Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

In Anlehnung an F.F.Faltenbalg`s Beitrag " Fakultät Faltenbalg rüstet auf !" versuche ich mal den umgekehrten Weg und stelle mal Technik vor, die vergleichsweise miniaturig daherkommt.

Es war irgendwann im September anno 1992, als ich an einem greulich-verregneten Tag ein verstektes Antiquariat in Torun (Torn) in Polen betrat. In einer der Vitrinen stand sie dann und lächelte mich an - der Tag war gerettet. Es handelt sich die unten abgebildete Kamera, dessen Typenbezeichnung ich bis heute nicht herausbekommen habe und die aus den Kamerawerk Dresden stammt (Typenschild). Der Verschluss mit der Optischen Einheit stammt aus München. Die Kamera ist eine Plattenkamera für 6,5 x 9cm Glasplatten. Das erstaunliche an diesem Wunderwerk der Mechanik  sind die sehr kleinen Abmessungen. Der geschlossene Corpus misst 9cm x 12cm x 3,5cm(!). Das ist Weltrekord (denke ich). Dabei kann man das geöffnete Gerät mit einem zweistufigen Auszug auf über 25cm ausfahren!

Beim erstenmal Auszeihen war ich dermaßen perplex, was da alles aus der kleinen "Schachtel" herauskam. Jeder Milimeter des inneren Gehäuses wurde optimal ausgenutzt - eine Meisterleistung der Ingenieure.Offensichtlich hatte der ältere Verkäufer meinen Glanz in den Augen bemerkt und gab mir als Zugabe auch noch eine Packung Original-Platten dazu, allerdings aus einer Charge von 1956. Das Gerät selber schätze ich um 1925 - zumindest so lange, wie mich vielleicht einer aufklärt, was das für ein Modell ist. Ich bin da dankbar für jeden Hinweis.

Das Teil ist zwar etwas abgegrabbelt, aber immer noch voll funktionstüchtig. Damals konnte man noch solche Geräte vererben - undenkbar heute.  

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Werter Herr Fixfokus,

ich mein, Ihr leidiges Warten hätte nun womöglich ein Ende - es scheint mir dies die sogenannte Patent Etui bzw ihr Pandant  zu sein, welche es übrigens auch für 9x12cm gab ( und die dann immer noch in die Westentasche passt).

Versuchen Sie doch hiermit ein wenig weiterzukommen (Aether).

Ansonsten ist es oft sinnlos, den Hersteller oder Typen zu ermitteln, es gab damals Unzählige...

Kleiner Tip:

Beobachten Sie genau die Oberseite des Trageriemens und schauen Sie, ob sich hier der Kameratyp vermittelst einer sicher sehr schlecht lesbaren Einprägung offenbart !

Ob Linse und Verschluss noch original sind, denke ich zunächst mal nicht, aber da lasse ich mich jetzt nicht festnageln. Dieser Verschlusstyp kam m.E. erst später zum Einsatz. Der Aether hilft hier weiter.

Was bitte ist denn das genau für ein Objektif? Womöglich ein Doppelansastigmat, aus dem Hause.. ??

Die Brennweite wird  jedenfalls formatbezogene 105mm aufweisen, die Lichtstärke liegt vermutlich bei f/4,5. Muss aber nicht, ich lass mich gern überraschen.

Der Verschluss dürfte auf den ersten Blick ein " neuerer ""Synchro Compur" oder "Compur Press" , oder ein Prontor sein, habs schlicht vergessen; die Handhabung war mir derart widerlich, dass ich den Meinen nebst fabulöser Linse damals schnellst wieder verkaufte und alles Wesentliche dazu schlicht verdrängte.

Nichtsdestotrotz haben Sie hier in der Tat ein feines Gerät, welches in Abhängigkeit von Zustand ( nix verbogen) und Objektif ( Zustand/Typus) hervorragendste Bilder auf Ihre hier ja noch regelrecht frischen Platten bannen dürfte.

Diese wären nach der Exponierung recht einfach im dunklen Badezimmer in der Schale zu entwickeln; das somit entstandene Negatif liesse sich dann im direkten Kontakt auf Photopapier zum eigentlichen Bilde hervorrufen.

