Rauchersalon

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Meine "neue" Adler Mod. N° 7 - Vorstellung und offene Fragen

Verehrte Mitreisende,

vergangenen Sonntag habe ich mir endlich den Wunsch einer eigenen Schreibmaschine erfüllt! Völlig ahnungslos von der Materie schlenderte ich somit über den Flohmarkt in Alsfeld, bis ich das edle Stück fand. Ich war mir nicht im geringsten darüber im klaren, ob es sich um ein besonders altes, besonders gutes oder besonders gut erhaltenes Modell handelte, aber ich las den kaum noch zu erkennenden Schriftzug "Adler" auf der Holzabdeckung, welcher mir schon irgendwann einmal untergekommen war, so glaubte ich. Sie sehen, ideale Kaufbedingungen! Entscheidend war aber, dass sie rudimentären Tests zufolge zu funktionieren schien. Nach kurzem Verhandeln hatte ich sogar noch genug Geld in meiner Tasche und erstand sie für 70 europäische Taler. 

Mittlerweile weiß ich deutlich mehr über mein kleines Adlermädchen und über Schreibmaschinen im Allgemeinen. Die sagenhaft schnelle Wissensvermittlung des Äthernetzes hilft hier ungemein.

Die Adler Modell 7 mit diesem, nur noch in Ansätzen erkennbaren Emblem auf der Haube, ist laut dieser Quelle 96 Jahre alt und wurde mit einem Einführungspreis von stolzen 300 Goldmark auf den Markt gebracht, was jener Quelle hier zufolge etwa 1551 europäischen Talern entspricht! Leider habe ich aber keinerlei Papiere und meine Suche nach der Seriennummer am Unterboden des Geräts, wie ich es von Geräten des 21. Jahrhunderts kenne, ließ lediglich die Farbbandspulen aus ihrer Fassung fallen.

Kommen wir also zu ein paar technischen Details, die ich bereits herausfinden konnte.

Die Maschine bringt ein Gewicht von ca 10,8 kg auf die Waage (dies habe ich stumpf abgeschrieben, aber ich werde es sicherlich einmal nachwiegen!), verfügt über 30 Tasten, welche die Typenstangen antreiben. Diese sind wie Stoßstangen gelagert, wodurch die Lettern stets auf der gleichen Höhe gedruckt werden.

Jede Typenstange verfügt über drei Zeichen. Durch einen Hebel links von der Tastatur kann man die Walze wahlweise um einen Schritt (für die Großbuchstaben) oder um 2 Schritte (für die Satzzeichen und Zahlen) absenken, wodurch jeweils die mittleren oder unteren Zeichen auf der Typenstange gedruckt werden. Die Stoßstangen gleiten dabei über eine Platte aus gehärtetem Stahl.

Das Farbband ist ein 2,5cm breites, 8m langes Textilband aus Seide, welches in meinem Fall hie und da schon recht durchlöchert und sehr ausgetrocknet ist. Hier habe ich auch schon die erste Frage an die Schreiberlinge unter Ihnen: Hat jemand von Ihnen Erfahrung mit dem Nachtränken von Textilbändern? Ein neues Band für dieses Schmuckstück kostet ca 18 Euro und kommt aus den Niederlanden, ist die Frage, ob das dann auch ein Seidenband oder doch eher ein neueres aus Nylongewebe ist. Eignet sich zum nachtränken vielleicht einfach ein Stempelkissen? Falls in absehbarer Zeit kein besserer Vorschlag aufkommen sollte, werde ich diese Methode testen und Sie darüber auf dem Laufenden halten.

Kommen wir zur Farbbandnachführung. Erst heute habe ich die Funktion eines kleinen Hebels an der rechten Seite der Maschine durchschaut: Dieser soll vermutlich die Nachführrichtung für das Farbband definieren können! Allerdings tut er es nicht mehr.

    (Diese Bilder wurden zur besseren Übersicht von hinten aufgenommen)

Schiebt man den Hebel gen Maschinenmitte, sollte eigentlich das im Bild ganz linke Zahnrad in das große horizontale Zahnrad greifen, welches die linke Spule antreibt. Zieht man den Hebel nach rechts, greift ein Zahnrad an der rechten Farbbandspule, die linke Spule wird abgekoppelt. Das ganz linke, vertikale Zahnrad sollte stets mit einem kleinen, horizontalen Zahnrad verbunden sein, das unter dem großen kaum zu erkennen ist. Dadurch wird die Bewegung des Seilzuges auf die Farbbandführung übertragen. Wie aber die leicht rote Färbung der linken Zahnräder verdeutlichen soll, verbinden sich diese aber nicht mehr, wodurch die Farbbandnachfühung ausbleibt! 

Wie man sehen kann, gibt es hier keine Justiermechanismen. Es erscheint fast, als wäre die gesamte Achse um 2-3 mm zu kurz! Wer hier Rat weiß, dem bin ich zu aller tiefstem Dank verpflichtet!

