Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Heute vor 100 und mehr Jahren: historische Ereignisse des 19. Jahrhunderts

Heute sah ich einen Kalender mit historischen Ereignissen. Das brachte mich auf die Idee, hier einmal kuriose oder interessante Ereignisse des 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts tageweise nieder zu schreiben.

Jeder, der möchte, kann dies ebenfalls tun. Dies soll der Unterhaltung dienen und natürlich der Wissenserweiterung.

Seien Sie bitte nachsichtig, wenn ich hier nicht jeden Tag ein Ereignis beschreibe.

28.4.1893:

In Frankreich wird per Gesetz eine Fahrradsteuer eingeführt, die auch Motorräder und Automobile besteuert. Mehrere andere Staaten ziehen in den folgenden Jahren mit dem Erschließen dieser Steuerquelle nach. (Zitat von Wikipedia)

Tags: Dieselpunk, Ereignis, Ereignisse, Fakten, Kalender, Steampunk, historisch, interessant, kurios, viktorianisch

Seitenaufrufe: 6219

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion

Ein Nachtrag

Sir Elias Ashton kam soeben auf eine schöne Idee: Ich könnte alle Beiträge einmal zusammenfassen in einem kleinem Heft (im PDF-Format). Das werde ich sehr gern bald tun, dann können Sie bei Interesse das Heft herunterladen und die Ereignisse nachlesen. Alles natürlich kostenfrei und nicht zur kommerziellen Nutzung bestimmt.

Verehrte gnädige Frau,

leider können Sie damit nicht aufhören, weil mir sonst etwas fehlen würde.

Ihr

G.I. von Heddernheim

p.s.

Wenn's denn unbedingt sein muss, dann bedanke ich mich bei Ihnen ganz herzlich für die vielen "Aha-Momente", die Sie mir bereitet haben. Für Ihr neues Projekt wünsche ich Ihnen viel Vergnügen und viele spannende Eingebungen. Und natürlich die erforderliche Geduld. Aber die haben Sie ja schon mit Ihren unzähligen Beiträgen bewiesen.

Aha, also die Franzosen sind schuld....

Werte Amalia, man liest und liest und liest und....na ja, verkennt die Arbeit die dahinter steckt....

Ein herzliches Dankeschön dafür

Mit vorzüglicher Hochachtung

Titus Timeless

Verehrte Frau Amalia,

haben Sie vielen Dank für Ihre bisherige Arbeit. Mir wird etwas fehlen, wenn ich nicht mehr jeden Tag hier nachlesen kann, was denn vor 100 oder oft mehr und manchmal weniger Jahren passiert ist. Sie haben mir dadurch manches Aha-Erlebnis beschert und so mancher Zusammenhang tauchte plötzlich im Kopf auf.

Aber ich freue mich auch sehr, wenn ich dann irgendwann einen ganze Roman lesen kann :)

Meine Hochachtung und viel Erfolg, Ihre Ada Liebherz  

Liebe Frau Amalia,

von mir erneut meine grösste Hochachtung und ein ganz liebes Dankeschön für die wundervolle und akribische Arbeit.

Mit einer tiefen Verneigung auch im Namen der Brückencrew,

Horatius Steam

Hochverehrte Frau Amalia Zeichnerin, werthe Chronistin

Auch ich möchte mich einmal persönlich, sowie im Namen der treuen Leserschaft unter den Werkmannen der Junophor-Werke und der Fabulierabtheilung für Ihre unermüdliche Berichterstattung bedanken. Nicht wenige Ihrer Hinweise und Schlaglichter auf das Weltengeschehen haben zu unserer Inspiration beigetragen und sind auch Ihnen zur Ehre gereichend Werk geworden!

Viel Erfolg bei Ihrem Aufbruche zu neuen Projektufern und ich gebe der Hoffnung der Werkmannen Ausdruck, recht bald Neues aus Ihrer Feder lesen zu dürfen.

Für das Dampfkraftlabor der Junophor-Werke

Aeon Junophor

Werte Mitreisende,

die Chronik ist nun als PDF-Buch verfügbar, natürlich kostenfrei und nicht zur kommerziellen Nutzung gedacht - gern aber für kreative Zwecke.

http://salon.clockworker.de/profiles/blogs/heute-vor-100-und-mehr-j...

