Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Guten Abend die Damen und Herren,

für meine kleinen Lautsprecher habe ich nach einem Basslautsprecher gesucht, der

auch mit dem Volumen einer Kupferwärmflasche zufrieden ist, aber leider ist das fast

unmöglich.

Somit bin ich auf das nächstgrößere ausgewichen, eine alte Kaminuhr.

Diese hat ca.5Liter Innenvolumen und damit lässt sich schon eher etwas stricken ;)

Hierzu nehmen wir die Hilfe fernöstlicher Lautsprecher Manufakturen in Anspruch, die Auswahl wurde auf den Tang Band W5 1138smf eingekreist, dieser kleine Bursche ist in der Lage, mit einer recht kleinen Behausung zu erstaunlichen Abgründen der Basswiedergabe zu gelangen.

Seinen Antrieb erhält der Kleine von einem alten Subwoofer-Modul (Verstärker), den ich günstig erworben habe.


Sie werden nun sagen: "Kaminuhr, Subwoofer? Kenn ich, alter Hut. Schon tausendmal gesehen!" und sie haben recht.

Mit diesem Werk konnte ich leider das Rad nicht neu erfinden, aber es hat nun Luftfüllung und anständige Speichen bekommen :)

Zuerst bestellen wir uns also ein Uhrengehäuse nach Wunsch, bei international anerkannten Spitzenhändlern.

Dieses wird nach erhalt soweit zerlegt, neu verleimt und entlackt wie es nur möglich ist.

Nun wird zur Förderung der stabilität und des Wohlklanges, dass Innere des Gehäuses 

mit einem schleimigen Bitumen Gel eingecremt.

So sieht es roh aus

Und hier mit dem rotzigen Schleim des Grauens

Aber es verwandelt sich während der Trocknung in schwarzes Gold

Diesen wunderbaren Vorgang wiederholen wir nun ca. 4-5mal, solange bis das Gehäuse bei einem Klopftest mit dem Fingerknöchel mit einem freundlichen Tök Tök antwortet.

Vorher war es eher ein Töngggg Tönnggg, um es ihnen einmal rein wissenschaftlich vor Augen zu führen. 

Das Gehäuse wird noch mit einem schönen Hartwachsöl eingerieben und natürlich brauchen wir auch eine Abdeckung für den unspektakulären Lautsprecher.

Eine alte Kupferschale, deren Füße schon für andere Aufgaben geopfert wurden, wird kurzerhand ihres Randes beraubt, geht mit einer Miniflex recht ordentlich.

Nun kann man den "Hohlraum" innerhalb des Randes mit beliebigem Stoff/Gitter nach Wahl beschmücken, sieht dann ungefähr so aus

Zur Anprobe schon einmal aufgelegt

Und so sieht dann die gesamte Anlage in der Küche aus

Jetzt muss die Abdeckung "nur noch" angepasst werden, also etwas für Grobmotoriker wie mich ;)

Wenn das einmal Fertig ist, verspreche ich ihnen auch noch ein schönes Lichtbild vom Gesamtensemble.

Ihr ergebenster

Sir Steven

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Guten Morgen Sir Steven,

da klappt einem doch glatt die Kinnlade auf den Tisch.

Danke für den Trick mit dem "Schleim des Grauens"...

Ich liebe Ihre Ausführungen:-)

Ich kann mir vorstellen, dass der Lautsprecher ordentlich "wumms" macht.

Der Kupferrand passt, wie dafür konstruiert.

Irgendwie, ist hier gerade der Ton angesagt, das aus verschiedenen Klanggeräten.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Guten Abend Sir Steven,

wunderbar diese Soundanlage. Sehr schön auch, dass das Gehäuse des Subwoofers nur gewachst ist und völlig, oder fast völlig schnörkellos daher kommt. Es besticht durch seine von alters her gegebene Form. Sinnlos dran Geklebtes käme einer Hinrichtung gleich.

Freue mich schon jetzt auf weitere Bilder.

Chapeau

Titus Timeless

...P.S.: wie kamen Sie auf die Idee mit dem Bitumen ?.... 

Da schließ' ich mich doch mal flugs an ...

sorry, guten Abend zunächst einmal!

Ja, Sir Steven, das interessiert mich auch brennend, wie Sie auf diese scheinbar abseitige Idee kamen, das Innere Ihrer Bassbox mit Bitumen-Gel zu bepinseln. (Ich hab' eben erst mal nachgelesen, was das überhaupt ist, und dass man das Zeug normalerweise zu Abdichtungszwecken im Bau-Gewerbe nutzt.)

Stinkt die Jauche eigentlich?

Gespannt auf mehr dazu grüßt

Remington Brass

Vielen Dank meine Herren,

Bitumen im Lautsprecherbau wird wegen seinen dämpfenden Eigenschaften genutzt um Gehäuseresonanzen zu reduzieren, es werden aber eher selbstklebende Bitumenmatten eingesetzt.

Meist auch noch in Verbindung mit Kacheln, oder doppelten Wänden mit Sand gefüllt.

Falls sie da näher eindringen möchten, googeln sie einmal nach Sandwichbauweise-Lautsprechergehäuse.

Im real existierenden Kapitalismus gibt es aber kaum hörbare bzw messtechnische Nachweise von dieser Maßnahme.

Ich habe es bei dem Uhrengehäuse aber schon wegen dem besseren "Gefühl" getan, zum einen ist die Wandstärke mit 8mm und bei den gebogenen Teilen sogar nur 5/6mm stark, was wirklich etwas wenig ist für einen Subwoofer und zum anderen wird das betagte Gehäuse durch das Bitumen auch einfach stabiler.

Das verwendete Produkt ist zwar Lösemittelfrei, aber wenn man sich nicht wie eine Figur in einem Hieronymus Bosch Bild fühlen möchte, würde ich ein geöffnetes Fenster sehr empfehlen ;)

Ihr

Sir Steven

Vielen Dank für die umfängliche Auskunft, Sir Steven!

Dass die Verarbeitung von Bitumen im Lautsprecherbau offenbar gang und gäbe ist habe ich bis dato nicht gewusst, ich hatte mich aber auch noch nie mit der Materie befasst. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Zeug auch für andere Stabilisierungszwecke brauchbar sein könnte und dabei nicht so eine ganz furchtbare Seuche ist wie z.B. Epoxi und Glasmatten. Der Tipp ist notiert, zusammen mit der Warnung vor dem Hironymus-Bosch-feeling, danke!

Ihnen viel Spaß und ein gutes Händchen beim weiteren Werkeln an Ihrer Wumms-Uhr wünscht

Remington

Werther Sir Steven,

Den von Ihnen gewählten Lieferanten des Lautsprechers kann ich auch wärmstens empfehlen!

Vielen Dank gebührt Ihnen hinsichtlich den Hinweisen zur Beschichtungsthematik, hätte mich vlt. auch mehr in Richtung High End gebracht...hätte, hätte..Ankerkette... ;-)

Optisch eine höchste gelungene Konstruktion, möchte ich meinen!

Mit tiefen Grüßen

Ihr Dr. T.v.T.

Guten Morgen,

Überschrift gelesen, erstes Bild runtergescrollt und die Stirn kraus gezogen: Was soll den da für ein Klang rauskommen??? Ne alte Sperrholzbox als Suppenwoofer??? Wohl nicht...

Tja, und dann weitergescrollt - wieder Stirn kraus gezogen. Aha!?!

Da ich ja nun mal nicht aus der HAIFI Szene entstamme, wäre ich wohl nie auf Bitumen gekommen - BITUMEN!!!

Das hab ich schon gehasst, als ich mal ein Dachleck abdichten musste. Ich hab sofort das Wohnzimmer gesehen, in dem sich das Zeug auf gespenstische Weise ausbreitet, ohne dass man es will, klebt überall, stinkt wie Hulle, und man bekommt es nie, NIE, N I E wieder von den Fingern...

Sie Armer, aber klasse gemacht, stellen Sie das auf Opas Anrichte und das glaubt kein Mensch, dass das brandneu ist. Urban-Camouflage nennt man das glaube ich.