Einen Haken hat die Maschine noch, was auch seine Richtigkeit hat, denn dieser Haken soll beim zurückschieben der Walze einen automatischen Zeilenumsprung einleiten.

Dieser Haken sieht so aus. Leider fehlt die Feder, welche den Haken in Richtung Zahnrad drückt. Falls jemand von Ihnen ebenfalls eine Adler 7 oder ein vergleichbares Modell besitzt, wäre ich sehr dankbar für ein detailliertes Foto mit Maßen dieser Feder, sodass ich diese ersetzen kann.

Nun bleiben mir noch zwei Mechanismen, die mir selbst nach eingehendster Untersuchung ein Rätsel bleiben. 

Das ist einmal ein hübsch spiegelndes, vermeintliches Rädchen unten links am Gehäuse. Wenn man die Maschine anhebt, kann man darunter ein Gewinde plus Zahnrad erkennen. Auch die Gravur lässt vermuten, dass man daran drehen können sollte. Das Rad ist aber mit einem Schräubchen gekontert. Ich habe die Schraube also entfernt und das kleine Getriebe gut geölt, aber auch nach stundenlangem Einziehen des kriechaktiven Ballistols rührt sich hier gar nichts. Ist das ein Scherz der Hersteller, um zu neugierige Kunden zu beschäftigen?

Das andere ist ein Knopf am rechten Gehäuserand. Er zeigt frech nach vorne, allerdings ganz ohne Beschriftung. Man kann ihn ein Stück nach hinten drücken und auch in dieser Position fixieren, dazu ist dieser kleine silberne Hebel gut. Es bewegt sich ein Metallteil unter der Farbbandführung. Das macht es ganz leicht und fast lautlos, aber ebenso völlig ohne erkennbare Funktion. 

Meine verehrten Damen und Herren, nun kennen Sie meine Schreibmaschine in etwa so gut wie ich. Falls Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben, verdienen Sie meinen vollen Respekt! Wenn Sie mir darüber hinaus in einem der angesprochenen Problemfälle Hilfe leisten können, so werde ich Ihnen ewig dankbar sein! Dies ist meine erste Schreibmaschine und mein großer Stolz. Ich möchte sie so gut wie möglich wiederherstellen und erhalten. Vielleicht gelingt es mir sogar irgendwann, die Aufschrift auf der Haube mit Blattgold zu erneuern, hochauflösende Bilder als Vorlage habe ich im Äthernetz bereits aufgespürt.

Mit den besten Grüßen aus einem schwülen Mittelhessen verbleibt Ihr

Don Texugo Meles

Tags: Adler, Adler 7, Farbband, Nachtränken, Restauration, Schreibmaschine, Typen

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Antworten auf diese Diskussion

viel spaß ich habe ja auch eine nur muss die noch geputzt werden :D

Ich habe gehört, das mit HD 40, das ist glaube ich so etwas wie Rostlöser, ein trockenes Farbband wieder aufgefrischt werden kann. Hat jemand damit Erfahrungen? Die Adler 7 hat ja dieses Breite Farbband von 25 mm, das gibt es ja nun nicht mehr an jeder Ecke wie ein 13 mm Farbband.

Horatius Steam sagt:

Noch ein Nachtrag zum Thema Farbband nachtränken.

Auf keinen Fall Stempelkissenfarbe für Gummistempel nehmen!

Diese Farbe enthält Säure und zersetzt die Typen.

Farbbänder sind in der Regel nicht "alle", sondern meistens eingetrocknet. Mit etwas WD40 einsprühen und über Nacht einwirken lassen. Sparsam sprühen.

wenn nachgetränkt werden soll, dann Farbe für Metallstempel nehmen!

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Guten Morgen,

WD40 heißt das Zeug. Ich benutze es für Farbbänder und Farbwalzen von Fernschreibern.

Das Farbband komplett auf eine Spule aufwickeln.

Dann oben in die Spule sparsam WD40 einsprühen.

Über Nacht zieht das Öl durch das ganze Farbband und löst die Farbpigmente wieder an.

Hochachtungsvoll,

Horatiius Steam



Heiko sagt:

Ich habe gehört, das mit HD 40, das ist glaube ich so etwas wie Rostlöser, ein trockenes Farbband wieder aufgefrischt werden kann. Hat jemand damit Erfahrungen? Die Adler 7 hat ja dieses Breite Farbband von 25 mm, das gibt es ja nun nicht mehr an jeder Ecke wie ein 13 mm Farbband.

Horatius Steam sagt:

Noch ein Nachtrag zum Thema Farbband nachtränken.

Auf keinen Fall Stempelkissenfarbe für Gummistempel nehmen!

Diese Farbe enthält Säure und zersetzt die Typen.

Farbbänder sind in der Regel nicht "alle", sondern meistens eingetrocknet. Mit etwas WD40 einsprühen und über Nacht einwirken lassen. Sparsam sprühen.

wenn nachgetränkt werden soll, dann Farbe für Metallstempel nehmen!

