Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

So gerne ich Teegesellschaften (und Tee) auch mag, zieht es mich in letzter Zeit doch eher Richtung PUNK im Steampunk.

Egal in welchem alternativen Universum, es können nicht alle hohe Herrschaften sein und nicht alle können gestriegelt und gewienert da stehen. Aus dieser Idee und der Tatsache, dass die Kaiserzeit eine Zeit der Entdeckungsreisen und Expeditionen war, ist vor einigen Jahren die Steampunk Expeditions Gesellschaft entstanden.

Für die Camps musste nun noch eine passende Bekleidung her. Schön, dass es Safari-Uniform Jacken zu kaufen gibt (man muss nicht immer selbst die Nadel schwingen). Schnell war die gewünschte Jacke aus dem Hause Räer da.

Schnitt sieht gut aus, ABER, wenn man mit seiner Expedition schon durch ein paar Dschungel gekrochen ist und sich wilden Tieren/Eingeborenen/o.Ä. stellen musste, kann die Jacke nicht mehr ganz so frisch aussehen. Also, was tun?

Mein Ziel war, die Jacke benutzt aussehen zu lassen, etwas abgehalftert (und vielleicht auch ein wenig Postapokalyptisch... die Idee, "wie sähe es aus, wenn der Zusammenbruch um 1900 stattgefunden hätte" geistert nun schon länger in meinem Kopf herum, zumal wir auf der Fark 2014 bereits festgestellt haben, dass die Unterschiede zwischen Endzeit und Steampunk wohl vorwiegend an der Menge von Dreck un Löchern ausmachen lässt *hust*Zurück zum Thema)

Zunächst einmal habe ich die Jacke etwas im Schnitt angepasst, da sie etwas groß war. Hinten also Abgenäht und vorne die Knöpfe versetzt, bei der Gelegenheit direkt alle Knöpfe ausgetauscht, silbern erschien mir unpassend.

Danach habe ich die Jacke etwas dunkler gefärbt.
Danach ging der richtige Spaß los: Waffe der Wahl: DanKlorix-Chlorreiniger. Die Jacke unten und an den Ärmeln in eine Wasser/DanKlorix Mischung getaucht und etwas einwirken lassen. Danach nochmal mit der Sprühflasche ausgetobt.

Das Chlor entzieht dem Stoff die Farbe und es wirkt ausgeblichen.

Gut auswaschen!

Nun kam der Tiger dran, die Jacke sollte benutzt aussehen. Mit der Säge meines Schweizer Taschenmessers und verschiedenen Messern habe ich den Stoff bearbeitet. Insbesondere die Nähte und Säume haben das zu spüren bekommen. Man kann dabei ruhig etwas gröber sein, denn: alles, was zu weit aufgerissen war, habe ich danach mit grobem Faden wieder zusammen geflickt und dabei absichtlichtlich nicht allzu große Sorgfalt walten lassen.

Nicht mehr auf den Bilder zu sehen ist der abschließende Einsatz von Stoffmalfarbe um noch etwas mehr Dreck auf das gute Stück zu zaubern. Dafür habe ich die Stoffmalfarbe auf einen Pinsel gegeben, diesen an einem Stück Stoff fast trocken ausgedrückt und dann im Drybrush Verfahren Flecken und Abnutzungen auf den Stoff gebastelt. Das Stück Stoff, das man zum Ausdrücken benutzt, kann man im Anschluss ebenfalls zum Verteilen der Farbe nutzen, dann geht recht wenig davon verloren.

Das wars dann auch schon, eine benutzte Safarijacke für meinen Liebsten. Aktuell bin ich noch einer ähnlichen Jacke für mich selbst dran. Fotos folgen.

(Inspiration für "gebrauchte" Kleidung habe ich durch die Endzeit-Anleitung von Nuclear Snail Studios bekommen, habe dann aber doch etwas "sanfter" und Waschmaschinenfreundlicher gearbeitet.)