Beste Grüße aus dem Norden und vielen Dank, wieder was dazu gelernt

Ihr Teleman

Werte Herren von Treene und von Phone,

auch ihnen meinen Dank für ihr Lob.

Lieber Herr Treene, andere Mütter haben auch schöne Töchter ; ) Es gibt da noch ettliche andere Lieferanten für gute Lautsprecher.

Man muss halt immer nur schauen, was man damit machen möchte, welche Musik, wie laut

und in welchem Raum, danach kann man sich dann das Beste bei den Herstellern heraussuchen.

Lieber Teleman, dieses Bitumen Gel riecht nicht so stark und lässt sich auch gut verarbeiten und für eventuelle Schweinereien hat der liebe Gott ja auch das Latex erfunden. Dieses stülpt man sich bei Bedarf über die Gliedmaßen und schon klebt das Zeug auch nicht überall herum. Also das Bitumen meinte ich, Herrgott ist der letzte Satz eindeutig zweideutig ;)

Der Stoff für die Abdeckung war übrigens von einem alten Röhrenradio, welches ich mal ausgeschlachtet hatte.

Die Farbe des Stoffes war mir aber nicht ganz so genehm, darum flux zum Verkaufsgeschäft und eine Färbefarbe gekauft. Da das Gehäuse vermutlich mal ein Nussbaum war, habe ich kurzentschlossen die Farbe Nussbraun gekauft :)

Hier können sie noch das Resultat des Färbevorganges mit der Färbefarbe sehen

Ob blond, ob braun... natürlich lieb ich alle Frauen, aber in diesem Fall fand ich die brunette Variante halt irgendwie passender und hübscher :)

Ihr

Sir Steven

Werter Sir Steven

Genial!! Diese schwarze "Masse" muss ich mir unbedingt merken!

Eine tolle Arbeit!!!!

Herzlichst     Ihr Dan Aetherman

Lieber Dan Aetherman,

auch ihnen meinen etwas verspäteten Dank für ihre netten Worte.

Hier noch ein paar Bilder von der "neuen" Arbeitsecke.

Und ein wenig Deko

Das Regal wurde aus Holzresten gebaut, nur die obere Platte wurde dazu gekauft, den Bilderrahmen aus Messing habe ich mal sehr günstig auf einem Flohmarkt erworben(1Euro), etwas gereinigt und ein neues Bild rein.

Jetzt brauche ich noch ein Regal für unter den Tisch, für die ganzen größeren Teile, diese liegen derzeit noch in Kisten, aber in Kisten finden die Teile ja nicht so richtig zusammen, wie wir wissen ; )

Ich wünsche den Herrschaften noch einen angenehmen Abend.

Ihr

Sir Steven



Remington Brass sagt:

Vielen Dank für die umfängliche Auskunft, Sir Steven!

Dass die Verarbeitung von Bitumen im Lautsprecherbau offenbar gang und gäbe ist habe ich bis dato nicht gewusst, ich hatte mich aber auch noch nie mit der Materie befasst. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Zeug auch für andere Stabilisierungszwecke brauchbar sein könnte und dabei nicht so eine ganz furchtbare Seuche ist wie z.B. Epoxi und Glasmatten. Der Tipp ist notiert, zusammen mit der Warnung vor dem Hironymus-Bosch-feeling, danke!

Ihnen viel Spaß und ein gutes Händchen beim weiteren Werkeln an Ihrer Wumms-Uhr wünscht

Remington

Sehr geehrter Herr Brass,

Entschuldigung, das ich mich so frech in Ihre Unterhaltung reindränge, aber ich wollte nur mal sagen, das es auf die Bezeichnung von Epoxid ankommt . Wenn sie Epoxid UV 3200 besorgen , stickt die Jauche gar nicht mehr, mit diesem Epoxidharz habe ich keinerlei Geruchsbelästigung.

Und das Mischungsverhältnis von 100:55 ist auch für kleinere Mengen super geeignet.

Beste Grüße

Hlin

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