Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Werthe Mitreisende,

darf Ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein...wie soll ich sagen...*räusper* Plagiat lenken?

Nun, die Vorlagen aus dem Hause des/der hochverehrten Steampunkers und der Lady Anna von Licktensteam dürften ihnen hinlänglich bekannt sein,  bei meiner neuesten Bastelei handelt es sich um eine ebensolche Uhrentasche, nämlich um den "Temporalen Transportbehälter". Einfache Naturen mögen es als Handtasche bezeichnen...

Nun, es wäre natürlich vermessen ein schnödes abgekupfertes, bzw. abgemessingtes, Exponat Ihnen zur Ansicht zu reichen. Mich trieben Optimierungsmöglichkeiten an und eben die Bedürfnisse der Dame des Hauses. Und Letzterem zu wiederstehen...nun ja: es wurde zur Tat geschritten!

Eine alte Kaminuhr wurde für einen lächerlichen Betrag, ich konnte auf einem in Auflösung befindlichen Flohmarkt nach zähen Verhandlungen für 1€ zuschlagen, vor der finalen Entsorgung bewahrt. Das Uhrwerk nicht zu retten, das Gehäuse in einem erbärmlichen Zustand, das Uhrenglas zerbrochen...

Zur Optimierung und Restauration und selbstredend für Ihre weiteren Anregungen möchte ich meine Erfahrungen teilen:

Das in drei Teile gebrochene Glas wurde aus dem Rahmen entfernt. Achtung: das ist mit einem Klemmring in den äußeren Ring eingespannt, größte Vorsicht. Feinmotorik ist hier wünschenswert!!! Das gewölbte Glas wurde an den Bruchkanten mittels Kleber an den Bruchkanten bestrichen, dann auf einer absolut ebenen Unterlage zusammengfügt und seitlich mit gewichtigen Gegenständen zusammen gedrückt. Dies war eine, milde ausgedrückt, defizile Angelgenheit. Die überstehenden Klebereste können dann vorsichtigst mittels eines Skalpells abgeschabt werden; Auolackpolitur erledigt den Rest. Die Borte auf der Vorderseite, zur Kaschierung der Klebung, war dann wieder eine Eingebung der Dame des Hauses. Das Glas wurde dann wieder in den Rahmen mit dem Klemmring eingefügt, auch hier: Feinmotoriker sind vorne mit dabei!

Das mechanische Uhrwerk wurde gegen ein modernes , auf elektronischer Funktion beruhendes, ausgetauscht. Achten sie bei der Wahl unbedingt auf die Zeigerblattdicke, bzw. Wanddicke des Gehäuses!

Interessant war, das der originale Stundenzeiger auf die Stundenwelle passte, der ebenso originale Minutenzieger hingegen für die Aufnahme der Minutenwelle mittels Minidiamantfräser "aufgebohrt" werden konnte. Ggf. müssen Sie die Höhenposition der Zeiger noch durch biegen optimieren, damit diese nicht auf dem Ziffernkranz oder Glas auflaufen.

Die Innereien: Also...zu den Befüllungen, sowohl inhaltlich und mengenmässig, von Damenhandtaschen werde ich mich, als Gentleman der Alten Schule und aus Gründen der Diskretion, selbstreden nicht äussern wollen. Die Auskleidung des Gehäuses erfolgte mittels kupferfarbenen Pannesamtes. Das neue Uhrwerk und die Energieversorgung der folgenden Errungenschaften werden mit Klettband versehenen Pannesamtstücken verdeckt, zur Revisionsmöglichkeit, aus augengefälligen und anderseits aus herumkramenden Gründen...

Und genau wegen des verzweifelten Suchens in dunklen Handtaschen, vlt. auch zu nächtlicher Stunde, kam die Erleuchtung zur Rettung der Dame in Not! Eine neumodische Hochleistungs-Lichtemittiernde-Diode wurde so in dem Innenraum montiert, das, auch bei hohem Füllgrad, für eine mehr als ausreichende Innenbeleuchtung der Handtasche gesorgt sein sollte!

Ich vergas: Für den Antrieb des neuen Uhrwerkes kam natürlich nur jene geheimnisvoll grün leuchtende Substanz in Frage...Sie wissen schon! Die Aktivität in den extrem miniaturisierten Reaktoren wird über zwei Schaugläser auf dem Ziffernblatt abgezeigt!