Tags: Endzeit, Expedition, Safari, Tropenjacke, Used

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Antworten auf diese Diskussion

Werte Madame de Loryva

Das ist ganz nach meinem Geschmack! Zwar habe ich in Sachen Steampunk bisher noch keine Kleidung in der Art gemacht, dafür bei vielen anderen Projekten (Endzeitthemen, Tanz der Vampire und vieles mehr.) Ich mag es auch sehr gerne, wenn die Dinge benutzt und somit authentisch aussehen. (Anstelle von Textilfarben verwende ich ganz normale Dispersion, was in der Regel viel günstiger ist.)

Ich freue mich schon auf weitere Bilder von Ihnen und bin durch Ihren Beitrag dazu angeregt, auch in Sachen Steampunkbekleidung etwas im "used look" zu machen. 

Hochachtungsvoll

Lady Anna

Werte Madame de Loryva

So ähnlich bin ich auch bei einer Piratenbekleidung, die ich benötigte, vorgegangen. Ich habe den Stoff auch mit einer kleinen Raspel zum Knoblauch?-Raspeln bearbeitet. Das ergibt auch sehr schön abgenutze, ausgedünnte Stellen oder Löcher.

Mit freundlichem Gruß

Mecanica von Unruh

Werte Ayra, 

aus neu mach alt ist hier schön gelungen. Die Farbgebung mag grade an den unteren Rändern zu gefallen. 

Jedoch, allein die Beschreibung: 

Mit der Säge meines Schweizer Taschenmessers und verschiedenen Messern habe ich den Stoff bearbeitet.

treibt mir den Schweiß auf die Stirne. 

Ein kleiner Tipp am Rande: an den Stellen die ausgefranst werden sollen einfach ein Stückchen Holz unterlegen und mit einer Drahtbürste die ausgewählten Stellen bearbeiten, je nach Art der Drahtbürste (fein, grob, als Akkuschrauberaufsatz oder manuell) kann man unterschiedlichste Ergebnisse erzielen und es ist schnell und außerordentlich unanstrengend. :-) 

Nichtsdestoweniger wird sich der Liebste über all die mühevolle Arbeit bestimmt sehr gefreut haben. 

genehmst, 

Aristes Artifex



Aristes Artifex sagt:

Werte Ayra, 

aus neu mach alt ist hier schön gelungen. Die Farbgebung mag grade an den unteren Rändern zu gefallen. 

Jedoch, allein die Beschreibung: 

Mit der Säge meines Schweizer Taschenmessers und verschiedenen Messern habe ich den Stoff bearbeitet.

treibt mir den Schweiß auf die Stirne. 

Ein kleiner Tipp am Rande: an den Stellen die ausgefranst werden sollen einfach ein Stückchen Holz unterlegen und mit einer Drahtbürste die ausgewählten Stellen bearbeiten, je nach Art der Drahtbürste (fein, grob, als Akkuschrauberaufsatz oder manuell) kann man unterschiedlichste Ergebnisse erzielen und es ist schnell und außerordentlich unanstrengend. :-) 

Nichtsdestoweniger wird sich der Liebste über all die mühevolle Arbeit bestimmt sehr gefreut haben. 

genehmst, 

Aristes Artifex


Ich habe den Stoff beim Bearbeiten in die Höhe gehalten, eine Seite mit den Knien am boden fixiert, die andere Seite straff gezogen, sodass niichts ans Messer selbst kam, außer dem Stoff.

Mit Drahtbürsten habe ich versucht, der Stoff war aber zu widerspenstig. Akkuschrauberaufsatz befindet sich in meinem kleinen Studentenhaushalt leider nicht.
Was auch noch gut geht sind Lochbohraufsätze (billig reicht in dem Falle).
Ich hatte dabei zwar kein Holz unterliegen (gibts hier leider nicht), aber Pappe hats auch getan.

Grüße,
Ayra


Mecanica von Unruh sagt:

Werte Madame de Loryva

So ähnlich bin ich auch bei einer Piratenbekleidung, die ich benötigte, vorgegangen. Ich habe den Stoff auch mit einer kleinen Raspel zum Knoblauch?-Raspeln bearbeitet. Das ergibt auch sehr schön abgenutze, ausgedünnte Stellen oder Löcher.

Mit freundlichem Gruß

Mecanica von Unruh


Das klingt mir nach einer Muskatnussraspel... Eine sehr schöne Idee!
Das werde ich glaube ich bei dem Rock mal ausprobieren. Vielen Dank für den Tipp!