Sie hatten doch hier bereits Vorkenntnisse?

Auch ich benutze solche Wunder der Technik, allerdings stets in der 9x12 cm Variante.

Wohl aber besitze ich auch eine kleine und selten genutzte  6,5cm Voigtländer Avus, einfach zu putzig die Kleine :-)

Und, Sie sagen es, sowas Filigranes ringt Einem wirklich Ehrfurcht ab.

Es gäbe übrigens noch Planfilm zu kaufen, Sie könnten auch Glasplatten selber mit Emulsion beschichten, oder Sie hängen ein einfach passendes Rollfilmrückteil dran und geniessen den Komfort des durchgängigen Filmstreifens mit 8 Aufnahmen. Typ: 120 mm Rollfilm, Schwarzweiss, Colornegativ, oder sogar, und dies sollten Sie wirklich einmal versuchen - Diafilm !

Exponieren, entwicklen lassen, fertig wäre das atemberaubende Durchsichtsbild in 6x9cm !

Die Rollfilme könnten Sie nach der Exponierung dem Postmann anvertrauen, für runde 4 Deutschthaler von Fachmannen entwickeln und sich wieder zurückschicken lassen.

Aussehen täte ein Rollfilmrückteil dann derart:

Oder hier ein anderes Modell, ein Eigenbau aus der Not heraus:

Für die Glasplatten oder Planfilme brauchen Sie folgende Halter:

Nachdem die Kamera so in den 20/30ern des vergangenen Milleniums produziert wurde und in den 90ern von Ihnen erworben wurde, sollten wir ihr doch langsam einmal gerecht werden, wie ich finde.

Vorsicht, Suchtgefahr!

Bei Bedarf erstelle ich Ihnen ein Tutorial zur Handhabung von Kamera und Verschluss.

Sie lassen mich bitte freundlicherweise vorab einmal pro digitalis die Feinheiten des Objektifes/Verschlusses  erfassen...

Vererben liesse sich sowas übrigens auch heute noch, das ist gar nicht so unvorstellbar - man müsste einfach nur sterben...

Freundlichst,

F.F.Faltenbalg

Der Verschluss ist doch ein Compur, steht ja drauf - Friedrich Deckel...

Sie können mit der Kamera weiterhin beneidenswerte Dinge tun:

wo der Homo digitalis die Kamera nach oben richten muss, wenn er z.B. ein hohes Haus aufnehmen möchte - und sich zwangsläufig stürzende Linien, also eine perspektivische Verzerrung einhandeln wird - richten Sie die Kamera/Mattscheibe/ den "Sensor" Film einfach lotrecht aus, drehen Sie gemächlich an dem Stellrädchen dort, und bewegen Sie das Objektiv nach unten.

Da Ihr Bild auf der Mattscheibe kopfüber steht, wird sich das Abbild nach oben bewegen, d.h., das Dach des Hauses kommt in Sicht, und somit aufs Bild.

Hintergrund:

Das Objektif verfügt über einen nutzbaren Bildkreis (rund), welcher hier etwas grösser ist als das Aufnahmeformat (rechteckig); Sie verschieben praktisch das Rechteck, also das spätere Bild, innerhalb dieses Bildkreises, können sich aber bei Übetreiben dieses Manövers auch sog. Vignettierungen einhandeln.

Nicht vergessen, vor dem Einpacken wieder auf Null zu stellen! (Markierungen beachten).

Das Haus selbst wird im fertigen Bild parallele Kanten haben und somit eindrucksvoll daherkommen; diese Technik nannte sich einst Hoch/Tiefverschiebung, heute eher "rise" und "fall".

F.F.F.

Leider ist mit dem Speichern des letzten, mein vorletzter Beitrag mir unerklärlich im Aether verpufft.

F.F.F.

Hallöchen Herr F.F. Faltenbalg,

das war ja wieder mal ein kompletter Kurs, der auch mir ein wenig neues brachte/auffrischte.

