Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Werte Mitreisende,

es scheint alsbald an der Zeit, die Besatzung dieses wunderbaren Schiffes um die Zuweisung einer grösseren, vielleicht einer Achtfachkabine, zu ersuchen, mein Kuriositätenkabinett wurde um weitere Fundstücke erweitert und platzt derweil aus allen Nähten..

Dem Wunsche der Damenwelt folgend, das stets bezaubernde  Antlitz weitestgehendst milde und äusserst wohlfeil photographisch in Silber zu bannen, verschlugen mich letzte Exkursionen in dunkelste Winkel, fernste Ecken, sowie zurückliegendste Epochen, um ein sogenanntes Soft - Focus Objektif zu erbeuten.

Es ist dies ein klassischer, in seiner Wirkung einstellbarer und veränderbarer Weichzeichner, wie er auch der härtesten Struktur  zu Leibe zu rücken und alsbald  in zuckersüss-verträumte Auflösung zu verhelfen vermag.

Nun, eine meiner Fallen schnappte unbarmherzig zu, doch ob der schieren Grösse des Erlegten wird die komplette Crew der Fakultät Faltenbalg auszurücken haben, um dem Monster Herr zu werden und es nach Hause zu zotteln.

Wie das Ungetüm dann aussieht, werde ich Ihnen bei günstigster Gelegenheit einmal zeigen; wie es aussehen könnte, entnehmen Sie vorab bitte diesem historischen Bildnis:

Lassen Sie mich in meiner mir ureigenen Art ein wenig abschweifen und einmal kurz schildern, wie verwoben die Geschichte mit der Jetztzeit, wie verschlungen die Vergangenheit mit Gegenwart und sogar Zukunft  sein kann:

Dieser ehrenwerte Herr, Herrmann Krone, darf ohne Weiteres als hiesiger Wegbereiter  der Photographischen Epoche bezeichnet werden. Der Aether gibt hier weiterführende Hinweise.

Als dieses Bildnis letztes Jahr bei meinen amerikanischen Kollegen vorgestellt wurde, sinnierte dort ein Herr, wo er denn den Namen Krone schon gehört zu haben glaubte... und dann fiel es Ihm tatsächlich ein.

Sein Vater erzählte dem Amerikus zu Kindestagen so mancherlei Familiengeschichte, u.A. auch von einem Ururonkel Krone, welcher nicht nur äusserst photographisch bewandert, sonder auch dokumentatorisch in Seiner Epoche unterwegs war.

Der Vater nun, er lebte jetzt noch, eine etwas weitere Anreise wurde eigens initiiert, er müsse da sogar noch Einiges rumliegen haben...

Nach bangem Kramen in muffigen Kellern und hoffnungsvollem Wühlen auf staubigen Dachböden fand der Vater alsodann eine lose Sammlung handschriftlicher Dokumente, aus dem Vermächtnis, und vor allem aber aus der Hand des Herrmann Krone!

Ein historisches Manuskript, welches nie zur Veröffentlichung kam, lag nunmehr vor, und es ist wohl derweil das sinnige Bestreben, Ebendieses einmal in Buchform zu bringen und weiterst zu veröffentlichen. Herrlich!!

Räusper, Sie entschuldigen bitte die Annekdote, und somit hier dann weiter im hiesigen Text:

Meine selten vor einer Herausforderung zurückschreckende Fakultät sieht sich nun vor der nicht unlösbaren, aber dennoch gewaltigen  Aufgabe, dem Objektife eine Heimstätte an meiner grössten Kamera - mit guten 50cm im Quadrat und einer maximalen Länge von einem Meter - einzurichten, was vermangelst schraubbarer Verbindungselemente zunächst widerlich-provisorisch erfolgen wird.

Die zu belichtende Platte hat hier aber eindeutigen Vorrang vor der Aesthetik, meine Damen und Herren,und ich vermag die Ungeduld nicht zu zügeln.

Auch für die finale Implantation gilt es im Bereich der Statik noch erste Erfahrungswerte zu sammeln; mit einer Länge von rund 30cm und einem Gewicht von deutlichen 2, wenn nicht sogar 3 Kg gilt es hier nicht nur der schieren Masse Herr zu werden, sondern auch derer gewaltigen Hebelwirkung ein Schnippchen zu schlagen.

Sicherheit an Mann und Material gehen stets zuvor, doch ist es immer auch das Bildnis, welches mich motorisch antreibt.

Auch diesem sicher nicht ganz geräuschlosen Projekte also können Sie nächstens gerne Folge leisten, so Sie dann ein entprechendes Interesse innehaben; ich erlaube mir eigens, prophylaktisch schon den Grind des Winters von unserer Pausensitzecke vor den Werkstättenfenstern zu feudeln, und die Feuerstätte für die Bereitung heissen Tees zu schüren.

Zum mit diesem Okkolyten eingefangenen und weichgezeichneten Bilde selbst:

Mit ersten photographischen, aber vor Allem ansprechbaren Ergebnissen  wird die Fakultät erst wesentlich später aufwarten können.

