Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Geschätzte Mitreisende

 

Endlich finde ich die Zeit wieder hier im Salon vorbei zu schauen und ich komme aus dem Staunen gar nicht heraus, so viele tolle neue Projekte sind zu bewundern!

 

Selber war ich natürlich auch nicht ganz untätig (nicht zuletzt mit ein Grund warum ich keine Zeit für den Salon hatte). Für unseren Besuch des Steampunk-Festivals in Lincoln, England habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein neues Outfit zu schneidern und ein paar Accessoires zu basteln.

 

Dabei konnte ich auch gleich meine neu erworbenen Kenntnisse im Löten umsetzen wobei Sie mir verzeihen müssen, dass das Ganze noch Verbesserungsbedarf hat. Bekanntlich ist aber noch kein Meister vom Himmel gefallen und ich bin schon froh, dass sämtliche Verbindungen gehalten haben und ich alles mehr oder weniger so umsetzen konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

 

Bitte lassen Sie milde herrschen beim Betrachten der Bilder und bedenken Sie, dass es sich hier nicht Arbeit eines begnadeten Handwerkers, sondern die Bastelarbeit einer Dame handelt ;-)

 

Aus einer Pralinendose, einem Bilderrahmen, einer kitschigen Uhr und allerlei anderem Beiwerk wurde mein neuer Rückenträger.

 

Die Dose als solche war definitiv zu unstabil, daher musste eine Trägerkonstruktion für etwas mehr Halt sorgen:

Die unschöne Konstruktion (und die noch folgenden Schläuche etc.) sollten mit einem doppelten Boden (aus dem Deckel der Pralinendose) etwas kaschiert werden.

Wie sich schnell gezeigt hat gibt es auch beim Umgang mit der Blechschere noch Verbesserungspotential…

 

Umso mehr Freude hatte ich am neu erstandenen Rohrschneider mit dem im Nu die Rohre für den Tank und die Kamine zugeschnitten waren.

 

Und dann kam für mich die erste grosse Herausforderung. Die Tankkonstruktion und die Kamine mussten zusammengelötet werden. Im Nachhinein würde ich das Ganze etwas anders lösen (learning by doing) aber hinterher ist man ja immer schlauer.

 

Wie sich gezeigt hat ist das (Kunststoff) Ventil eine Schwachstelle und ich bin sehr froh, dass ich das Rohr mit einer Schraubverbindung angebracht habe. So komme ich da zumindest noch ran (auch wenn ich dafür die halbe Maschine zerlegen muss).

Mein Herr Gemahl konnte ob meiner Konstruktionen nur den Kopf schütteln, aber immerhin stehen die beiden Kamine und sind einigermassen gerade.

Ups ich merke gerade, es ist schon etwas spät und ich verliere mich wieder in Details…

Bei Interesse kann ich den weiteren Werdegang gerne morgen oder in den nächsten Tagen nachreichen.

 

Ergebenst

 

Ihre Lady Anna

Teil 2:

Werte Damen und Herren

 

Vielen Dank für Ihr Interesse

 

Geschätzter Herr von Phone, besten Dank für die Tipps. Nr. 1 + 2 habe ich eigentlich schon angewandt (erst den Rand entfernt und dann einen schmalen Streifen abgeschnitten) aber Tipp 3 ist wohl entscheidend und ich werde es demnächst gerne ausprobieren!

 

Nun aber erst einmal meine weiteren Arbeitsschritte…

 

Schläuche verlegen und hinter dem doppelten Boden verstecken:

Schriftzug des Schockoladenherstellers kaschieren und die Uhr mit dem Rahmen verbinden, was anfangs auch nicht ganz klappen wollte.

Im unteren Bereich ist Platz für die beiden Batteriehalter (2 x 6 AA Batterien) die natürlich noch versteckt werden müssen. Ich habe mich für eine Art „Schiebedeckel“ entschieden, die Ausführung ist recht improvisiert aber tut ihren Dienst.

 

An dem Punkt habe ich dann meine „Dampfmaschine“ beiseitegelegt (ich dachte die letzten Kleinigkeiten seien schnell erledigt) um erst einmal den Rückenträger meiner Tochter anzufangen.