Hier mein Nachtrag zum Verschluss: es ist ein Compur-Verschluss der Firma F.Deckel aus München, aber ausgestattet mit einem Tessar 1:4,5 f= 12cm au dem Hause Carl-Zeiss Jena (Ser.Nr. 1098858) welches mit Sicherheit nachträglich aufgebracht wurde (es sieht brandneu aus). Ich denke sogar, es ist aus DDR-Zeiten (sieht man an der moderneren Verarbeitung - sehr sauber).Ich habe vor Jahren mal mit dieser Kamera auf Planfilm (ich hatte noch von anderen Kameras entsprechende Kassetten) fotgrafiert und vieles von dem was Sie beschreiben nachvollziehen können.

Allerdings habe ich dabei eine Berechnungshilfe herangezogen die der Kamera beilag:

Die Abbildung zeigt die Vorderseite für Tageslicht, auf der Rückseite waren dann die Berechnungen für Kunstlicht. Wegen des panchromatischen Filmmaterials (geringere Empfindlichkeit für Grün) war das wichtig.

Panchromatischer Film ist  nicht nur weniger grünempfindlich, sondern gegenüber dem vorlaufenden orthochromatischen Film auch für rote Wellenlängen sensibilisiert.

Beide Gattungen lassen sich zielgerichtet nutzen.

Diese Belichtungshilfen waren seinerzeit für nen Groschen zur Kamera zu erwerben; Sie sehen dort übrigens die uralten, aber auch schon die bis heute gültigen Blendenwerte.

Heute können Sie ja einfach ihren Corpus digitalus zur Messung heranziehen und die Werte übertragen.

Bei der Belichtungsmessung müssen Sie allerdings stets die Länge des Balgenauszuges einkalkulieren; je weiter das Objektif vom Film entfernt, desto weniger Licht kommt dort an.

Beim Abbildungsmasstab 1:1 bereits vierfach weniger Licht gegenüber einer Fokussierung auf Unendlich, hier  also 2 Blenden Licht zugeben !

Licht nimmt ja stets im Quadrat zur Entfernung ab.

Mit dem Objektiv ist Ihnen eine nette Überraschung gelungen; die Brennweite 12cm kenne ich beim Tessar gar nicht. Lediglich 10,5 und  13,5 cm, und natürlich die grösseren Kaliber.

Hier wäre es für mich interessant zu erforschen, welche Kamera denn dieses seltene 120mm Tessar überhaupt benutzte...

Es gab damals nur wenige Verschlusshersteller, und ich wüsste nicht, das in der DDR Zentralverschlüsse für Plattenkameras gebaut wurden; von daher ist die Symbiose von Tessar und Compur-, früher auch in Compoundverschlüssen- folgerichtig, ich habe da selbst so Einiges liegen - allerdings nie in einem Ringcompur (Zeiteneinstellung aussen), sondern immer im Radcompur( sieht älter aus, hat oben ein Zeitenrad sitzen). Interessant also allemal.

Auch baut man nicht einfach mal so nachträglich ein Objektif in irgendeinen Verschluss; die Gewinde waren teils different, vor allem aber muss in Abhängigkeit des Objektiftypes der präziseste Originalabstand beider Linsengruppen gewährleistet sein, weil Sie sonst die originale Rechnung des Lichtsammlers verlassen und sich somit Abbildungsfehler einfangen können/werden.

Entsprechend sind die Verschlüsse auch in der Mitte unterschiedlich dick, vorn länger als hinten, usw.

Verabeitet sind diese Wunder der Feinmechanik ( Herr van den Booms Herz würde beim Blick ins Innere sicher höherschlagen) eigentlich immer "sehr sauber", hier geht es um Hundertstel mm Präzision.

Das frühe Tessar wurde gern als Adlerauge bezeichnet, womit Sie neben dem Wissen um die renommierte Glasschmiede C.Zeiss und um den superben Konstrukteur P.Rudolph einen weiteren Hinweis auf die Abbildungsleistung erhalten.

Ich selbst bevorzuge lieber etwas charakterstärkere Optiken wie das Xenar (eigentlich auch ein Tessartyp, aber milder in der Abbildung) oder sogar ein Periskop oder den simplen Meniskus.

