Es klettert darauf ohne Mühn

die Wand entlang, dem Dach entgegen.

Einsamkeit macht schwer verwegen.

Oben Himmel, Wasser unten, ach,

weihnachtlich brennen die Lunten.

Aus der Menge, welche staunt

und ob des Wagemutes raunt,

bricht heraus ein lauter Schrei:

„Im Wasser dort – ein Quasimodohai!“

Ein Geschiebe, ein Geschuckel,

und wirklich sieht man einen Buckel

kreisen im trüben Gewässer -

doch leider wissen wir es besser.

Ohne Lieb, es ward zuviel

dem Quasi, drum Sein heeres Ziel:

zu halten bis zur Weihnachtszeit,

doch hernach dann, es ward soweit,

allem Übel, allem Leid -

ein End gesetzt mit wahrem Schneid.

Zumindest nun in aller Munde

ist des Quasis traurig Kunde:

sei nett, nicht nur zur Weihnachtszeit!

Umgeben von dem ganzen Leid,

schliess den Verstand, öffne das Herz,

und lind're täglich etwas Schmerz,

ohne Zögern. Kein Geschwanke!

das wäre doch wahrhaftig mal

ein weihnachtlich Gedanke

Aus „Ode an die Ödnis“,

von Meinhardt Minnesang

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Antworten auf diese Diskussion

Sehr geehrter Freiherr,

dem kann ich nun wirklich nichts mehr hinzufügen. Danke dafür!

Hochachtungsvoll

Elisabeth Freifrau von Reitemeye

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