Es ist eine Eigenheit dieser nicht ohne Weiteres beherrschbaren Softfokulenten, dass man ihnen ihre Eigenheiten, ich will sogar sagen ihre Seele, einfühlsam entlocken und herauskitzeln muss.

Eine harte Zeit des Pröbelns und der Materialschlachten steht dem Hause Faltenbalg also unmittelbar bevor.

Schafft man dies mit einigem Erfolge, so wird das zukünftige Bildnis, glühen,  singen,

ein jedes Herz zum Schwingen bringen !

Euphorischst weiter berichtend

und allerfreundlichst grüssend,

F.F.Faltenbalg

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Antworten auf diese Diskussion

Werter Freiherr Faltenbalg,

vielen Dank für Ihre Ausführungen! Ich wünsche Ihnen und Ihrer Fakultät viel Erfolg bei der Durchführung dieser anspruchsvollen Aufgabe und verbleibe hochachtungsvoll

Elisabeth Freifrau von Reitemeye

Vielen Dank für Ihren Zuspruch, werte Frau von Reitemeye,

diesen werde ich wohl gebrauchen können.

Freundlichst,

F.F.Faltenbalg

Meine Damen und Herren,

Sie wissen, dass das neue Objektiv nicht an Ihre alte Spiegelreflexkamera passt, wenn die Frontlinse grösser ist als die Kamera.

Sie wissen, dass Sie für das Objektif mindestens 2 Hände brauchen, wenn es schon an der schlankesten Stelle wesentlich dicker ist als eine Flasche Wasser.

Was man hier braucht, ist eine Kamera, bei der wegen der Länge und dem Gewicht des Objektifes nicht die Frontstandarte abreisst.

Meine Damen und Herren, ein schlapp 100 Jahre altes Wollensak Vitax SF (Soft Focus) :

Freundlichst präsentiert von

F.F.Faltenbalg

Werter Freiherr Faltenbalg,

wenn ich mir die Frage erlauben darf, wer trägt denn die Kamera?

Hochachtungsvoll

Elisabeth Freifrau von Reitemeye

Tja, werte Frau Reitemeye,

auf den klassischen Expeditionen, z.B. ins tropische Unterholz, auf die tibetanische Hochebene oder die etwas abseits gelegen Eisscholle wurden, inklusive der Blech-oder Holzkassetten sowie der Glasplattennegatife, stets die Einheimischen für das bis zu tonnenschwere Equipment bemüht, heute muss man sowas wohl selber tragen. Und etwas weniger mitnehmen, und vielleicht nicht gar so ausgiebige Expeditionen planen.

Wobei mir  "Planen" hier eine gewisse Bedeutung verheisst, einen sporadischen Sonntagsspaziergang mit der grossen Lady wird es bei mir jedenfalls nicht geben.

Meine Reisekamera, mit ca 50cm im Quadrat und sagen wir 12cm in der Tiefe - zusammengefaltet - schlägt vielleicht mit 12 Kg zu Buche, eine mit sensiblen Platten befüllte Doppelkassette hat auch gerne 2 -3 Kg, diese gewaltige Linse hier dürfte um die 3 Kg wiegen.

Ein Stativ mit angemessener Standfestigkeit wird mindestens weitere 5 oder besser 7 Kg auf die Waage bringen.

Etwas Gedöns ( ein dunkles Tuch, einen Belichtungsmesser, weiterer Kleinkram wie Lupe, Filter usw) käme noch hinzu. Vielleicht 3 Kg ??

So kann man also bereits mit deutlich unter 30 Kg im Tornister  2 Aufnahmen auf die Platten bannen!

Wenn man denn möchte; derzeit bevorzuge ich es, wenn das Motiv zu mir kommt, am Besten direkt ins heimische Wohnzimmer-"studio".

Bereits der Umgang mit diesem Gesamtpaket ist mir zumindest vorerst schweisstreibend genug.

Freundlichst,

F.F.Faltenbalg

Werter Freiherr Faltenberg,

unter diesen Bedingungen würde ich auch auf eine ausgedehnte Expedition verzichten und das heimische "Studio" bevorzugen. Oder einen Lastenesel bzw. Lastenalpace anmieten.

Hochachtungsvoll

Elisabeth Freifrau von Reitemeye

Werter Freiherr von Faltenbalg

 

Ich bin beeindruckt, sowohl von der Grösse des Projekts/Objekts wie auch von den Anekdoten.

 

Ergebenst

Lady Anna

Verehrteste Lady A. von Liecktensteam,

einen recht herzlichen Dank für Ihre freundliche Reflexion,

ich fühle mich doch auf Angenehmste animiert, auch weiterhin mit kleinen Annekdoten  aufzuwarten.

Das hohe Ziel hier jedoch wird es mir sein, mit erwähntem Glase das Licht einzusammeln, und Jenes dann das Bildsilber schwärzen zu lassen.

Tatsächlich stelle ich mir diesbezüglich ein entzückendes feminines Antlitz vor, welches in schmeichelnder Art auf die photographische Platte gebannt werden sollte.

Freundlichst,

F.F.Faltenbalg

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