F.F.F.

Übrigens hab ich etwas gefunden zum Thema zurück zur Zukunft: Man kann wohl für seine für seine digitale Bildmaschine das erste Objektiv der Fotografiegeschichte ordern, wenn denn das Kickstart-Projekt klappt: https://www.kickstarter.com/projects/lomography/the-lomography-dagu...

Das wäre doch mal ein Auftritt (und man braucht weniger an der Kamera herumbauen, wenn man steampunkig auftreten will. Man stelle sich vor: eine Canon 5D und dann dieses Teil drauf.....

Ich fand es auf jedem Fall lustig und interessant. Ich weiß gar nicht warum alle über feinste technische Daten einer Kamera reden, wenn der Trend (sowohl von der Software als auch der Hardware (bspw. Lomografie oder eben diese Linse) offensichtlich eine andere Richtung marschiert...

Hinsichtlich der Tatsache, dass in der Lomografie versucht wird, mit fehlerbehaften Optiken gute Ergebnisse zu erzielen, halte ich dies für eine ernsthafte Angelegenheit.

Leider gelingt das aber nur sehr Wenigen, und es stünde daher für mich die Debatte im Raume, ob der tatsächliche Trend, der filmbasierten Photographie stets diesen verschrammelten Stil anzuhaften, ein Sinnvoller ist.

Wer es nicht mehr kennt, denkt nämlich,das Film eine äusserst unzulängliche Angelegenheit sei und übersieht hierbei, das zumindest noch die S/W-Photographie für einige Jahre um Längen die Nase vorn hat.

Auch die Farbtechnologie ist sensationell heutzutage; die Digitalphotographie hat 20 Jahre gebraucht, um da heranzukommen...

Insgesamt scheint mir neben irgendwelchen Trends eine stabile Nische geschaffen, in der sich die Filmfreunde tummeln können und wenige Produzenten noch gewinndeckend herstellen können; Grosskonzerne wie Kodak können dem geringen Bedarf heute jedoch nicht mehr gerecht werden; Fuji hat, als letzter Diafilmhersteller,  sein Diasortiment auf 2 Filme reduziert.

Eine Tagesproduktion auf diesen riesigen Produktionsanlagen reicht in etwa, um den Jahresbedarf heute zu decken), aber die Agfa in Belgien ist noch am Ball, und Ilford musste sich bereits vor Jahren gesundschrumpfen und kann mit rund 300 Mitarbeitern  die geringen Chargen flexibel produzieren.

Auch bietet Firma Foma mit ihren rund 300 Mitarbeitern weiterhin das nahezu volle Programm.

Bei Kodak und Agfa, mal zum direkten Vergleich, arbeiteten 100.000 Mitarbeiter zu den Hochzeiten des Films,und das Gelände war so gross, dass es dort regelrechte Buslinien gab.

Zu den, dem Trend gerecht werden wollenden neuen Uraltlinsen liesse sich sagen, das die Idee wohl sehr nett ist, aber z.B. die damaligen Glassorten  nicht mehr lieferbar sind; ein Herankommen an die Originale ist nicht möglich.

Ich empfehle Ihnen daher, für 50 bis 100 Deutschthaler z.B. eine messinggefasste und kurzbrennweitige Projektionslinse zu erwerben, und diese vermittelst eines preiswerten Chinaadapters anzuflanschen.

Hinsichtlich des erforderlichen Auflagemaßes böte sich eine Verstellbarkeit an, wie sie Schneckengewinde bieten.

Auch an Ihrer Plattenkamera liesse sich ohne Weiteres Schnuckeliges anbauen, die Verstellbarkeit liefert bereits der serienmässige Balgen; eigens hierfür ist gerade ein niedliches Messingobjektiv aus Norwegen auf dem Weg zu mir.

Zu erwarten wäre in etwa sowas hier, es ist dies eins meiner Lieblingsbilder, welches unscharf erscheint, dies aber mitnichten ist, wie mehrfaches Betrachten zu Tage brachte:

Das Tessar widerum könnten Sie ja dann mal an Ihren Digitcorpus operieren.

