Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Verehrte Mitreisende,

Ich möchte Ihnen nun mein eigentliches Projekt vorstellen, an dem ich nun fast ein Jahr gesessen habe (ich musste dauernd unterbrechen, wegen Abitur etc). Gleichzeitig muss ich hinzufügen, dass dieses Werkstück ein Prototyp war, und diese Arbeit ist mir leider fehlgeschlagen. Trotzdem will ich Ihnen davon berichten, unteranderem deswegen, dass andere nicht den gleichen Fehler machen wie ich. 

Seit ELFIA letzten Jahres wollte ich mir einen Rucksack bauen. Die Idee dazu entstand, dass ich zu gern auf jenem Festival mich bei den vielen Händlern mit Teilen eingedeckt hätte, aber nichts gehabt hatte, um die Einkäufe zu transportieren und mit einer Plastiktüte rumlaufen stand außer Frage.

Aber ich drohe abzuschweifen. Kommen wir zum Werkstück. Meine ursprüngliche Idee war es gewesen, etwas Elektronik einzubauen sowie einen alten, geerbten Hygrometer. Dazu noch ein paar Schubladen für alles mögliche sollten eingebaut werden. Gesagt, getan.

Ich fing mit einem Haufen alter Dachlatten an, die ich verleimte, hobelte und dann als Kasten zusammenbaute. Daraufhin kam noch eine dünne Sperrholzplatte für die Rückwand. Das ganze wurde dann gebeizt. Anschließend folgte Innen eine Bodenplatte und eine Trennwand, woran sich dünne Bodenplatten aus Sperrholz für die kleineren Schubladen anschlossen. Da fiel mir schon auf, dass das gesamte Konstrukt krumm und schief war. Egal, man machte weiter. Auch die ersten beiden kleinen Schubladen aus Sperrholz waren nicht gerade das Gelbe vom Ei, wobei ich die Griffe mir doch recht gelungen finde, auch wenn´s sehr simpel angefertigt und gestaltet ist. Im Anschluss folgten noch zwei größere Schubladen für den unteren Bereich, welche ich aus MDF fertigen musste, da leider mein Vorrat an Sperrholzresten durch einen Wasserschaden über den Jordan war. Erst bei der Tür, genauer beim Futter, hatte ich zum ersten- und letzten mal ein anderen Farbton verwendet. Alles an Holz ist gebeizt und ich musste auch mehrmals Beizen, da mir durch meine Unerfahrenheit unschöne Wasserflecken entstanden sind. 

An Elektronik wurde ein Ampere- und Voltmeter verbaut, sowie ein Rauchgenerator (mit dazugehörigem Abzug). Eines von den beiden Messgeräten funktionierte ab Werk schon nicht. Gut, hatte ich für 5€ das Stück aus China importiert, da kann man ja nicht viel von erwarten. Also hatte ich kurzerhand die vorhandene Elektronik in den Gehäusen außer Funktion gesetzt und jeweils eine rote LED eingebaut und die Anzeigen manipuliert, damit man den Eindruck hat, über die Messgeräte würde wirklich Strom fließen (was ja auch der Fall ist, allerdings waren nur die erwähnten LEDs am Strom angeschlossen).

Ein Problem, über das ich lange gegrübelt hatte, war, wie ich die Tragegurte machen sollte, da ich doch erkannt hatte, dass mein Werk schwerer geworden war, als gewollt. Dafür hatte ich zwei weiße Judogürtel verwendet. Weiß passte als Farbton nun nicht wirklich ins Farbschema und da man diese Gürtel nicht einfach färben kann, hatte ich die Gürtel für eine Woche in ein Fass mit Lackbeize geschmissen. Das Ergebnis war ein alter, etwas ranziger Farbton (auf den Bildern leider nicht gut erkennbar).

Aber nun hier die Bilder:

Seitenansicht a

Seitenansicht a vergrößert mit eingeschalteten Ampere- und Voltmeter

Innenansicht

Seitenansicht b mit Hygrometer

Rückseite

Da ich mit diesem Werk leider nichts mehr anfangen kann, wird es wohl ausgeschlachtet und die Teile für andere Zwecke verwendet. Nichtsdestotrotz werde ich mich irgendwann an einen neuen Rucksack setzen, mit den Erfahrungen aus diesem Prototyp. Vermutlich wird der nächste ein tragbares Portativ (Erläuterung: Handorgel) werden. Aber vorher stehen noch andere Arbeiten an. Man kennt´s ja, die Liste an Projekten ist lang^^

Auch wenn ich bei diesem Projekt viele Fehler gemacht hatte, so kann ich dennoch ein positives Fazit ziehen, denn die Freude an der Arbeit und die gesammelten Erfahrungen machen den Rückschlag wieder wett.

Ich hoffe, ich konnte Sie etwas an meiner Arbeit, wenn auch fehlgeschlagen, teilhaben lassen. Und wie immer bin ich für Anregungen, konstruktive Kritik und Ideen zu haben. 

Einen schönen Sonntag wünscht,

Friedrich Graf von Reichenhall

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Werter Graf von Reichenhall. Das sieht definitiv sehr schwer aus.

Ich habe schon einmal Gurtband mit bügelfixierbarer Seidenmalfarbe gefärbt. Wäre für zukünftige Projekte einen Versuch wert.

Hochachtungsvoll

Mecanica von Unruh-Rumfort

Lieber Freund,


es freut mich, dass Sie auch über die Werke die Ihnen - nach eigenem Ermessen - ungelungen erscheinen dennoch ausführlich und neutral zu berichten wissen. Ich denke jeder von uns kennt die Härte mit der ein Fehlschlag treffen kann und es ist sicherlich motivierend zu wissen, dass man nicht der Einzige ist dem nicht alles auf Anhieb gelingt - sieht man doch hier im Forum überwiegend Erfolg und gelungene Werke.
Auch ich bin zur Zeit an einer zweiten Version meines Armcomputers am tüfteln, welchen ich in der Nacht vor dem Jahrmarkt in Bochum zusammenschraubte. Ungeeignete Techniken und Klebstoffe, notdürftig verwendete Materialien, all dies kennt man.
Darum danke ich nochmals für Ihren Beitrag und warte schon gespannt darauf neues von Ihnen zu hören!

Es grüßt
Der Admiral

Werter Graf von Reichenhall,

auch wenn es Ihnen als "nicht gelungen" vorkommt, haben Sie doch eine schöne kleine Kommode gefertigt.
Vielleicht macht sich das Stück ohne Gurte ja noch gut in der Wohnung oder dem Bastelkeller.
Mit den Judo Gürtel haben Sie mir einen Tip gegeben wofür ich gerade die weißen verwenden könnte.


Herzlichen Dank fürs Teilen,

Ing. Duerr

Verehrte Mitreisende,

Nachdem ich meine Depression über den Fehlschlag überwunden habe, spiele ich mit dem Gedanken, das Werkstück wie geplant auszuschlachten. Nicht jedoch, wie vorgesehen, alles Holz in den Ofen zu werfen, sondern alles, soweit es geht, auszubauen und den Rucksack in kleinerer Form neu zu bauen. Natürlich mit der gesamten vorhandenen Elektronik. 

Aber vorerst muss dies warten. Ich habe noch vorher ein paar andere Projekte, die ich vor dem Winter fertig haben will. Unteranderem die Restaurierung und "steamisierung" eines Pedalharmoniums. Eventuell werde ich da noch ein oder zwei Pfeifenregister einbauen, mal schauen.

Einen schönen Abend wünscht,

Friedrich Graf von Reichenhall

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