Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Werte Mitreisende,

bitte bleiben Sie ganz geschmeidig! Auch wenn Ihnen die Überschrift etwas anderes nahegelegt haben sollte: es wird im Folgenden nicht sehr weihnachtlich werden - versprochen!

Ich möchte Ihnen nur - sofern es Sie interessiert - wieder einmal eine kleine Neuigkeit aus der Brasserie zeigen. Es handelt sich dabei um ein etwas eigenwillig anmutendes Utensil, und während ich es herstellte, fühlte ich mich - ich weiß beim besten Willen nicht warum - an das Geweih von Red-Nose-Rudolph erinnert; aber schauen Sie selbst:

Das Ding besteht im Wesentlichen aus - ich glaube - Mahagonie (oder jedenfalls einem sehr ähnlichen Hartholz), ist 26cm lang, etwa 5cm hoch und 2cm dick. Der stählerne Klotz unten ist fest mit dem Holz verschraubt.

Wer jetzt Lust verspüren sollte zu raten, wofür der Autor (ein Mann in den "besten" Jahren, der von sich glaubt, zumindest meistens mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen) diesen merkwürdigen Hartholz-Eumel brauchen könnte, der möge an dieser Stelle bitte aus dem Text aussteigen ...

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Offensichtlich möchten Sie nicht mitraten - o.k.! Oder Sie wissen bereits, um was es sich bei dem "Rudolph-Geweih" in Wahrheit handelt - noch besser!

Wie dem auch sei, im Folgenden möchte ich Ihnen anhand einiger Photographien meines ersten diesbezüglichen Versuches zeigen, wofür ich mein neues Antiklastik-Werkzeug zukünftig einzusetzen beabsichtige.

Zunächst wir ein kurzer Abschnitt Kupferrohr ausgeglüht, damit das Material weich und verformbar wird:

Anschließend wird das Werkzeug im Schraubstock eingespannt und der Ring zunächst über eine flache, breite Mulde gestülpt. Mit einem Schweifhammer wird zunächst an den beiden Seiten, später auch in der Mitte des Rings, das Material nach unten - zum Grund der Mulde hin - getrieben. Hier der Prozess ganz zu Anfang:

Nach mehrmaligem, erneuten Ausglühen hat sich die Form soweit verändert, dass in einer kleineren Mulde weitergearbeitet werden kann:

Etwas Geduld und genug Propan-Vorrat vorausgesetzt, kann der zunächst zylindrische Ring allmählich in einen sogenannten antiklastischen Körper umgeformt werden. Wichtig dabei ist, dass die Hammerfinne stets schmaler ist als die Krümmung der Mulde, in die gearbeitet wird.

Das verwendete Kupferrohr-Material ist mit seiner Stärke von ca. 1,3mm schon ein ziemlich dicker "Prügel" und gibt entsprechend Widerworte, aber ich wollte wissen, ob's geht und hab's deshalb ausprobiert. Was soll ich sagen? Es geht ...

Mit bestem Dank für Ihr Interesse grüßt

Remington Brass

Tags: Antiklastik-Werkzeug

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Antworten auf diese Diskussion

Sehr geehrter Herr Brass,

und wieder eine Vorrichtung und ein tolles Rätsel.

Danke dafür :-)

Hochachtungsvoll,

Horatius steam

 

Ein Wow, werter Freund Remington,

 

muss ich jetzt einfach mal so raushauen. Ich selbst habe ja auch schon einige Ringe geschmiedet

aber mit so einer einfachen Idee, so einen Ring, wie solch sagen mal anders zu treiben. Klasse, 

Hut ab.

Ich bin begeistert und jetzt auch noch auf Holzschau bzw. Suche

Darum bin ich immer wieder gerne auf dieser Seite,

 

Ihr Engineer D.N. Mac Leod I

 

Sehr geehrter Herr Brass,

Ich finde die Idee, ein Rentiergeweih als Amboss zu benutzen, äußerst attraktiv. Man denke nur, wieviel Stahl man einsparen könnte, würde man verstärkt tierische Ressourcen ausnutzen. Es würde reichen um jeder Stadt der Welt einen Eiffelturm zu bauen oder gar für die so oft gewünschte Brücke zum Mond.