Für den Anfang reicht ja eine Pappröhre behelfsmässig aus.

Warum alle über technische Daten ihrer Kameras reden, liegt auf der Hand:

Man geht zum Einen davon aus, dass es diese Daten und nicht etwa der Photograph seien, die ein gutes Bild erzeugen; zum Anderen ist dies von der Wirtschaft gesteuert und gewollt - sind die Daten der Kamera zu lasch, muss man ja zwingend aufrüsten, weil man sonst eben keine guten Bilder machen kann. Ein Irrsinn sondersgleichen...

F.F.F.

Nachtrag:

Knapp weiter oben müsste es richtig heissen: "man geht zum Einen fälschlicherweise davon aus"...

Sie entschuldigen meine Schlampigkeit.

F.F.F.

Hallöchen, F.F.F.

Das oben abgebildete Foto-Gemälde hat allein schon deshalb seine Existenzberechtigung, weil man die Effekt in seiner Komplexität auch nicht so ohne weiteres mit der modernen digitalen Retusche hinbekommt. Mit einer Einklick-Lösung kommt man da nicht ans Ziel und auch eine Kombination mit partieller Anwendung ist da äußerst schwer. Ein echter Retro-Look eben.

Hab selber auch mit einigen meiner 32 gesammelten Balgengeräte experimentiert, allerding mit durchwachsenen Resultaten. Das lag weniger an den doch aufwendigeren Belichtungsberechnunen sondern an den Optiken an denen der Zahn der Zeit genagt hat. Eintrübungen (Glaskrebs) verhinderten bei fast 50% der Geräte ein vernünftiges Ergebnis. Einzig die Mechanik ist bei allen noch intakt. So sind es eben nur noch Schaustücke...

Meine analogen SLR´s (einige Praktikas und Exa`s) sind dagegen bei vielen Studenten unterwegs. Die habe ich an Retro-Enthusiasten weitergegeben - da gibt es wohl eine solche Bewegung "zurück zur ursprünglichen Fotografie".

Den Vorteil der SW-Filmnegativ-Fotografie, sehe ich nicht so weit vorn zumindest oberhalb der Vollformat-Größen. Ich war ursprünglich ein Verfechter der SW/Dia-Fotografie aber die technischen Möglichkeiten, das schnelle Handling sind heute schon besser. Das sehe ich immer wieder, wenn ich meine alten Negativstreifen scanne, um ein ordentliches Archiv aufzubauen. Ich kann heute mittels partieller Multiplikation eine genauso hohe Dichte erzeugen wie es auf größeren Plattenfilmen möglich ist. Unterschiede gibt es nur noch marginal und ich bin überzeugt, das sieht kein Mensch, ist nur noch technisch messbar.

Und dennoch: wer einmal solch ein riesiges Negativ in der Hand gehabt hat, weiß das es etwas Besonderes ist, schon allein deshalb weil neben dem Schauwert auch die Haptik dazukommt.

Werter Herr von Fixfokus,

es ist schlicht die Seele des Objektifes, sowie der Charme der Imperfektion, welche sich in obigem Bilde wiederspiegeln, und ich kann bestätigen, dass ein digital aufgesetzter Effekt sich mit einem Eindrucke, wie er direkt aus dem Inneren des Bildes entspringt, nicht decken kann.

Nebenbei staune ich über Ihre Einkaufsstrategie, denn ich habe bisher selbst beim blindesten Kaufe auf sog. Ebuchtschiffen auch nicht ein einziges, derart von Glasfraß befallenes Stück erworben.

Es ist eher die Separation der einstigen Verkittung der einzelnen Glaselemente zu Doppelgruppen, mit seinerzeit üblichem Kanadabalsam, welche mir gelegentlich Anlass zu Sorge geben könnte; etwaige Vertrübungen jedoch erwiesen sich in meinem Operationssaaal stets als minimalintensiv entfernbar.

Oft vorhandene feine Putzkratzerchen widerum erhöhen mir den Charakter der jeweiligen Linse, sofern ich eine kontrastgemilderte Wiedergabe erstrebe.