Dazu kann ich vielleicht noch erzählen, dass ich auf dem Flohmarkt 2 gleiche Bilderrahmen gekauft hatte. Im Fundus zuhause fand ich dann die Pralinendose, die von Form und Grösse beinahe perfekt zum Bilderrahmen passte. Leider hatte ich aber nur eine dieser Dosen und sie war (dem Verfallsdatum zu Folge) schon vor vielen Jahren im Verkauf gewesen. Die Chance nochmals eine solche Dose zu finden war also ziemlich gering, aber das Glück war mir hold und kurz bevor ich mit dem Bau des Rückenträgers für meine Tochter beginnen wollte konnte ich auf dem Flohmarkt nochmals eine solche Dose finden. Damit war klar, dass ich auch für meine Tochter die gleiche Ausgangsbasis verwenden wollte. Allerdings sollte das Aussehen dann doch nicht identisch sein. Ausserdem hat mein Rückenträger Dampf und Licht integriert, meine Tochter wollte Licht und Musik haben.

 

Die Vorgehensweise war ähnlich:

Damit das Blech nicht allzu sehr scheppert habe ich dem Ganzen einen Lederüberzug verpasst.

 

Beim Schlussspurt (plötzlich wurde es hektisch weil die Zeit immer knapper war und die Pakete für den Transport nach England fertig gemacht werden sollten) hat sich gezeigt, dass ich zu allem Unglück auch noch einen Anfängerfehler begangen hatte. Ganz zu Anfang habe ich ein Stück Schlauch mit dem Nebelfluid befüllt um zu sehen ob sich der Kunststoff (?) mit dem Mittel verträgt. Ausserdem habe ich geprüft ob das Ventil dicht ist. Dazu habe ich aber leider Wasser verwendet was offensichtlich ein grosser Fehler war.

 

Beim Funktionstest stellte sich heraus, das Ventil ist nicht dicht (nicht der auf dem 1. Bild zu sehende Abzweiger in der Dose, nein das im oberen Teil eingebaute Ventil)! Offensichtlich hat Wasser eine andere Dichte als das Fluid!

Also musste ich alles nochmals auseinanderbauen. Was aber viel schlimmer war, wo finde ich auf die schnelle ein Ventil, dass in das Rohr passt…und dicht ist…

 

Dazu war endlich der Sommer gekommen und eigentlich wollte man doch draussen sein, also wurde der Gartentisch zur Werkstatt (und das Chaos nahm seinen Lauf):

Die Nerven lagen blank! Hier ist dann mein Götter-Gatte eingesprungen und hat mit Ruhe das nicht passende Ventil so lange zurechtgeschliffen, bis es ins Rohr geschoben werden konnte. Erleichterung!

 

Hier sind nun die beiden noch nicht ganz fertiggestellten Rückenträger zu sehen. Neben ein paar Kleinigkeiten fehlen vor allem noch die Tragekonstruktionen aus Lederriemen und Lederrückenplatte.

Was ich wie man sehen kann auch noch rechtzeitig geschafft habe:

Zum Schluss noch ein Bild mit Dampf.  Leider hat mir keine meiner Kolleginnen gesagt, dass das Batteriefach nicht richtig geschlossen ist und so bin ich den ganzen Tag mit „schrägem Deckel“ herum  gelaufen, eine Kleinigkeit die mich aber stört.

Die beiden „Behälter“  unterhalb der Kamine sind mit Schwämmen bestückt  und fangen die Tropfen auf, die beim Verdampfen entstehen können. Die Verdampfer befinden sich in den Kaminen, die wegen der Luftzufuhr von unten offen sein müssen. Durch die Anordnung des Tanks wird (bei geöffnetem Ventil) das Fluid zu den Verdampfern transportiert. Kommt zu wenig Fluid können die Verdampfer Schaden nehmen,  kommt zu viel fängt es an zu Tropfen. Die genaue Einstellung ist sehr schwierig, denn die Verdampfer reagieren je nach Luftdruck und Feuchte nicht immer gleich.

