Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde sowie  geschätzte, jedoch anonym bleibende Mitleser/innen,

das im Folgenden darzustellende und zu beschreibende Bastelprojekt versteht sich als eine kleine und bescheidene Hommage, meine persönliche Ehrerbietung,  welche sich jedoch nicht an eine bestimmte Person richtet, sondern an den klassischen Maschinenbau.

In einer Zeit nämlich, in der Computer,  Microcontroler  und Elektronik im Allgemeinen  noch unbekannt waren, als es z.B. zur Steuerung und Regelung von Elektromotoren noch keine Frequenz-Umrichter, Pulsweitenmodulation und dergleichen  gab, da haben bereits dennoch findige Konstrukteure und begnadete Handwerker Maschinen entwickelt und gebaut, deren technische Raffinessen einerseits und deren ästhetische Anmut andererseits mich immer wieder aus den Socken hauen.

Diejenigen unter Ihnen, die mich ein bisschen besser kennen, wissen um meine große Begeisterung hinsichtlich der Drehmaschine und ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten (weshalb es Sie wahrscheinlich nicht sonderlich wundern wird, dass sich mein jüngstes Bastelinteresse ausgerechnet aus dieser Quelle speiste.) Haben Sie mal eine zeitgenössische, moderne Drehmaschine verglichen mit einem Modell, welches vielleicht sechzig, siebzig oder sogar hundert Jahre auf dem stählernen Buckel hat? Selbstverständlich erlaubt die moderne Maschine schnellere Drehzahlen, ist insgesamt vielseitiger, effizienter und um Längen wartungsärmer, anwender-freundlicher und viel weniger gefährlich  in der Handhabung – aber sie ist eben auch in aller Regel grotten-hässlich!

Ich räume es an dieser Stelle freimütig und unumwunden ein: ich habe mich unsterblich verliebt in das wunderschöne Erscheinungsbild dieser alten Drehmaschinen, besonders der kleinen Exemplare. Und um dieser bislang unerfüllt gebliebenen Liebe willen (die definitiv auch unerfüllt bleiben wird), habe ich vor ein paar Monaten damit begonnen, das Funktions-Modell eines klassischen Drehmaschinen-Spindelstocks mit meinen bastlerischen Möglichkeiten und Fertigkeiten nachzukonstruieren und anzufertigen. Sämtliche Bauelemente, mit Ausnahme des zugekauften Dreibackenfutters und des noch nicht so recht zum Stil der Maschine passenden Motors aus dem Fundus, wurden eigens für den hier beschriebenen Zweck angefertigt. Das eine oder andere Einzelteil des Projektes konnten Sie hier im Salon ja bereits in der jüngeren Vergangenheit in seinem Werden mitverfolgen.  Ein sehr schöner alter Motor, den ich eigentlich verbauen wollte, erwies sich leider als leistungsmäßig etwas zu schmalbrüstig, weshalb ich zunächst provisorisch ein Gehäuse um einen ausgedienten Schreibmaschinen-Motor herumgezimmert habe, aber das bleibt definitiv nicht so!

Der sogenannte Spindelstock ist übrigens der Teil der Maschine, in dem die Kraft des antreibenden Motors über Riemen und Zahnräder mit wählbarer Geschwindigkeit auf die Arbeitsspindel und das daran angeflanschte Backenfutter übertragen wird. Im Wesentlichen handelt es sich beim Spindelstock also um ein Getriebe - im vorliegenden Fall mit acht gleichmäßig abgestuften Gangsprüngen. Eine komplette Drehmaschine nachzubauen erlauben leider weder mein Maschinenpark noch mein handwerkliches Vermögen, von der dazu notwendigen Zeit einmal ganz zu schweigen.

Nun also, nach ungezählten Stunden größtenteils lustvollen Schaffens am Zeichenbrett und in der Werkstatt ist es (bis auf den absolut notwendigen Austausch des Motors) vollbracht, das Ding läuft und kann vorgezeigt werde.