Hochachtungsvoll,

Amalia Zeichnerin

An dieser Stelle erlaube ich mir noch eine interessante und bedeutende Ergänzung hinzuzufügen.

Zum nachfolgend erwähnten Ereignis sei gesagt, daß dem eigentlichen Jahrestag ein wenig vorgegriffen ist. 

Dieses Ereignis jährt sich jedoch zum 135.Male und im schottischen Dundee wurde auch im vergangenen Jahr dessen bereits gedacht.  
Am 28. Dezember 1879, der damals interessanterweise ebenfalls auf einen Sonntag fiel, ereignete sich eines bis dato größten Eisenbahnunglücke bzw. Katastrophen nicht nur Englands, sondern weltweit.
Nun mag man späkulieren, in wie weit sich der Begriff einer Katastrophe definiert.
Bezieht man dieses nun auf die Anzahl der Todesopfer?
Steht und fällt diese Bezeichnung mit seiner Unvorhersehbarkeit und/oder Tragik?
Je weniger Menschen bei einem solchigen Ergeignis zu Schaden oder gar zu Tode kommen, desto besser, besser noch, es geschieht überhaupt erst gar nicht.
Die Größe einer Katastrophe mißt sich vielmehr an der Tatsache, daß Gebäude, Brücken, Tunnel, Schiffe, etc..., die davon betroffen sind, und von denen man glaubte, sie wären für die Ewigkeit bestimmt und allen Widernissen trotzen würden dann dennoch oftmals z.T. sogar der völligen Zerstörung anheim fielen. 
Die Hintergründe:
Viele Jahre nachdem die erste Eisenbahnstrecke in Schottland in Betrieb gegangen war gab es noch bedeutende Netzlücken, die sich auf der Topografie, mithin der Fjorde begründeten.
Mit einem derartigen Problem hatte auch die aufstrebende Textilindustrie in Dundee zu tun.
Deshalb entschloß man sich mit dem Bau einer einer Brücke über den Firth of Tay, um eine unmittelbare Eisenbahnanbindung Richtung Edinburgh zu realisieren.
Dieses Bauvorhaben gestaltete sich als sehr aufwendig, da rund 3 km Fjordbreite im unmittelbaren Einflußbereich der Nordseewitterung sowie der ungünstigen Untergrundverhältnisse im Mündungsbereich des Tay Flusses zu überbrücken waren.
1871 begannen die Bauarbeiten bei denen 600 Arbeiter 6 Jahr lang beschäftigt waren.
Danach sprach man von einem neuen "Weltwunder", da die Tay Bridge mit über 3200 Metern nunmehr die längste Eisenbahnbrücke der Welt darstellte.
Wie bereits erwähnt, waren die Arbeiten von unzähligen Schwierigkeiten begleitet und da man unbedingt den Zeitplan einhalten wollte, wurden Fehler über Fehler gemacht, was sich bitter rächen sollte.
Im Flußbett selbst wurden gemauerte Fundamente errichtet, die dann einen "Unterbau" aus gußeisernen, verstrebten Säulen aufnahmen, auf dem man dann die jeweiligen Brückensegmente (low girders sowie high girders) auflagerte.
Ein "Detail", welches bei den Bergungsarbeiten wieder zu Tage kommen sollte, war die mangelhafte Gußqualität der senkrechten Tragsäulen.
So war vorgeschrieben, eine Mindeststärke bei diesen Säulen von umgerechnet 30 mm keinesfalls zu unterschreiten. Messungen an geborgenen Artefakten ergaben zum Teil erschreckende ca. 10 mm Wandstärke.
Auch bei der Planung ergingen schwerwiegende Fehler.
Die vom leitenden Ingenieur Thomas Bouch angenommene Windlast bei einem Orkan betrug 12 Pfund je Quadratfuß, während zur gleichen Zeit auf dem Kontinent und in Amerika schon 55 Pfund Belastung in die Berechnungen Eingang fanden.
Schließlich sprach man nur noch von  drei Dingen: Schlecht geplant, schlecht gebaut, schlecht gewartet.
Wie konnte es nun zu der Katastrophe kommen?
Vorab sei der wichtige Umstand von z.T. deutlich überhöhter Geschwindigkeiten auf der Brücke erwähnt.
Man bedenke:
Es handelte sich um das damals längste Brückenbauwerk. In wenigen Meilen Entfernung hierzu befand man sich bereits auf dem offenen Meer der Nordsee, die für ihre Stürme und Orkane berüchtigt ist. Über ein derartiges Bauwerk zu fahren wird manch einem Lokpersonal bei über 3 Kilometern Streckenlänge und lediglich bei einer Sicht in die tobenden Fluten den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben. Von daher dürften viele von ihnen schlicht nach der Devise gehandelt haben: 'Volldampf voraus [...Augen zu....und durch...]' und schnellstmöglichst heile am anderen Ufer ankommen.
So kam, was kommen mußte.