Werte Mitreisende ich danke Ihnen für Ihre Geduld. Wer es geschafft hat mir bis hierher zu folgen kann sich gerne auch noch das kleine Video ansehen, dass eine schwedische Steampunk-Kollegin gemacht und auf youtube gestellt hat.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich hoffe mit meinem langatmigen Bericht Ihre Geduld nicht allzu sehr strapaziert zu haben.

Ergebenst

Ihre Lady Anna

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Antworten auf diese Diskussion

Ups, ich bin wohl schon ein wenig Müde, natürlich sollte es Ihre Kraftlichphiole heissen und denn nicht den von einem Meister... die deutsche Sprache fällt mir heute offensichtlich schwer...

Lady Anna von Liecktensteam sagt:

Geschätzter Dan

Herzlichen Dank für die lobenden Worte. "Technische Umsetzung" wie profesionell sie meine Tüdelei doch umschreiben, das schmeichelt mir.

Verherter Freund Aeon

Auch Ihnen herzlichen Dank. Sie vermuten ganz richtig, die englischen Steampunkkollegen haben mein Werk mit grossem Wohlwollen aufgenommen. Gerne werde ich Ihnen davon berichten und natürlich auch noch Bilder von der Armschiene nachreichen, auf der Ihr wunderbare Kraftlicht Phiole zum Einsatz gekommen ist.

Geschätzter Titus

Ich freue mich schon sehr auf ein persönliches Kennenlernen und bei einem Gläschen oder zwei zu Plaudern. Aber Achtung, ich werde Ihnen Löcher in den Bauch fragen, den von einem Meister wie Ihnen kann unsereins nur profitieren.

Für alle, die Teil 2 meines Berichts nicht gefunden haben: er ist oben beim Einstiegspost angehängt.

Ergebenst

Ihre Lady Anna

Besten Dank für die lobenden Worte Herr Baron



Baron Christian von Helvetien sagt:

Hochverehrte Lady Anna,

Ohhh...welch schöne Rücken meine Augen entzücken.

Ihre beiden Rückenträger sind wirklich sehr schön geworden. Äusserst fantasievoll gestaltet und das Endprodukt überzeugt mich voll und ganz. Vor dieser überaus gelungene Arbeit ziehe ich meinen Hut und verneige mich tief.

Baron Christian von Helvetien

Guten Morgen,

das ist exzellent geworden.

Was für eine Arbeit...

Das Chaos auf dem Werktisch kommt mir sehr bekannt vor. Besonders wenn etwas nicht sofort gelingen will, kann es schon einmal hoch hergehen.

Danke für das Vorstellen hier.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Werte Lady Anna von Liecktensteam,

ich bin sehr begeistert. Die beiden Rückenträger entzücken mich wahrlich sehr. Besonders interessiert haben mich dabei Ihre Ausführungen zur Dampf-Problematik.

Alles in allem großartige Ideen und Ausführungen.

Ergebenst verneigend

Ihre Emma Little-Tailor

Geschätzte Miss Little-Tailor, geschätzter Herr Steam

Vielen Dank für Ihre Anerkennung, worüber ich mich natürlich sehr freue.

Ergebenst

Lady Anna

Werte Lady Anna,

das war kein langatmiger Bericht, sondern ein kurzweiliger Krimi, wie Sie den Geräten dort mit Vehemenz die vielschichtigen Raffinessen entlockten !

Ich kann es förmlich hören, das Raunen, welches, sich allenortes ehrfürchtig Platz schaffend, noch immer durch den Aether wabert, als Sie dortens flanierten.

Vielen herzlichen Dank, auch für ehrliches Benennen von Leid und Tücke, welche nun mal stets das Erfinden und Umsetzen begleitet,

Ihr F.F.Faltenbalg

Liebe Freundin Anna,

Lavendel konnte nicht früher und ich hoffe Sie verzeihen das.

Learning by Doing lautet Ihr Motto? Ich denke nicht daß Sie noch allzuviel " Learnen " müssen denn daß was Sie hier zeigen ist doch ein Meisterwerk und Meisterwerke werden von Meistern geschaffen. Also-nix mehr mit lernen. Sie beherrschen daß Steampunkhandwerk und zeigen wundervollste Geräte. Einfach grandios wie Sie jedesmal mit Dampf, Leben in Ihre Geräte hauchen. Lavendel zieht seinen Hut vor Ihren Künsten !!!

Ihr Leander

Sehr geehrte Lady von Liecktensteam,

die von Ihnen hergestellten Gegenstände sind wunderschön! Weitere Worte, die meine Begeisterung ausdrücken würden, sind bereits von anderen Mitreisenden genannt worden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesen Gegenständen und weitere Ideen für schöne Dinge.

Viele Grüße,

Ihre Chris Leonessangelo

CHAPEAU...schöner und besser kann man es nicht sagen...Danke werter Freund und OB Leander

Liebe Lady Anna,

das kommt Alles von Herzen und ist wahrlich ehrlich und ernst gemeint

Ihr Freund und KOLLEGE

Titus

Leander Lavendel sagt:

Liebe Freundin Anna,

Lavendel konnte nicht früher und ich hoffe Sie verzeihen das.

Learning by Doing lautet Ihr Motto? Ich denke nicht daß Sie noch allzuviel " Learnen " müssen denn daß was Sie hier zeigen ist doch ein Meisterwerk und Meisterwerke werden von Meistern geschaffen. Also-nix mehr mit lernen. Sie beherrschen daß Steampunkhandwerk und zeigen wundervollste Geräte. Einfach grandios wie Sie jedesmal mit Dampf, Leben in Ihre Geräte hauchen. Lavendel zieht seinen Hut vor Ihren Künsten !!!

Ihr Leander

Es ist und bleibt ein wunderschönes Objekt, und im Gesamtkontext einfach unschlagbar.

Ganz große Klasse.

Mit einer Verneigung, Ihr

Teleman von Phone

Werte Miss Leonessangelo, geschätzte Herren

 

Herzlichen Dank für Ihre lobenden Worte, es ist natürlich immer eine Freude, wenn eigene Projekte auch bei anderen Anklang finden.

 

Verehrter Herr Lavendel

So ganz ohne Anmerkung kann ich Ihren Kommentar dann aber doch nicht stehen lassen. Es gibt für mich noch sehr viel zu lernen und das ist ja gerade das Schöne am Steampunk, man kann immer wieder Neues ausprobieren. Beim aktuellen Projekt war das für mich zum Beispiel das Löten mit dem Bunsenbrenner (beim letzten Rückenträger war der "Körper" aus Holz und die meisten Verbindungen konnten mit Schrauben gemacht werden, manchmal kam sogar Kleber zum Einsatz). Das Löten hat mir nun ganz andere Möglichkeiten verschafft. Daneben war die Tatsache, dass nicht jede Flüssigkeit die gleiche Dichte aufweist eine zwar nervenaufreibende, aber auch lehrreiche Erkenntnis. Und die Entdeckung, dass es zum Rohre schneiden eine einfache aber äusserst praktische Gerätschaft gibt hat mich auch weiter gebracht.

Aber es gibt noch viel zu lernen für mich. Zum Beispiel stehen das Ätzen und das Furnieren auf meiner Wunschliste und etwas mit bewegter Mechanik zu bauen reizt mich sehr, aber auch den Einsatz von Elektronik finde ich faszinierend. Von so komplexen Herausforderungen wie sie in Ihrer Werkstatt Anwendung finden getraue ich mich noch nicht einmal zu träumen. Ganz zu schweigen davon, dass Sie und viele andere Mitreisende noch etliche weitere handwerkliche Fertigkeiten meisterlich beherrschen und einsetzen.

 

Ergebenst

Lady Anna

Werte Lady Anna,

auch, wenn ich nun schon einige Monate nach der Veröffentlichung auf Ihren Beitrag zu sprechen komme (Ich bin noch recht neu im Salon und es gibt hier wirklich viel zu entdecken), möchte auch ich meine Bewunderung für ihre Konstruktion zum Ausdruck bringen und ebenfalls meinen Hut davor ziehen.

Wirklich Beeindruckend!

Hochachtungsvoll

Lyndon B.

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