Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitreisende,

heute Vormittag konnte ich ein Bastelprojekt abschließen, welches mich während der vergangenen Wochen viele Stunden lang beschäftigte. Das im Folgenden zu beschreibende zweistufige Planetengetriebe aus Birken-Multiplex wird zukünftig eine der Wände des heimischen Salons schmücken. Und weil es sich dabei um ein bewegliches Objekt handelt, möchte ich Ihnen zunächst gern einige Bewegt-Bilder zeigen:

Im Standbild sind, sofern es Sie interessiert, die Details besser zu erkennen:

Hier noch einmal mehr aus der Nähe:

Abschließend noch ein paar Impressionen aus der Bauphase

Die Planetenräder erhalten ihre Speichen:

Die Innen-Zahnkränze hatte ich grob an einer geliehenen Dekupiersäge ausgesägt; die Feinheiten kamen später, zunächst mit der Laubsäge:

... anschließend - Stunde um Stunde - mit der Schlüsselfeile:

Als ich dieses Projekt plante, sah ich glücklicherweise nicht voraus, wie lange es dauern würde zehn hölzerne Zahnräder mit insgesamt 210 Zähnen größtenteils von Hand in Form zu bringen. Ein Nachbau kann also nur bedingt empfohlen werden; das Gemüt eines Fleischerhundes ist dabei jedenfalls unbedingt hilfreich!

Weitergehende Fragen beantworte ich wie immer gern und bedanke mich zunächst für Ihr Interesse.

Remington Brass

Tags: Holzzahnräder, Planetengetriebe

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Chapeau! Auf dem ersten Blick hatte ich angenommen, es wäre mit der CNC gefräst worden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Feinarbeit viel Geduld und Nerven gekostet haben. Drum nochmals, Chapeau! 

Würden Sie noch verraten, was für einen Motor Sie verwendet haben? Und, so aus Neugierde, wieviele Stunden hat das Projekt Ihnen geraubt?

Hochachtungsvoll,

Friedrich Graf von Reichenhall

Herr Brass!

Das Sie mit Metall zaubern können, dass war ja schon klar. Aber nun mit Holz! Gehts noch?

Im Ernst, gro0artig gemacht Sie sehen mich echt begeistert und fasziniert, was für ein wunderschönes, kinetisches Objekt.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Mon Dieu, ist das ein wunderbares Werk, lieber Freund!

Und mit nichten gehe ich davon aus dass Sie ihre Werkzeit als geraubt bezeichnen würden.

Aber das kennt der werte Graf v. Reichenhall sicher selbst auch, wie erquicklich diese Mußestunden sein können. Obwohl auch ich interressiert wäre, welch' eine Bauzeit dem Projekt zugrunde liegt, und ob es bereits zu einem Gesamtkonzept Kugelbahn gehört?

Es grüßt Sie freundschaftlich

~Viktoria~

Geschätzter Herr Brass, lieber Remington

Sie erstaunen mich immer wieder aufs Neue, so vielseitig sind Ihre Talente! Aber nicht nur Ihr handwerkliches Können ist beeindruckend, nein auch Ihre Ausdauer und Ihre Geduld, nicht zu vergessen die Ideen!

Die bewegte Dekoration gefällt mir ausnehmend gut und die Perfektion mit der sie ausgeführt ist trägt eindeutig Ihr Markenzeichen!

Ergebenst

Ihre Lady Anna

 

Meine Damen, meine Herren, schönen guten Morgen zusammen,

und besten Dank zunächst für Ihre netten Kommentare.

Ihre Fragen nach der Zeit, die ich für die Anfertigung des hölzernen Getriebes auf wandte, ist nicht leicht zu beantworten, denn wie Sie sich werden vorstellen können: in der Brasserie gibt's keine Stechuhr. Um Ihnen dennoch eine gewisse Vorstellung vermitteln zu können vielleicht so viel: begonnen habe ich mit dem Projekt etwa Mitte April; an den Wochenenden habe ich mehrfach komplette Acht-Stunden-"Schichten" in der Werkstatt zugebracht, allerdings stets unterbrochen von oft ausgiebigen Kaffee-, Zigaretten- und Mittagspausen; desgleichen gilt im Prinzip für die Donnerstag-Mai-Feiertage. An den Abenden der Wochentage, nach der Erwerbsarbeit also, schaffe ich erfahrungsgemäß nicht mehr so viel, denn wer früh um 5.00 Uhr aufgestanden ist, dem fallen gegen 21.00 Uhr die Augen zu. Zusammenfassend spekulierend würde ich annehmen, es waren insgesamt gewiss mehr als sechzig, aber auch keinesfalls mehr als achtzig Stunden "Arbeit", die in dem Projekt stecken.

Und nein, liebe Viktoria, das Getriebe gehört nicht zum Gesamtkonzept Kugelbahn; auf dieser "Baustelle" ging's nicht so recht weiter, insofern war der Getriebebau auch eine Form von Prokrastination :-)

Graf von Reichenhall: das verwendete Motörchen habe ich vor Urzeiten irgendwo ausgebaut; ich weiß leider nicht mehr, aus welchem Gerät. Es handelt sich um eines jener Gleichspannungs-Motörchen wahrscheinlich koreanischer Provenienz, etwa 35mm Durchmesser mit 2mm Welle. Im Getriebe betreibe ich den Motor mit 9V Gleichspannung, dabei nimmt er rund 80mA auf, also deutlich unter 1 Watt Leistung.

Werter Dr. T.v.T: Ihren Beitrag hat's leider irgendwie "gerissen" - schade - jetzt weiß ich nicht, was Sie mir sagen wollten. Wären Sie so nett einen zweiten Anlauf zu wagen?

Mit besten Grüßen

Remington Brass

Hochverehrter Herr Kollege Remington Brass, lieber Freund und OB!

 

Erst hat es den sehr verehrten OB Genius von Heddernheim erwischt und nun hat auch Sie das Schicksal des meditativen Laubsägens ereilt. Wenn ich (im Geiste) meine überaus bescheidenen Ergebnisse auf diesem Gebiete dagegen halte, so bleibt mir nur die überaus tiefe Verbeugung vor einem neuerlichen Meisterwerke.

 

Sollte man mich je einmal bitten den Begriff: „Fleißarbeit“ zu veranschaulichen, ich täte es mit Ihrem verzahnten Planetengetriebe!

 

 

Es grüßt schwer beeindruckt

Ihr Kollege, Freund und OB

 

Aeon Junophor

Werthester Herr Brass,

ich bedauere zutiefst...es gab Unwägbarkeiten bei dem hauseigenen Eingaberät und den unergründlichen Weiten des Aethernetzes...

Ihr neuestes Machwerk raubte mir erst den Atem, dann musste ich etwas Sauerstoff tanken! Formidabel, die Idee und funktionale Umsetzung. Das Sie sich wohl buchstäblich "einen Wolf gesägt/gefeilt" haben, zollt den allergrößten Respekt. Schlichtere Naturen hätten zu einem Lasercutter greifen können...

Das Sie diese Konstruktion mit einem derart schwächlichen Motor betreiben können, zeugt von "ausgefeilter" handwerklicher Präzision.

Haben Sie einen Getriebe/Modul Konfigurator bei der Entwicklung zur Seite gehabt?

Mit kollegial verzahnten Grüßen

Ihr Dr. T.v.T.

Moin!

Wer, so wie Sie es getan haben lieber Freund Aeon Junophor, sechsundsechzig dünne Leitungen mit handgemachten Steckerchen bestückt und das Ganze dann durch die Bögen eines einigermaßen zierlichen Kupfergeröhrs friemelt, der weiß genau, was eine "Fleißarbeit" ist ;-) Danke für's Lob allenthalben.

Und Ihnen , lieber Dr.T.v.T., besten Dank für Ihren zweiten "Anlauf" ... im Grunde meines Herzens bin ich zutiefst überzeugt davon, dass die internationale Community der Rechenknechte heimlich überein gekommen ist, uns Menschen einfach nur fertig zu machen. 

