Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Ich erlaube mir Ihnen eine meiner neusten Errungenschaften auch hier an Bord präsentieren zu dürfen.
Es handelt sich dabei um einen grossen vertikalen Einzylinder-Solenoid-Motor mit dem Namen „EL MAGNETO“.



Die Idee zu dieser Kreation lieferten ein alter antiker Lampensockel und ein übriggebliebenes Schwungrad einer Tretnähmaschine. Das Schwungrad befand sich früher einmal am Tisch des „NAUTILUS Fernschreibers“. Zu Beginn des Projekts war sehr wenig klar. Welche Stärke ein Elektromagnet haben müsste um das schwere Schwungrad zu drehen und woher überhaupt eine passende Spule aufzutreiben waren äusserst unklar. Trotzdem wurde mit dem Bau begonnen – die meisten Probleme lassen sich dann meist schon lösen, wenn’s soweit ist.


In einem ersten Schritt wurde das Schwungrad mattschwarz gespritzt um den Rost zu verstecken, die alte Holzkiste vom Flohmarkt wurde auf dem antiken Lampensockel befestigt und das Schwungrad fand am Deckel seinen Platz. Die ganze Geschichte war danach doch sehr „kopflastig“ und ich musste mir eine Lösung für einen passenden Sockel einfallen lassen. Glücklicherweise hatte ich noch diverse antike hölzerne Uhrengehäuse an Lager und eines davon passte perfekt zur Komposition.


So weit so gut. Nun war ich definitiv beim Problem angelangt: Woher sollte ich jetzt eine passende Spule als Elektromagneten nehmen? Und was passt als Eisenkolben in den Magneten rein? Das Durchsucher des Laboratorium ergab keine passende Lösung des Problems, also entschied ich mich einfach selbst mal eine ungefähr passende Spule aus isoliertem Kupferdraht zu wickeln. Als Kern verwendete ich ein altes Stück PVC-Rohr, auf dem ich hinten und vorn eine hölzerne Scheibe zur Führung des Drahts platzierte. Danach wickelte ich recht rudimentär 40m isolierten Kupferdraht darauf und verschloss die Spule mit echtem Leder.


Der erste Test mit einem alten Hohlschraubenschlüssel zeigte immerhin, dass das Ganze eine gewisse Magnetkraft entwickeln kann. Ob diese jedoch ausreicht war mir immer noch nicht so ganz klar.



Egal, es wurde einfach weitergearbeitet. Die Spule wurde montiert und der Einfachheit halber verwendete ich den Hohlschraubenschlüssel gleich als Kolben, schliesslich hatte der ja beim Test gut funktioniert. Der Schraubenschlüssel passte zudem mehr oder weniger in die selbstgemachte Magnetspule.

Nun gut, erstes Problem gelöst – doch das Zweite folgt genau jetzt. Der Solenoidmagnet musste natürlich entsprechend angesteuert werden, damit der Kolben eine kontinuierliche Auf- und Abbewegung machen kann. Der Maschinenzyklus ist recht simpel: Am höchsten Punkt, wenn sich der Kolben ganz oben halb ausserhalb der Spule befindet, muss der Solenoidmagnet eingeschaltet werden. Der Kolben wird eingezogen und der Stromfluss muss am untersten Punkt wieder unterbrochen werden. Danach dreht das Schwungrad weiter und zieht den Kolben wieder aus dem Magneten bis zur obersten Position. Hier beginnt das Spiel dann wieder von vorn.

Für die Steuerung des Solenoids verwendete ich schlussendlich das selbe System wie bei meinem kleinen Solenoidmotor "Monsieur Bourbouze’s Electromagnetic Machine“.

Ich legte einen Pol des Stromkreislaufs direkt auf das Lager des Schwungrads. Somit fungiert das Schwungrad als Pol. Den Gegenpol legte ich auf einen Schleifer aus simplem Kupferdraht. Um den Strom bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens zu unterbrechen klebte ich einfach den halben Umfang der Welle mit einem Stück starkem Klebeband ab. Eine sehr einfache Lösung, die sich wirklich bewährt hat. Dieser simple geschaltete Stromkreislauf betätigt nun ein kleines 12V Relais, welches wiederum die nötigen 12V und knapp 8A für den Solenoidmagneten regelt.


Nun war es soweit: Der erste Testlauf konnte beginnen. Beim ersten Test legte ich eine Spannung von 24V /10A an – und hätte damit beinahe mein Laboratorium zerlegt! Anfangs drehte die Maschine wunderbar, wurde jedoch immer schneller und schneller und drohte plötzlich zu explodieren. Dank schnellem Unterbrechen der Stromzufuhr und festhalten des Sockels konnte schlimmeres verhindert werden.

Nun läuft die Maschine mit 12V und rund 8A sehr angenehm und gleichmässig und wird an der MAKER FAIRE ZÜRICH im September das erste Mal dem Publikum vorgeführt.

Ich sende Ihnen einen herzlichen Gruss aus meinem kleinen Laboratorium in einer Flussaue Helvetiens

Ihr Dan Aetherman aka The Chocolatist

www.aetherman.com

Tags: aetherman, elektromagnetisch, maschine, motor, solenoid, steampunk

Seitenaufrufe: 317

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion

Guten Morgen,

ich habe die Maschine schon bei FB bewundert.

Danke für die schöne und ausführliche Beschreibung, besonders der Steuerung des Magneten.

8A Holla! Fast 100Watt :-)

Ihnen weiterhin viel Spaß, beim Erfinden und Bauen.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Hochgeachteter Herr Aethermann,

Ich war nun so in Ihren Beitrag vertieft, dass ich alles um mich herum vergaß. Auf der immerwährenden Suche nach dem Perpetuum Mobile ist Ihr wissenschaftlicher Beitrag von unschätzbarem Wert.

Herzliche Grüße aus dem Großherzogtum in die Eidgenossenschaft,

Kapitän Darius Cumulus

Werter Herr Aethermann,

da ist in ihrer Werkstatt ja wieder eine imposante Maschine entstanden, mit diesem riesigen Schwungrad lässt sich sicher das Ein oder Andere Werkzeug antreiben.

Hochachtungsvoll,

Hagen vom Elsenfeld

Geschätzter Herr Steam, werter Kapitän Darius Cumulus, verehrter Herr Hagen vom Elsenfeld

Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihre freundlichen Kommentare zu meiner neusten Kreation „El Magneto“.
Ich muss Ihnen an dieser Stelle gestehen, dass ich bis zuletzt nicht an diese Erfindung geglaubt habe. Dass der Motor nun tatsächlich läuft ist eine sehr positive Überraschung.
Wieviel Reserve der Motor tasächlich hat wird sich zeigen. Eine zweite Komposition ist geplant und wird die Antriebskraft von „El Magneto“ nutzen. Seien Sie gespannt!

Nochmals lieben Dank für Ihr sehr geschätztes Interesse!

Mit einem herzlichen Gruss aus dem südlichen Auenland

Ihr Dan Aetherman  aka  The Chocolatist

Auf Diskussion antworten

RSS

© 2017   Erstellt von Horatius Steam.   Powered by

Flagge zeigen!  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen