Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Hoch geschätztes Auditorium.

Heute möchte meine Wenigkeit Ihnen mein neuestes Projekt vorstellen.

Da in diesem Falle Echtdampf, Mechanik und Ton für einen überwältigenden Eindruck sorgen, lege ich Ihnen nahe, sich die folgende Videographie zu Gemüte zu führen:

https://youtu.be/pm0At2f5Qos?list=PLGzqpKX3c9iP_IO51y9oU7jMHQYlKNGfJ

Hier nun noch die Geschichte zur Entstehung dieses Werkes:

Tatsächlich gibt es auch deutsche TV-Serien, welche für Steampunks durchaus von Interesse sein können. In meinem Falle ist das die Sendung „Eisenbahn-Romantik“. Neben diversen, malerischen Landschaften und alten Eisenbahnen, wurde bei einer Folge etwas sehr außergewöhnliches gezeigt: Eine Dampf-Uhr! Monumental steht sie mitten in der Stadt von Vancouver (Kanada). Ein hoch gewachsenes, schwarzes Uhrengehäuse mit 4 Dampfpfeifen an seinen Ecken. Wenige Minuten vor dem Stundenschlag erkennt man bereits, wie diese Uhr hier und da von kleinen Dampfwolken eingehüllt wird. Trifft der Minutenzeiger die 12, ertönt die kurze Melodie, die man sonst von Großvaters alter Standuhr kennt. Hier natürlich unüberhörbar, durch vier eindrucksvoll dampfende Pfeifen. Durchaus inspirierend….


Ich suchte und verbreitete eine kurze Videosequenz dieser Uhr auf Facebook. Nur kurze Zeit später wurde in meinem Freundeskreis bereits gemunkelt „Raphaelius, ich kann schon sehen, wie es in deinem Kopf brodelt. Wird das dein nächstes Projekt?“

Erst in dem Moment fing es tatsächlich an und ließ mich nicht mehr los.

 

Bereits im sehr frühen Kindesalter faszinierten mich bereits sämtliche Uhren. Kaum ein Mensch hat mich seit jeher ohne meine Armband (-oder Taschenuhr) zu Gesicht bekommen. In meinen Räumlichkeiten stehen – ebenfalls seit Kindheitstagen – mindestens 1 oder 2 Uhren in jedem Raum. Meine aktuelle Wohnung (a.k.a. „Das Museum“) wird ebenfalls von solcherlei vervollständigt. Allerdings bis dato nicht von einer Dampfuhr. In der Tat, der Gedanke keimte auf und fesselte mich regelrecht. Bereits am 2. Tag verschwand ich in die grußer’sche Werkstatt und verließ diese erst, nachdem Hunger und Müdigkeit zu später Stunde auf sich aufmerksam machten.

Nach 7 langen Bastelabenden war es dann soweit:

 

Raphaelius vermisst nun eines seiner Haushaltsgeräte. Es ist der Dampfreiniger. 1300 Watt dienen nun nicht mehr der Reinigung, sondern der Dampfkraft für „Pendule de Vapeur“.  

Klar, wo her sollte man sonst binnen kurzer Zeit, automatisch gesteuert und ohne offenes Feuer, massenweise Echtdampf beziehen?

Somit steuert ein im alten Uhrwerk verbauter, elektrischer Schalter nun ca. 2 Minuten vor Stunde X den Dampferzeuger und eine kleine Signallampe an.

Schon wenige Sekunden später beginnt es, zu brodeln, zu blubbern und zu zischen. Kurz, bevor der Zeiger sein Zenith erreicht, steht das gesamte Kunstwerk laut zischend, hell erleuchtet und vom unbeirrten Ticken des Pendels begleitet, in seiner eigenen Dampfwolke.

Bereits dieses Schauspiel stellt eine einzigartige Faszination dar, oft begleitet von dem Gedanken „Oh oh… ich glaube, gleich explodiert irgendwas…“.

Ein Klick, das helle Licht erlischt und Neun mal ertönt, etwas röchelnd, ein unüberhörbares „Tuuuuuuut“. Das wars. Es ist 9 Uhr. Tick, Tock…

 

Zugegeben, diese Attraktion ist in heimischer Umgebung nicht immer erwünscht. Außerdem folgt auf den vielen Dampf auch schnell ein gellend kreischender Pfeifton des Rauchmelders. Wenn meine Dampfuhr nicht gerade bei einer Vorführung zum Einsatz kommt, lässt sich Dampfpfeife und Beleuchtung auch abschalten. Doch irgend ein schnöder Schalter wäre hierfür nicht nach meinem Geschmack.

Der Uhrenschlüssel hat nun die Ehre, neben seiner eigentlichen Aufgabe auch als Hauptschalter dienlich zu sein.

 

Zweckentfremdet wurde weiterhin noch das Speisewasser-Gefäß. Der schöne Glasbehälter mit dem beleuchteten Sockel hatte bereits in langes Leben in der Küche, und zwar als Pfeffermühle.

Da die Uhr so manche Steampunk-Ausstellung in der Öffentlichkeit bereichern wird, habe ich mir nebenbei noch einen kleinen Trick ausgedacht, um unebene Standflächen auszugleichen: Mittels einer einzigen Augenschraube kann mit einem Handgriff exakt der Neigungswinkel des Uhrwerkes justiert werden, damit das Uhrwerk einwandfrei und gleichmäßig läuft.

 

Ungewöhnlich dürfte der zentrale Dampfkessel sein, denn seine Geschichte erzählt von einer langen Existenz als Fettpresse.

Geringfügige Modifikation durch ein Sicherheitsventil und eine Ablassöffnung gibt diesem alten Werkzeug eine ganz neue, ungeahnte Bestimmung. Von zentraler Bedeutung ist dessen Ventil. Dieses wurde auf Leichtgängigkeit getrimmt und nun durch das eigentliche Schlaghämmerchen des Uhrwerkes bedient.

 

Kopfzerbrechen bereitete mir die Pfeife. Ebenso wollte ich kein Geld für eine Dampfpfeife ausgeben, genauso wenig wollte ich an mich an die eigene Herstellung einer solchen, typischen Dampfpfeife machen. Ich fragte mich: „Wie ist das einfachste pfeifende Musikinstrument aufgebaut?“ Klarer Fall, die Panflöte. Ein simples Rohr, quer angeblasen. Fertig war die kupferne Dampfpfeife.

 

>>Zischhhhh „Tuuuuuuuuut“  - es ist nun halb 10. Tick, Tock, Tick, Tock….

 

Ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

Herzlichst,

Raphaelius Alva Grußer

www.S-Team-Art.de

Tags: Dampfuhr, Pendule, Raphaelius, S-Team, Steam, Vapeur, clock, de

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Antworten auf diese Diskussion

Geschätzter Freund Raphaelius,

es freut mich sehr, Deine mehr als formidablen Gerätschaften und Erfindungen, die anzusehen ich ja schon in echt die Freude hatte, nun auch hier im Rauchersalon zu sehen.

Mit dieser Dampfuhr ist Dir wahrlich etwas Großartiges gelungen. Und nun mal ehrlich, wen interessiert schmutziges Geschirr, wenn es gilt, so etwas zu bauen???

Übrigens, ein Angebot: lass uns mal im Steinbruch über die Möglichkeit zur Mitreise zum Erfindertreffen reden. Die mobile Behausung ist unterwegs...

Grüße aus dem Schwarzwald

Erhard von Umtrieb

*** Vorsprung durch Mechanik ***

Werther Herr Grußer,

for-mi-da-bel.

Da wünsche ich ihnen immer eine "Handbreit Wasser im Kessel"!

Ihre echtdampfbetriebenen Apparaturen zollen meinen allergrößten Respekt.

Mit steamigen Grüßen

Ihr Dr. T.v.T.

Werter Herr Gusser,

also ich muss schon sagen, da haben Sie wieder ein hervorragendes Stück präsentiert.

Chapeau,

Lumos Galvanikus

Werter Herr Grusser

So was Aufregendes hab ich ja noch selten gesehen. Die Videographie war ein richtig heisses Dampf-Erlebnis, ein paar Minuten Hochspannung bis zum finalen Pfiff.

Sie haben ein Kunstwerk von schöner Gestalt erschaffen, dem man ein derart wildes Gebaren fast nicht zutraut. Umso grösser ist meine Begeisterung für diese Leistung. Vielen Dank, dass Sie hier diese Dampfuhr vorstellten.

Hochachtungsvoll

Graf Christian von Helvetien

Oh ha !!! Allerdings, ein Meisterwerk, welches zum nachbaut anregt. Meinen allerhöchsten Respekt, werter Herr Kollege Maschinist  ! 

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