Ihre Vermutung hinsichtlich des zum Einsatz gekommenen Modul-Konfigurators ist absolut zutreffend. Ich bediente mich der (älteren und einfacheren) free-software des genialen Matthias Wandel

 https://woodgears.ca/gear_cutting/flash.html

Die auf Papier ausgedruckten Zahnräder bzw. Zahnkränze werden aufs Sperrholz geklebt und bilden eine astreine Schablone; aber Achtung: so mancher Drucker verzerrt erheblich, und dann sind die Räder nicht wirklich rund. Auch die Feuchte des Klebstoffes kann Deformationen erzeugen, deshalb stets mit dem Zirkel prüfen und ggf. korrigieren!

Und nach dem Aussägen klemmt's dann dennoch an allen Ecken und Enden. Das heißt dann: montieren, markieren wo's klemmt und schleift, demontieren, nacharbeiten, erneut montieren, ... da capo al fine! Dass das mickrige Motörchen die ganze Mimik letztendlich bewegen kann ist einerseits den verwendeten Kugellagern und andererseits dem teilweise erheblichen Zahnflankenspiel geschuldet. Deshalb macht die Apparatur auch diese rumpelnden Geräusche, aber was soll's? Ist ja nur Deko.

Mit besten Grüßen

Ihr Remington Brass

"Planeten-Getriebe" las ich, weil ich selbst damit schon gearbeitet habe... wirklich toll umgesetzt.
Ich nahm an, dass dieses Werk gelasert wurde, dann sah ich die Bilder der Handfertigkeit, was mich besonders beeindruckt, weil ich mich in dieser Detailverliebtheit wieder erkennen :)

Daumen hoch!

Mein lieber Meister Brass,

nach langer Zeit bin ich wieder an Bord und finde hier Ihr wunderbares Getriebe. Die Präzision ist, wie immer bei Ihren Arbeiten, sehr beeindruckend.

Die Sägerei und das ganze Rumgefeile finde ich selbst eigentlich ganz angenehm, weil man da so herrlich vor sich hinmeditieren kann. Nur frage ich mich, wie Sie es geschafft haben, dass bei diesen Multiplexplatten nix wegbröselt? Das sind doch diese ganz normalen Multiplexplatten aus Birke aus dem Baumarkt, oder? Die haben doch teilweise so kleine "Lunker", also so bösartige kleine Hohlräume und die Mistdinger treffe ich IMMER, egal wo die sich verstecken. Und normalerweise splittert immer am Ende der Bearbeitung ein Stück ab und die Arbeit war für die Katz, wenn es im sichtbaren Bereich ist. Liegt es an der aufgeklebten Vorlage, die so etwas verhindert? Oder haben Sie da besonderes Holz?

Und dann interessiert mich, ob man die Zahnräder da irgendwie justieren kann, wenn es an einer Stelle klemmt oder klappert. Na gut, wenn Sie so etwas bauen, dann wird mit Sicherheit nix klappern, weil alles auf's µ exakt da sitzt, wo es sitzen soll. Aber wie korrigiert man das als Normalsterblicher?

Über eine Antwort freue ich mich sehr.

Herzliche Grüße aus Heddernheim

Ihr G.I. von Heddernheim

Mein lieber Genius Immanuel von Heddernheim,

mit großer Freude darüber, Sie zurück an Bord wissen zu dürfen, lese ich Ihre Zeilen und danke Ihnen dafür.

Gern möchte ich versuchen, Ihre Fragen zu beantworten. Nun, zunächst haben Sie recht mit der Vermutung, dass es sich bei dem verwendeten Sperrholz um ganz normales 6mm bzw 8mm starkes Baumarkt-Birken-Multiplex-Material handelt. Beim Sägen desselben - aber häufiger noch beim anschließenden Feilen - ist auch mir gelegentlich mal ein Span an einer (sichtbaren) Kante weggebröselt. Aber anders als Sie`s in solchen Fällen zu tun pflegen habe ich dann nicht von vorn begonnen, sondern habe nur einmal laut geflucht, auf die kaschierende Wirkung des abschließenden Feinschliffs gehofft und hab`s dann damit bewenden lassen. Soviel zum Thema "Perfektion" ...