Bitte schön:

Der lange Hebel rechts auf dem nächsten Bild bewegt den Kopf des Zwischenwellenträges um ca. 12mm auf und ab; dies erleichtert das Umlegen des Riemens auf eine andere Nut zwecks Gangwechsel:

Das folgende Bild zeigt hinter der Arbeitsspindel die Vorgelegewelle mit ihren Zahnrädern. Die Hohlwelle, an der die Räder befestigt sind, dreht sich komplett um eine exzentrisch gelagerte Achse, die mit dem kleinen Hebel vorn gedreht werden kann. Damit werden die Zahnräder des Vorgeleges mit den Zahnrädern auf der Arbeitsspindel in oder aus dem Eingriff gebracht.

Hier noch mal ein Blick von der linken Seite:

Und mehr aus der Nähe:

Die Öler auf den Hauptlagern funktionieren, d.h. es gibt eine dünne Bohrung, die von den Ölern bis zur Welle reicht bzw. die in eine umlaufende Ölnut an der Innenseite der Messing-Lagerschalen reicht.

Abschließend noch eine Totale durch das große Riemenrad:

Fragen zu technischen Details und zum making-of beantworte ich wie immer gern auf Nachfrage, möchte Ihre Aufmerksamkeit jedoch jetzt nicht länger strapazieren.

Für Ihr Interesse bedankt sich

Remington Brass

 

Tags: Brass, Drehmaschine, Funktionsmodell, Spindelstock

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Antworten auf diese Diskussion

Lieber Herr Brass, liber OB,

ich habe gerade etwas zittrige und feuchte Hände vor Beisterung und wohligen Gefühlen.

Die Maschine ist einfach wunderschön geworden. Sie sehen mich begeistert, absolut!

Ich kann mich gar nicht sattsehen an den Details, aus der die Liebe zu solchen Maschinen spricht.

Schön, dass Sie Mitglied hier im Saloin sind und danke, dass Sie das Gerät hier vorstellen.

Ich hoffe, die Maschine in Ulmen bewundern zu dürfen.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

PS

Haben Sie die Gußteile selbst gegossen, bzw. die Gußformen selbst gefertigt?

Lieber Ordensbruder Horatius,

danke für Ihren pfeilschnellen Kommentar und das darin zum Ausdruck gebrachte Lob.

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich gerade vor diebischem Vergnügen erzittere hinsichtlich der Tatsache, dass Sie auf meine Absicht "hereingefallen" sind. Die Maschine hat kein einziges Gussteil - ehrlich! Das, was nach Guss aussieht - und aussehen soll! - besteht in Wahrheit aus Pertinax. Es war eine "Schweinearbeit", mit der Feile diesen Gussteil-Effekt herzustellen, aber wie gesagt: seeeehr schön, dass Sie drauf reingefallen sind.

Ihr Remington

Alle Wetter, verehrter Herr Brass!

Die "Remington Brass Works" haben ganze Arbeit geleistet. Ästhetik in Form und Funktion! Gestatten Sie mir bitte, an dieser Stelle meine vorzügliche Hochachtung vor Ihrem Ingenieursgeist sowie vor Ihrer  handwerklichen Exzellenz zum Ausdruck zu bringen.

Bewundernd verneigt sich der elektrische Mensch,

Peregrinus E.

WOW, das ist ja der absolute Hammer. Pertinax, einer meiner Lieblingswerkstoffe.

Grooooßartig

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Remington Brass sagt:

Lieber Ordensbruder Horatius,

danke für Ihren pfeilschnellen Kommentar und das darin zum Ausdruck gebrachte Lob.

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich gerade vor diebischem Vergnügen erzittere hinsichtlich der Tatsache, dass Sie auf meine Absicht "hereingefallen" sind. Die Maschine hat kein einziges Gussteil - ehrlich! Das, was nach Guss aussieht - und aussehen soll! - besteht in Wahrheit aus Pertinax. Es war eine "Schweinearbeit", mit der Feile diesen Gussteil-Effekt herzustellen, aber wie gesagt: seeeehr schön, dass Sie drauf reingefallen sind.

