Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Die Zeitmaschine – neu definiert

 

Hochverehrte Mitreisende, schon lange habe ich auch in diesem erlauchten Kreise davor gewarnt: Zeitreisen sind und bleiben gefährlich !! Lassen Sie mich nun hier den Fall des  (glücklicherweise bei einem Kundigen der temporalen  Omni-Transportationen ) gestrandeten, hochverehrten Freiherrn Maximilian vom hohen Rade kundtun, welcher… aber lassen Sie mich von vorn beginnen, um Sie am vollständigen Verlauf dieser Geschichte in Gänze teilhaben zu lassen.

Im traurigen Monat November war‘s, die Tage wurden schon trüber…..da stand er auf einmal in meinem Flur. Ich war nicht wenig erschrocken, war er doch gänzlich unbekleidet, ja hatte nicht einmal mehr seine Hautfarbe und erschien mir zudem recht steif.

Ich wollten den seltsamen Gast wegen seines ungebetenen Eindringens und seiner unkeuschen Nacktheit schon des Hauses verweisen, auch wohl auf Rücksicht auf mein holdes Weib, welche sich bei seinem  Anblick wohl doch recht erschrocken hätte, da fiel mir Eines ins Auge was mich sofort neugierig machte –der Kerl  trägt einen Zylinder ! Und noch dazu keinen gewöhnlichen – Das konnte nur Eines bedeuten : Einer aus unserer Zunft, präziser gesagt – ein Zeitreisender.

Damit war klar – dem Manne muß  geholfen werden. Er konnte sich weder bewegen noch sprechen – was tun ?

Ich suchte also auf transzendentaler Ebene einen Kontakt mit ihm herzustellen, nach Stunden vergeblicher Bemühungen , endlich,  traf mich wie ein Blitz das innere Leuchten seines noch immer wachen Geistes. Ich erfuhr, dass er der Zeitreisende Freiherr  Maximilian vom hohen Rade war, den, gerade auf dem Heimwege aus  den endlosen Weiten der Zeit, wohl eine Störung des Raumzeitkontinuums an der ordnungsgemäßen Landung seines Zeitfahrrades im heimatlichen ausgehenden 19.Jahrhundert hinderte. So verlor er alles, was er Körper bei sich trug, seine Zeitmaschine, sein Zeitfahrrad, ja sogar seine Hautfarbe. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihm, obwohl er noch um 150 Jahre in die Zukunft  verschlagen wurde hatte er das große Glück bei mir, Ingenius Art Fulguritus , zu stranden, denn nur wenige  wären wohl sonst in der Lage gewesen, ihn aus dieser misslichen Situation zu befreien.

 Ich tat mich also mit einem nicht näher genannt werden wollenden Maestro  in vielerlei Künsten und Handwerkeleien (nennen wir ihn hier mal einfach „Der Andre“ ) zusammen und wir beschlossen: Unser unglücklich gestrandeter Gast bekommt eine neue Zeitmaschine. Da ich glücklicherweise über mancherlei  Erfahrungen auf dem Gebiete der Construction und des Bau’s  ebensolcher Maschinen verfüge, ja selbst schon auf´s Angenehmste durch die Zeiten reisen durfte (Dank meines, hier im erlauchten Kreise der Damen und Herren des Rauchersalons schon vorgestellten „Zeithorizont-krümmungskompensators“  ist mir dabei  glücklicherweise noch nicht solch Ungemach passieret) machten wir uns alsbald ans Werk. Zunächst mußte die Beweglichkeit  unseres Gastes wieder hergestellt werden:

Ein schwieriges Unterfangen, welches uns wahrlich alle Register unserer operativen Kunst abverlangte, aber, Sie werden werden es ahnen, es gelang. Mit neuen Gelenken und stählernen Bändern war der Freiherr schon bald in der Lage die notwendigen Bewegungen für den Betrieb eines Zeitfahrrads zu erlernen.

 Nun ging es an das Gefährt selbst – wieder so eine Aufgabe, die uns doch einiges Nachdenken kostete. Die modernen und schnellen Velozipeds des 21. Jahrhunderts schienen uns wahrlich nicht geeignet als Zeitfahrrad für einen jungen Adligen des ausgehenden 19.Jhd. zu sein. Ein Hochrad sollte es schon sein. Glücklicherweise fand sich Eines in der allseits beliebten  Handelsbucht und musste nur noch zum Zeitfahrrad umgebaut werden:

 

 

Besonderes Augenmerk legten wir natürlich auf die Verkehrssicherheit im temporalen Gefüge und spendiertem dem  Zeitfahrrad  eine hochmoderne Leuchte mit temporärer Wasserkühlung sowie ein unvergleichlich schönes Warnhorn zur Vermeidung von Kollisionen mit anderen Zeitreisenden.

Ausserdem gelang es uns, seinenZeitreise-Zylinder samt der Goggles auf das Beste zu restaurieren und mit vielen neuen Instrumenten gemäß der neuesten Erkenntnisse steampunkscher Forschungen auszustatten:

Beachten Sie insbesondere den hochmodernen Verbrauchsmesser zur  genauesten Überwachung der verbleibenden temporalen Energiereserven sowie die hinten befindliche Kopfkühlkomponente, denn was ist wichtiger, als auf Zeitreisen einen kühlen Kopf zu behalten.

Besonders bemerkenswert auch der  schwingende Kommunikations-Antennen-Spiegel, der erstmalig auch aus dem Zeittunnel heraus eine Unterhaltung mit Personen in anderen zeitlichen Dimensionen ermöglicht ! Wahrhaft revolutionär, verehrte Damen und Herren.

Was brauchte es sonst noch für eine gut funktionierende Zeitmaschine:

Als wichtigstes natürlich die eigentliche Zeitmaschine. Es gelang uns entscheidende Teile dieser Maschine, allsamt gefertigt in den 20er bis 60 Jahren des letzten Jahrhunderts im vorigen Jahrtausend in einem bisher einzigartigen Constructe  zu vereinen:

Da hatten wir zunächst diesen wunderschönen Servierwagen, der sich hervorragend zur Aufnahme des „Fluxcompensators“  und des zugehörigen

Hochspannungstransformators  eignete.

Jeder Kinematographiekundige des ausgehenden 20.Jhd. wird wissen – ohne den geht natürlich überhaupt nichts !

 

 

 

Er erhält seine Energie wenn der Freiherr in die Pedale seines Zeitfahrrads tritt, die temporäre Energie ins Stadtgetriebe einspeist und damit die Zeitmaschine versorgt.

Durch die von uns erstmals angewendete Technik der Trennung von Zeitmaschine und Zeitfahrzeug wird die Sicherheit für den Zeitreisenden, wie jedem der Anwesenden sicher einleuchtet, in vortrefflicher Weise verbessert.

Auf dem Oberen Teil unseres Teewagens befindet sich der Kasten einer alten Nähmaschine, er enthält allerlei nützliche  kleine elektrische Bautheile , verbunden zu mehreren Schaltungsgruppen auf Platten, belegt mit feinstem Cupfer und im chemischen Bade geätzt. Dies alles wurde natürlich vorher im Geheimlabore einer gründliche Entwicklung und Tests unterzogen, wie sich denken läßt:

Dies alles steuert die Maschine und zeigt insbesondere die genaue wirklich Uhrzeit, damit der Zeitreisende sich im Dschungel der Zeit nicht völlig orientierungslos verirrt.

Zur genauesten Zeitbestimmung empfängt die Maschine ein Zeitsignal aus dem Äther, das geübte Auge der verehrten Zuhörerschaft wird unschwer die oben befindliche Antenne erkennen.

Nun hätten wir also die Zeitmaschinefast komplett, aber wie der geneigte Zuhörer unschwer bemerken wird, feht noch die Anzeige der lokalen Temporalkomponente – mit anderen Worten ausgedrückt – wo befindet sich der Temponaut denn augenblicklich? Zur Realisiserung dieser überaus wichtigen Funktion scheuten wir wiederum weder Kosten noch Mühe und konstruierten ein solches Präzisionsinstrument aus einem wenigstens 200 Jahre alten Turmuhrwerk:  

Überflüssig zu erwähnen, dass sich dieses Instrument im Falle unseres tapferen Zeitreisenden natürlich rückwärts dreht. Zur Sicherheit befindet sich ein ebensolches Präzisionsinstrument nochmals unten am Zeitfahrad:

 

Eines vergass ich fast zu erwähnen, einige Zeit nach dem Eintreffen des verirrten Temponauten traf, ganz verwirrt aus einem offensichtlich soeben geöffneten Zeittunnel stürzend auch das geliebte Haustier des Freiherrn ein, dem wir natürlich selbstverständlich ebenso einen Platz in der neu geschaffenen Maschine einräumten:

Zur Komlettierung des Ganzen erhielt die Maschine noch eine feuerfeste Steuerung, denn die Gefahren auf Zeitreisen sind, wie wir alle wissen, nicht unbedeutend. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem der Maestro des Pinsel noch ein wunderbares Hintergrundbild in die Maschine gezaubert hat  fährt er nun, unser Gast aus längst vergangener Zeit. Wir wünschen ihm allzeit gute Fahrt durch die Gezeiten der Zeiten und ich bedanke mich für Ihre  Aufmerksamkeit, es war mir wie immer eine Ehre.

Wenn es den Herrschaften genehm ist, darf ich Sie demnächst noch zu einer kinematografischen Aufnahme der Zeitreise des Freiherrn Maximilian vom Hohen Rade einladen und würde mich freuen auch dafür ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu geniesen.

 

 

 

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Antworten auf diese Diskussion

Potzblitz! Eine erstaunliche Geschichte.
Bleibt nur noch, für den Freiherrn das beste zu hoffen.

Hochachtungsvoll,

Friedrich Graf von Reichenhall

Werter Herr Ingenius Art Fulguritus,

ich bin gegeistert und auf 's höchste Maß erfreut dieses Kunstobjekt hier in den Wandelhallen der HMS Anastasia bestaunen zu können. Wahrlich gelungen ! Gratulation.

Mit vorzüglicher Hochachtung und tiefe Verneigung

Titus Timeless

Du meine Güte- werter Herr Fulguritus...

so ein schönes, aufwändiges und liebevolles Projekt ist wahlich ein Edelstein auf diesem Schiff.

Herzlichen Dank für die ausfühliche Vorstellung dessen.

Es grüßt Sie staunend

~Viktoria vom Waldesrand~

Wie versprochen,füralle Freunde der Bewegtbild-Kinematographie hier die Maschine in Bewegung https://youtu.be/3b5sq7EaRjQ

Werter Herr Fulguritus

Was für ein Augenschmaus! Ein Projekt in dieser Grössenordnung sieht man selten und dazu noch so durchdacht und stimmig umgesetzt! Es ist eine wahre Freude Ihrem Bericht zu folgen und die bewegten Bilder verdeutlichen nochmals das Ausmass an Herzblut, das in diesem Projekt steckt! Chapeau!

Ergebenst

Lady Anna

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