Die Lunker im Multiplex sind mir ebenfalls bestens vertraut; man trifft sie in der Regel mit traumwandlerischer Sicherheit, nicht wahr? Wenn mir beim Getriebebau wieder ein solcher unterkam und deshalb z.B. die Festigkeit eines Zahnradzahns gefährdet erschien, dann habe ich mir mehrfach die (erträgliche) Mühe gemacht, einen passenden Span ein zu leimen und anschließend die Form nach zu arbeiten. Das funktioniert nach meiner Erfahrung recht gut.

Was das Justieren bzw. Korrigieren der Zahnräder anbelangt: Wie ich weiter oben schon kurz erwähnte, lehrte mich die Erfahrung, dass manche Drucker beim Drucken doch erheblich verzerren. Und auch die Feuchtigkeit des Klebers kann zu Verzerrungen bei der Papierschablone führen. Deshalb habe ich jede aufgeklebte Vorlage mit dem Zirkel nachgezeichnet und so etwaige Unrundheiten (gibt`s dieses Wort?) aufgespürt, um sie dann korrigieren zu können. Nach dem Aussägen der Zahnräder wurde dann zuerst mit einem 19mm Forstnerbohrer die zentrale Aufnahme für`s Kugellager gebohrt bzw. bei den Planetenrädern die Bronze-Lagerbüchsen eingeklebt. Dann habe ich auf dem Tisch des Teller-Schleifgerätes ein bewegliches Hilfsbrett mit passendem senkrechten Dorn montiert, um den ich das zu schleifende Zahnrad drehen und dabei vorsichtig an die rotierende Schleifscheibe heranführen konnte. Auf diese Weise wurden die Räder ziemlich perfekt rund - zumindest der (äußere) Kopfkreis der Zähne. Die Zahnflanken und der (untere) Fußkreis der Räder wurden später manuell bearbeitet.

Der Zusammenbau und die eigentliche Justage der fertigen Bauteile gestaltete sich als langwieriges Geduldsspiel. Zunächst wurde nur die erste Stufe des Getriebes zusammen gebaut. Beim manuellen Drehen der Räder konnte ich spüren (und z.T. deutlich sehen), wo Klemmstellen waren und deshalb noch Material zu entfernen war. Die Stellen wurden mit Bleistift markiert und nach der Demontage mit der Schlüsselfeile bearbeitet; anschließend erneute Montage und Funktionskontrolle. Dieser Vorgang musste für beide Getriebestufen mehrfach wiederholt werden. Wie Sie bereits richtig bemerkten: es hat etwas herrlich meditatives ...

Insgesamt kann ich Ihnen versichern, dass dabei keine µ-Passungen herausgekommen sind, sondern teilweise erhebliches Zahnflankenspiel. Deshalb rumpelt die Apparatur im Betrieb auch sehr vernehmlich, aber das stört mich nicht, denn es handelt sich ja schließlich nur um ein Deko-Objekt und nicht um High-tec.

In der Hoffnung, Ihre Fragen nachvollziehbar beantwortet zu haben, grüßt ganz herzlich

Ihr Remington Brass

Mein lieber Remington,

ich freue mich auch unendlich, dass ich wieder hier sein kann. Irgendwas hatte mir da gefehlt.

Ja, wenn man da mit einem Stückchen Holz was flicken kann, ist das eine feine Sache. Bei mir haut es aber in schöner Regelmäßigkeit größere Späne weg, weil so ein dummes verstecktes "Lunker-Astloch" (Ja, ich meine Astloch und nicht A...) in einer Schicht versteckt war. Einmal hatte ich eine ziemlich große Platte mit vielen Löchern und Aussparungen, bei der mir im sichtbaren Bereich viel weggebröselt ist. Ich Dussel habe das dann mit Flüssigholz wieder geflickt und geschliffen. Als ich endlich fertig war und die Platte dann beizen wollte, habe ich gemerkt, dass Flüssigholz keine Beize aufnimmt. Hab dann ein Messingschild draufgeklebt.

Für Ihre ausführlichen Beschreibungen bezüglich des Zusammenbaus bedanke ich mich ganz herzlich. Irgendwann möchte ich nämlich unheimlich gerne mal so eine Uhr mit Holzzahnrädern bauen und deshalb sauge ich da Informationen über Zahnradbau auf, derer ich habhaft werde. Da werde ich aber mit Sicherheit wieder auf Sie zukommen.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

Ihr von Heddernheim

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