Beste Grüße
Ayra



AyraLeona de Loryva sagt:



Aristes Artifex sagt:

Werte Ayra, 

aus neu mach alt ist hier schön gelungen. Die Farbgebung mag grade an den unteren Rändern zu gefallen. 

Jedoch, allein die Beschreibung: 

Mit der Säge meines Schweizer Taschenmessers und verschiedenen Messern habe ich den Stoff bearbeitet.

treibt mir den Schweiß auf die Stirne. 

Ein kleiner Tipp am Rande: an den Stellen die ausgefranst werden sollen einfach ein Stückchen Holz unterlegen und mit einer Drahtbürste die ausgewählten Stellen bearbeiten, je nach Art der Drahtbürste (fein, grob, als Akkuschrauberaufsatz oder manuell) kann man unterschiedlichste Ergebnisse erzielen und es ist schnell und außerordentlich unanstrengend. :-) 

Nichtsdestoweniger wird sich der Liebste über all die mühevolle Arbeit bestimmt sehr gefreut haben. 

genehmst, 

Aristes Artifex


Ich habe den Stoff beim Bearbeiten in die Höhe gehalten, eine Seite mit den Knien am boden fixiert, die andere Seite straff gezogen, sodass niichts ans Messer selbst kam, außer dem Stoff.

Mit Drahtbürsten habe ich versucht, der Stoff war aber zu widerspenstig. Akkuschrauberaufsatz befindet sich in meinem kleinen Studentenhaushalt leider nicht.
Was auch noch gut geht sind Lochbohraufsätze (billig reicht in dem Falle).
Ich hatte dabei zwar kein Holz unterliegen (gibts hier leider nicht), aber Pappe hats auch getan.

Grüße,
Ayra

Werte Ayra, 

sollte Mangel an Drahtbürsten bestehen, biete ich selbstverständlich gern auch eine kleine Auswahl aus meiner Werkstatt an, wenn Sie den beschwerlichen Weg durch den Ruhr-Megaplex auf sich nehmen wollen. 

Ich bin begeistert !

Das, liebe Frau de Loryva ist genau die Art von Steampunk, den ich liebe! Abgewetzt und abenteurerlustig! 
Viele Dank für den Beitrag :)

Es grüßt

Ellia Fabia

Prima!

Das Thema der standesgemäßen Alterung (natürlich nur der von Ausrüstung...) verdient endlich eine nähere Betrachtung. Danke für die Tipps.

Mit vorzüglichen Grüßen

Ihr Dr. T.v.T.

Liebe Ayra,

dieses Thema kommt mir irgendwie bekannt vor... ich erinnere mich mit Schmunzeln an meine ersten nagelneuen Levis-Jeans. Dunkel-Indigo-blau, mitunter auch abfärbend auf die Oberschenkel. Manch einer meiner Schulkameraden saß stundenlang mitsamt Jeans, Ata-Pulver (Scheuersand) und Wurzelbürste in der Badewanne und schrubbte die Beine, damit der ersehnte Used-Look entstand. (Umso billiger und schäbiger erscheinen mir heute "stonewashed" und andere Kuriositäten in Form von künstlichen Rissen und Flecken...)

Für mich war das geradezu Blasphemie. Ich hatte nur diese eine NEUE Hose, ich hätte sie um nichts in der Welt mechanisch zerschreddert, nur damit der Look stimmt. Abgetragen hieß für mich damals  "irgendwoher geerbt". Und ich war doch so stolz auf dieses neue Kleidungsstück. Es musste tatsächlich jahrelang halten!!! Der Look ergab sich also ganz von alleine, ich musste nur geduldig sein.

Demzufolge beobachte ich Ihre Bemühungen in Sachen künstliche Alterung von neuen Textilien mit sehr gemischten Gefühlen.

Trotzdem an dieser Stelle ein Lob für eben diesen  - sehr gelungenen!!! - Look.

Ich bin weiterhin gespannt auf die Komplettierung des Outfits und verbleibe (in Erinnerungen an meine geliebte erste Jeans schwelgend) mit freundlichen Grüßen

Tutti von Ungefähr

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