Für das Gehäuse und die Taschenabdeckung kam dann das übliche Material zum Einsatz: Messingzierband, Hutmuttern, Ösenschrauben, Sofalederreste, Zahnräder (!) und die Henkel einer ausgedienten Handtasche. Die Henkel in dieser Bauform kann man übrigens vorsichtig mittels Skalpell aufrennen, einen Karibinerhaken einfügen und das ganze Mittels des sog. Sattlerstiches neu vernähen. Wenn Sie Schliessen verwenden, achten Sie dann bitte darauf, solche aus Vollgussmaterial zu wählen, bitte nicht diese aus Blechprägung!

Und wie nun üblich an dieser Stelle: genug der Worte, sie wollen Taten sehen:

Der Temporale Transportbehälter in der Totalen:

Die Aktivität eines der -wechselseitig agierenden- Reaktoren in Aktion:

Der raparierte Glasbruchschaden von der Innenseite des Uhrenglases aus geshen:

Die Handtascheninnenbeleuchtung:

Nachdem der Temporale Transportbehälter nun der Verwenderin übergeben wurde, verbleibe ich...

mit vorzüglichen Grüßen

Ihr Dr. TechNo von Treene

 

Tags: Dr., Handtasche, T.v.T., TechNo, Transportbehälter, Uhrentasche, temporal

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Antworten auf diese Diskussion

Wo junge Hühner nach allerlei Tand haschen

wählt die Dame gediegene Handtaschen!

Werter Herr Kollege Dr. von Treene,

beim morgendlichen Studium Ihres unterhaltsam und informativ gestalteten, aktuellen Beitrages kam mir die Eingebung zu dem oben vorangestellten, kleinen Schüttelreim. Kann es eine schönere Aufgabe für einen Gentleman alter Schule geben, als sich selbst zum willfährigen Erfüllungsgehilfen herzdamenhafter Begehrlichkeiten zu machen? Wohl kaum, und darum: well done, mein Bester!

Ihr Remington Brass

Sehr geehrter Herr Dr. von Treene,

so eine Tasche scheint ein Muss für die Dame von Welt zu sein. Ich wäre nie auf die Idee gekommen ein zersprungenes Glas zu kleben. Schöne Idee auch die Klebestellen mit dem Band zu kaschieren.

Auf jeden Fall denke ich mir werden wir diese Tasche im März bewundern dürfen.

Wünsche noch viel Freude damit

Ihr Ing. Duerr

Gute Güte, ich habe mir Ihren Text zweimal durchlesen müssen, um dahinter zu kommen, dass Sie das Glas! repariert haben.

Die Idee mit der Kaschierung ist klasse und eine tolle Idee.

Und die Inneraumbeleuchtung der Handtasche, das was sich die Dame wünscht. Aber Hand aufs Herz, ich wünsche mir das manchmal für meine Aktentasche auch.

Tolle Arbeit, wieder mit schönen Ideen.

Danke für das Teilen hier.

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Hochverehrter Herr Kollege Dr.TechNo von Treene!

Die scheinbar unendlichen Tiefen einer Handtasche auszuloten wäre auch für mich ein allzu riskantes Unterfangen, nicht jedoch das Bewundern Ihrer überaus ansprechenden Version dieses offensichtlich unverzichtbaren Accessoires.

Ich kann mich nur neidvoll dem bereits Gesagten anschließen verbunden mit dem Glückwunsch an die stolze Benutzerin dieses temporalen Kleinods, bei dem man zudem auch sofort erkennen kann, wem die Stunde schlägt-zwinker!

Hertzlichst grüßt

Ihr Aeon Junophor

Geschätzter Dr. TechNo von Treene

Ihre Version der "Uhrentasche" gefällt mir sehr gut und ich denke Ihre Frau Gemahlin wird viel Freude daran haben.

Ich hatte bisher immer ein wenig Angst das Glas meiner Tasche könnte Schaden nehmen. Nachdem ich nun aber Ihre pfiffige Idee gesehen habe kann ich das viel gelassener sehen.

Ergebenst

Lady Anna

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