Selbst neige ich übrigens zu der Ansicht, dass schon aufgrund der immensen Fülle an Information bereits in einem 13x18 cm S/W-Negatif, spätestens aber dank harmonischstem Tonwertverlauf und bester Tonwerttrennung noch einige Jährchen der Planfilm vornan liegt, sehe mich da aber in keinerlei Wettbewerb, bin allerdings auch nicht retromässig drauf.

Ich mache das mit dem Film schon immer, ich mache das heute aus der Überzeugung heraus, dass ich mir mein Werkzeug vorteihaft zueigen mache, und ich finde digitale Ergebnisse neben den für den Bildinhalt gar nicht so wichtigen technischen Aspekten oft  fürchterlich seelenlos - es fehlt mir eine gewisse Tiefe.

Es wurde in dieser Branche wohl viel über technische Aspekte geredet, das eigentliche Bild aber, Seine Aussage und Anmutung, einfach vielenortes vergessen.

Und ja, ich denke nach wie vor, genau das sehe ich. Leider.

Natürlich sehe ich auch viel Elend auf Zelluloid, es ist wohl auch ein Stückweit der Zahn der Zeit, dass dem Erstellen eines Bildes nicht mehr die benötigte Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Selbst mein eigener Mülleimer ist stets voller als mein Ablageordner für Fertiges...

Vorteile sehe ich eher auf anderen Ebenen, Sie sprachen es bereits an, die schnelle Handhabe bei Bedarf ( hab ich nicht), aber auch die durchgehende Schärfe kleinster Sensoren bei geringer Objektweite.

Auch wer bei geringstem Aufnahmelichte zu agieren gedenkt, findet im Corpus digitalis ein hervorragendes Werkzeug.

Ob man nun 3 Stunden  bei Rotlicht in Alchemie macht, oder die gleiche Zeit lieber am Schreibtische verbringt, um Seinem Bilde die Feinheiten zu entlocken, scheint mir nicht diskutabel sondern lediglich neigungsabhängig.

Aus der Fülle an Möglichkeiten solle ein Jeder das passende Werkzeug für sich finden, wie ich heute meine.

Freundlichst,

F.F.Faltenbalg

Kann ich im Wesentlichen mitgehen... den grundsätzlich schwingen da immer noch zwei Seelen in meiner Brust. Praktisch bin ich aber eben doch dem Corpus Digitalis aufgesessen, bedaure aber die heutige Jugend, die niemals jenen magischen Moment erleben wird, wie in der Entwicklungsschale wie von Zauberhand das Bild aus dem Nichts auftaucht. Großes Kino.

@Linsentrübung - nicht alles ist Glaskrebs, aber eben auch nicht mehr ganz klar....trotz Bemühungen. Vielleicht bin ich da ja auch zu pingelig... pixelkonditioniert...

Zudem habe ich die Kameras mehrheitlich nicht gekauft - sie wurden mir 1989-1991 gebracht - die wollte keiner mehr haben und mir waren sie zu schade zum wegwerfen - also hab ich die Teile gehortet und nur drei dazugekauft - letztere waren dann auch im Einsatz.

Wenn Sie, Herr Faltenbalg, Ersatzteile brauchen... ich kann damit u.U. dienen...

Frohes Schaffen

Georg von Fixfocus

Ja gerne, den einen oder anderen funktionierenden Rad-Compur, ein Periskop, einen Meniskus, einen Plasmaten, und sofern vorrätig einen Aplanaten lege ich mir gerne auf den "da muss man mal mit geknipst haben"-Tisch.

Ich habe ja "für die schnelle Handhabung" extra 2 kleine Plattenkameras, 9x12cm und 4x5" Umbau, schussbereit auf Statif  im Flur stehen, da wechsle ich gerne mal die Wäsche die Linse.

Die Jugend würde wohl den Bildaufbau im Silberbade gar nicht mitbekommen, sie müsste ja eigens aufsehen vom Bildaufbau im Dizzplay.

Sind Sie denn nun in der Modellfrage zu obiger Kamera ein Stück weitergekommen ?

Gut Licht,

F.F.F.

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