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Ja klar, WD40, habe mich vertippt.
Horatius Steam sagt:

Guten Morgen,

WD40 heißt das Zeug. Ich benutze es für Farbbänder und Farbwalzen von Fernschreibern.

Das Farbband komplett auf eine Spule aufwickeln.

Dann oben in die Spule sparsam WD40 einsprühen.

Über Nacht zieht das Öl durch das ganze Farbband und löst die Farbpigmente wieder an.

Hochachtungsvoll,

Horatiius Steam



Heiko sagt:

Ich habe gehört, das mit HD 40, das ist glaube ich so etwas wie Rostlöser, ein trockenes Farbband wieder aufgefrischt werden kann. Hat jemand damit Erfahrungen? Die Adler 7 hat ja dieses Breite Farbband von 25 mm, das gibt es ja nun nicht mehr an jeder Ecke wie ein 13 mm Farbband.

Horatius Steam sagt:

Noch ein Nachtrag zum Thema Farbband nachtränken.

Auf keinen Fall Stempelkissenfarbe für Gummistempel nehmen!

Diese Farbe enthält Säure und zersetzt die Typen.

Farbbänder sind in der Regel nicht "alle", sondern meistens eingetrocknet. Mit etwas WD40 einsprühen und über Nacht einwirken lassen. Sparsam sprühen.

wenn nachgetränkt werden soll, dann Farbe für Metallstempel nehmen!

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Hast du sie so sauber und geölt bekommen oder hast du es selber gemacht??

Sehr geehrter Herr Sagittarius,

an welche Person haben Sie Ihre Frage gerichtet?

Leider ist das aus dem Verlauf der Beiträge nicht klar ersichtlich.

Noch ein kleiner Hinweis sei mir gestattet:

Wir pflegen hier im Forum einen gewissen Stil und einen gewissen Umgangston.

Dazu gehört, dass man die Person anspricht, die man ansprechen möchte.

Weiterhin haben wir uns hier auf das vertrauensvolle Sie geeinigt.

Wir, von der Brücke, würden es begrüßen, wenn dieser Umgangston weiterhin gepflegt wird.

Ihnen und allen anderen Mitreisenden,

einen guten Rutsch und ein ideenreiches 2018.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam



Horatius Steam sagt:

Sehr geehrter Herr Sagittarius,

an welche Person haben Sie Ihre Frage gerichtet?

Leider ist das aus dem Verlauf der Beiträge nicht klar ersichtlich.

Noch ein kleiner Hinweis sei mir gestattet:

Wir pflegen hier im Forum einen gewissen Stil und einen gewissen Umgangston.

Dazu gehört, dass man die Person anspricht, die man ansprechen möchte.

Weiterhin haben wir uns hier auf das vertrauensvolle Sie geeinigt.

Wir, von der Brücke, würden es begrüßen, wenn dieser Umgangston weiterhin gepflegt wird.

Ihnen und allen anderen Mitreisenden,

einen guten Rutsch und ein ideenreiches 2018.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Sehr geehrter Herr Steam ich werde ihren Hinweis Beherzigen

Guten Start 2018 

Hochachtungsvoll Herr Sagittarius

Verehrte Herren Steam und Sagittarius,

es ehrt und erfreut mich, dass mein Beitrag auch nach längerer Zeit noch diskutiert wird! Glücklicherweise habe ich noch keinerlei Versuch unternommen, das Farbband mit Stempelfarbe nachzutränken, vielen Dank an dieser Stelle für diesen sehr hilfreichen Hinweis!
Heute habe ich von meinem Halbbruder eine Pfaff Klasse 130 versprochen bekommen, hübsch eingebaut in eine kleine Kommode. Diese verlangt, obgleich sich alles gut bewegen lässt, nach einer gründlichen Reinigung und Pflege, für welche mir WD40 empfohlen wurde, da es nicht harzt und zum großen Teil aus Petroleum bestehen soll. Dieses Wundermittel scheint also in jedem Falle eine Anschaffung wert zu sein.

An dieser Stelle an Sie, Herr Sagittarius, die Schreibmaschine war einigermaßen eingestaubt und hie und da etwas verschmiert, einige Tasten klemmten leicht. Insgesamt hielt sich das aber dank der Holzabdeckung in Grenzen. Für die Fotos habe ich jedenfalls hie und da mit einem Stofflumpen sowie einer alten Zahnbürste etwas nachgeholfen. Wasser kommt mir hier aber nicht ran ;)

Ich habe zudem schon darüber nachgedacht, ob es nicht möglich sein sollte, aus einem festen Seidengewebe ein neues Band selbst herzustellen. Dann könnte ich tatsächlich das alte Band als privates Museumsstück verwahren, die Maschine aber mit einem "neuen" Band in Betrieb nehmen. Das Problem dürfte hier nur sein, die Spulen selber herzustellen... 
Wenn ich mich an solche Arbeiten an meinem Schmuckstückchen wage, werde ich Sie hier selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Hochachtungsvoll,
Don T. Meles

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