Im Ernste möchte ich meine Hochachtung für Ihre Metallarbeiten ausdrücken,

Kapitän Darius Cumulus 

Werter Remington,

ein wahrhaft nützliches Werkzeug habt Ihr euch da wieder erdacht. "Los Elchos de la Brass" - einfach nur genial. Und weil ja immer irgend etwas ist, fehlt mir da noch eine Stütze von unten um den Federeffekt zu nehmen.

Viele Grüße und weiter frohes schaffen, wünscht - Leon de Ferro

Verehrter Herr Brass,

auf einen derartigen Verwendungszweck wäre ich im Leben nicht gekommen. Baut er jetzt Kleiderhaken, dachte ich in der Tat zuerst. Weit gefehlt! Form trifft Funktion und wohlgefällig ruht das Auge auf auf Vorrichtung und Werkstück.

Mit vorzüglicher Hochachtung,

Peregrinus E.

Hochgeschätzte Herren Kollegen,

besten Dank für Ihren Zuspruch.

Eine "Stütze von unten", werter Leon de Ferro, braucht's in der Tat nicht, denn wie ich heute bei einem zweiten Versuch erneut feststellen konnte, gibt es bei der Hammerarbeit keine wahrnehmbare Federwirkung. Die seitliche Auslage des "Geweihs" beträgt ja auch zu jeder Seite des Schraubstocks gerade einmal 10cm; das Ding ist buchstäblich "steif wie ein Brett".

Apropos zweiter Versuch: heute habe ich mal einen Blechstreifen nach Art der Kupferschmiede geschränkt mit Silber verlötet und dann erneut eine antiklastische Form gedengelt. Mit dem 0,7er Blech geht das wie geschmiert.

Die Lötnaht müsste noch ein wenig nachbearbeitet werden und eine Fein-Politur fehlt auch noch, aber wozu? Es war ja nur ein weiterer (zweckfreier) Versuch.

Einen geruhsamen Abend wünscht Ihnen

Remington Brass

Chapeu, Maestro Remington !

Anbei ein Liedchen, mit Verneigung !

Der Hammerschmied

...und darauf einen Humpen Landbier !    :-)

Ihr

Titus Timeless

Sehr geehrter Herr Brass,

ich persönlich finde das Holz viel interessanter :) aber auch das was Sie mit diesem als Hilfsmittel herstellen ist bemerkenswert.

Hochachtungsvoll

Herr Blackwood

Meine Güte Freund Remington,

Ihr handwerkliches Geschick ist legendär, ich ziehe meinen Hut davor.

Vor Allem, weil ich derzeit in der Werkstatt nicht wirklich was auf die Reihe bekomme. Allein mir fehlt die Zeit, mal wieder...

Ihr T.

Hochverehrter Freund und Kupferstecher ;)

Mit größter Verzückung folge ich Ihren wunderbaren

Dengeleien in Ihrer Werkstatt hier an Board.

Das ist echte Handwerkskunst die Sie hier immer wieder freundlicherweise mit uns teilen.

Vielen Dank.

Ihr

Sir Steven

Mein lieber Remington,

Ihre Schöpfung ist wie gewohnt nicht allein praktisch, sondern vor allem auch ästhetisch. So macht Arbeit gleich um ein Vielfaches mehr Freude.

Im besten Falle sogar das Zuschauen. ;)

Leider, leider werde ich allzubald nicht in diesen Genus kommen.

Aus der Ferne grüßend,

Ihre ~Viktoria~

Geschätzter Freund Remington,

das war es , was unsere geschätzten Vorfahren in ihren Geräten und Werkzeugen verwirklicht haben: Ästhetik und Zweckdienlichkeit. Heute kriegt man meistens entweder das eine oder das andere - wenn man Pech hat, weder noch.

Ich bin begeistert von diesem Teil. Meine Teile sind ja auch ziemlich antiklastig. (Ich weiß, 1 € in die Schlechte Wortwitzkasse).

Grüße aus dem Schwarzwald

Erhard von Umtrieb

*** Vorsprung durch Mechanik ***

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