Ihr Remington

Oh die Herren,

ich mag gar nicht an den vielen gelben Staub denken! ;o)  Herr Brass, wie haben Sie nur die erhabenen Buchstaben hinbekommen?

Herzlichst,

Peregrinus E.

'n Abend Herr Kollege Electrophorus,

auch Ihnen vielen Dank für die anerkennenden Worte. Zu Ihrer Frage nach der erhabenen Schrift: das Stichwort heißt "Buchstaben-Nudeln"; auf der Rückseite ganz vorsichtig etwas angeschliffen und dann mit Sekundenkleber aufgeklebt - voila!

Es grüßt aus der Suppenküche

Remington

:-)

"Das Herz pocht schnell, die Sinne schwinden,

mag kaum die rechten Worte finden.

Bringt der Anblick des Maschinchens doch mein Blut zum Wallen,

ich hör's schon aus dem Hörsaal von Herrn Bömmel schallen :

Also, wat is en Drehmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm. 

Richtisch, die dreht sich rund herum.

Wörter die ich noch nicht kannte,

benutzt Herr Brass, als seien es Verwandte.

Dies Werk aus des Meisters Hand,

raubt jedem Lehrling den Verstand.

Zeigt''s aber auch : Mit Liebe, Zeit und viel Geduld,

wir aus Pertinax und weißem Lack,

gegossenes Eisen ,seidenmatt.

Verzahnte Räder und die Öler, Riemen und gedrehte Scheiben

werden nun dem Herrn beim Bau'n die Zeit vertreiben.

Mein Gott, mein lieber Brass,

was bereiten Sie uns wieder Spaß.

Ich danke Ihnen, werter Feund und Ordensbruder,

treibt mich dies Objekt nun doch mal wieder an das Werkstattruder.

Könnten alle meine Sägen, Feilen und Maschinen singen,

sie würden Ihnen garantiert ein Ständchen bringen !

....

Hut ab, mein Freund !

Das ist GRANDIOS

Ihr Freund und OB

Titus 

Weiß nicht was ich sagen soll...

Was Brass gebaut, ist wirklich toll...

Zerspant, gefeilt und rund gemacht,

Zwischendrin ´ne Nudelsupp gemacht.

5 Nudeln plötzlich pitschenass,

benennen hier, so wie es soll,

ein Werk der Werke Brass.

...oder so ähnlich,..., weiß immer noch nicht, was ich sagen soll

Außerordentlich, werter Freund

Ihr T.

Schwuppdiewupp...ne' Nudelsupp.

Phantastisch, werther Kollege!

Mit drehschwindeligen Grüßen

Ihr Dr. T.v.T.

Liebe Freunde,

mein Tag war lang und das Reimen will mir g'rad nicht mehr gelingen.Aber: "Vielen Dank für Eure Verse!", das sag' ich rasch noch.

Gute Nacht

Remington

Sehr geehrter Herr Brass,

nach dem Lesen der diversen Antworten von Ihnen bin ich ... einfach platt.
Und natürlich als elektroaffiner Mitbewohner dieses Schiffes bewundere ich jede mechanische Arbeit.


Sie haben in Ihrer Maschine einfach alles verbaut was den Steampunk ausmacht.

Der Hammer waren die Nudeln. Aber gleichzeitig auch eine Ideenquelle für jeden von uns.
Mal schauen wann die ersten Nudeldesignes hier auftauchen. 

Wünsche Ihnen noch viel Erfolg bei der Motorensuche 

Hochachtungsvoll

Ing. Duerr

Guten Morgen Herr Brass,

auch von mir Anerkennung und Respekt zu der Umsetzung und Ausführung

dieses anschaulichen Modells. Wenn ich so eine Arbeit betrachte, wird 

es mir immer schwindelig wenn ich an die vielen einzelnen Arbeitsschritte denke.

Das Sie sich dafür so viel Zeit nehmen wunderbar.

Faszinierend

Ihr

Engineer D.N. Mac Leod I

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