Im Laufe des 28. Dezembers 1879 zog ein rapide an Stärke zunehmender Orkan auf. Später sprach man von einem der stärksten Stürme der letzten Jahrzehnte, waren nicht zuletzt unzählige Scheiben zu Bruch gegangen, Bäume und Schornsteine wie Streichhölzer umgeknickt und vollständige Dächer von Böhen abgedeckt worden.
Zum frühen Abend fuhr planmäßig ein Zug von Edinburgh nach Dundee.
In diesen Tagen nach dem Weihnachtsfest galt er vielen jüngeren Menschen, die ein Dienstverhältnis in Dundee hatten und über die Feiertage ihre Familie in Edinburgh besuchten als günstige Rückreisemöglichkeit.
Gegen 19.13 war der Zug am Südende der Brücke angelangt, wo er vom Brückenwärter den Sicherungsstab, welcher ein unbeabsichtigtes Befahren in Gegenrichtung absicherte, entgegengenommen hatte. 
Der Zug fuhr um 19.14 auf die Brücke während gleichzeitig eine telegrafische Meldung an den Fahrdienstleiter mit der Meldung "Zug ist auf Brücke" gesendet wurde.
Wie bereits viele Male zuvor schaute einer der Brückenwärter dem Zug hinterher, dessen schwaches Licht selbst bei schlechter Witterung noch lange zu sehen war und langsam in der Ferne verglimmte, wie eine zur Neige gehende Glut. Erfahrungsgemäß hatte der Zug in diesen Fällen das Brückenende erreicht.
An diesem Abend erkannte er, wie das Licht etwa im Mittelbereich der Brücke schlagartig erlosch, welches beim Brückenwärter Anlaß zu ernster Besorgnis war.
Als nach der regulären Durchfahrtszeit auch keinerlei Rückmeldung aus Dundee erfolgte, wurde er skeptisch.
Das gleiche ereignete sich in Dundee. Nachdem der Zug nach einer angemessener Wartezeit wegen eventueller Langsamfahrt nicht im Bahnhof erschien, versuchte man mit dem Brückenposten zu telegrafieren. Erfolglos, weil die Leitung tot war. Von nun an nahm man an, daß sich eine Havarie auf der Brücke ereignet haben mußte und alarmierte Rettungskräfte, die soweit es der Sturm zuließ, sich mit Booten dorthin begaben.
Der Brückenwärter am Südende entschloß sich gleichfalls der Sache nachzugehen, um sicherzustellen, was geschehen sein konnte zwecks Einleitung von Hilfsmaßnahmen.
Er ging auf die Brücke und suchte in Folge des Orkans Halt am Brückengeländer. 
Im weiteren Verlauf lies dies die Windstärke nicht mehr zu, so daß er kniend auf allen Vieren sich zwischen den Schienen voran bewegte bis er an einer Stelle schlagartig ins Leere griff.
Nach einem tiefen Schrecken mußte er feststellen, daß, wo zu Beginn seines Dienstes bestenfalls der Brückenboden zu erkennen gewesen wäre nun die weißen Schaumkronen der tosenden Wellen sichtbar waren.
Jetzt lag Gewißheit vor - es hatte sich eine Katastrophe ereignet. Nur ein schwacher Hoffnungsschimmer bestand, daß in Folge etwa einer Entgleisung der Zug in einem Brückenbereich doch noch zum Stehen gekommen war.
Der Sonnenaufgang des nächsten Morgen brachte das volle Ausmaß zu Tage:
Der vollständige, rund 1 km lange Mittelteil der Brücke existierte nicht mehr und hatte den gesamten Zug mit in die Fluten gerissen. Auch im Verlauf des Folgetages hatten die Rettungsmannschaften keinen einzigen Überlebenden finden können.
Somit waren alle 72 Insassen des Zuges sowie Lokführer, Heizer und Zugführer ums Leben gekommen.
Was ergab nun die Rekonstruktion des Unglückes?
Wie bereits erwähnt führten schlechte Planung, miserable Bauausführung und nur unzureichende Wartung dazu.
Selbst Aussagen von Wartungsarbeitern, die gebrochene Verstrebungen und sogar herab fallende Metallteile beobachteten , wurden nicht ernst genommen.
Faßt man alle Umstände zusammen, kann man durchweg die Feststellung treffen, daß das gesamte Brückenbauwerk bereits viele Wochen vorher baufällig war und keinerlei nennenswerte Sicherheitsmomente mehr besaß.
Der Vergleich mit einem modrigen Gartenzaun, den man mit der Hand problemlos hin und her schaukeln kann, liegt sehr nahe. 
Der Orkan sowie der Umstand der überhöhten Zuggeschwindigkeit taten ein Übriges - gewissermaßen ein Letztes - um zum Einsturz zu führen.
Einige Jahre später wurde eine zweite Brücke, welche sich rund 20 Meter neben der alten befindet, fertiggestellt.
Sie wurde zweigleisig und die Konstruktion um Klassen robuster ausgeführt, so daß es bis zum heutigen Tage trotz sich wiederholender Orkane der gleichen Stärke zu keinerlei Vorfällen um und auf der Brücke mehr gekommen ist.
.

Dazu möchte ich gern anmerken, dass diese Katastrophe von Theodor Fontane 1880 in Gedichtform gebracht wurde:

Die Brück' am Tay

"Wann treffen wir drei wieder zusamm'?"
"Um die siebente Stund', am Brückendamm."
"Am Mittelpfeiler."
"Ich lösch die Flamm'."
"Ich mit."
"Ich komme vom Norden her."
"Und ich vom Süden."
"Und ich vom Meer."

"Hei, das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein."
"Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund'?"
"Ei, der muß mit."
"Muß mit."
"Tand, Tand
ist das Gebild von Menschenhand."

Auf der Norderseite, das Brückenhaus -
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut', ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu,
sehen und warten, ob nicht ein Licht
übers Wasser hin "ich komme" spricht,
"ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
ich, der Edinburger Zug."

Und der Brückner jetzt: "Ich seh einen Schein
am andern Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
unser Johnie kommt und will seinen Baum,
und was noch am Baume von Lichtern ist,
zünd alles an wie zum heiligen Christ,
der will heuer zweimal mit uns sein, -
und in elf Minuten ist er herein."

Und es war der Zug. Am Süderturm
keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
und Johnie spricht: "Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
die bleiben Sieger in solchem Kampf,
und wie's auch rast und ringt und rennt,
wir kriegen es unter: das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück';
ich lache, denk ich an früher zurück,
an all den Jammer und all die Not
mit dem elend alten Schifferboot;
wie manche liebe Christfestnacht
hab ich im Fährhaus zugebracht
und sah unsrer Fenster lichten Schein
und zählte und konnte nicht drüben sein."

Auf der Norderseite, das Brückenhaus -
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu;
denn wütender wurde der Winde Spiel,
und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel,
erglüht es in niederschießender Pracht
überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht.

"Wann treffen wir drei wieder zusamm'?"
"Um Mitternacht, am Bergeskamm."
"Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm."
"Ich komme."
"Ich mit."
"Ich nenn euch die Zahl."
"Und ich die Namen."
"Und ich die Qual."
"Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei."
"Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand"

Auf Diskussion antworten

RSS

© 2017   Erstellt von Horatius Steam.   Powered by

Flagge zeigen!  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen