Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Hochgeschätzte Mitreisende, werte Mad Scientists

Nach monatelanger Arbeit, schmutzigen und manchmal sogar blutenden Händen, ist es jetzt vollbracht! Ich darf Ihnen meine neuste Kreation präsentieren:


Den Fernschreiber der legendären NAUTILUS


Ich habe diese Telex-Station genauso umgesetzt, wie ich sie mir in meinen Träumen von Captain Nemo’s NAUTILUS immer vorgestellt habe. Die Maschine empfängt Email-Nachrichten, Wetter und Nachrichten aus aller Welt und druckt diese Informationen stilvoll und mit einem wunderbaren Geräusch auf Enlospapier.


Für die „Mad Scientists“ unter Ihnen eine kurze Beschreibung der eingesetzten Technik:
Der antike Fernschreiber LORENZ 15C wurde skelettiert, entfettet und neu justiert. Viele Teile waren nach dem jahrzehnte-langen Stillstand nicht mehr beweglich und mussten mühsam wieder in Gang gesetzt werden. Bei den tausenden von beweglichen Einzelteilen war dies ein grosses Abenteuer.

Der Fernschreiber verfügt „nur“ über einen Stromanschluss für den Motor und eine zweiadrige Leitung für den Empfangsmagneten. Dieser Elektromagnet empfängt den 5-Bit-Code der Steuereinheit – der gesamte Rest geschieht auf dem absolut faszinierenden mechanischen Weg.

Die Steuereinheit befindet sich in einem antiken Uhrengehäuse und besteht aus einem ausgedienten Industrie-Panelcomputer, einem Netzteil für den Loop-Current zum Empfangsmagneten und einem selbstkonstruierten „Serial to TTY Konverter“. Verwendet wird die „Heavymetal“-Software von Bill Buzbee - http://www.buzbee.net/heavymetal/ - zur Ansteuerung alter Fernschreiber.

Der Loop-Current wird mit 40 Volt und rund 40mAh betrieben. Zur Kontrolle ist ein grosses Ampèremeter montiert, welches den gerade fliessenden Strom anzeigt.

Da mein Budget gemäss meinem Credo auf die 50.- pro Werk beschränkt ist entwickelte ich einen eigenen „Serial to TTY Konverter“ für knapp 4.-. Er besteht aus einem Widerstand, welcher den Strom der seriellen Schnittstelle (Ground + DT) auf 5mAh reduziert, einer Diode in Kombination mit einem Optokoppler (Panasonic AQY210EH) und einer einfachen Funkenlöschung mittels Kondensator und Widerstand über dem Schaltkontakt.

Die Steuereinheit verfügt über WIFI und kann via POP-Download auf ihr eigenes Email-Konto zugreifen. Zudem können die aktuellen News, Börsenkurse, Wettervorhersagen und vieles mehr empfangen werden.

Der Fernschreiber der legendären NAUTILUS und seine Steuereinheit sind auf einem uralten Nähmaschinentisch einer „SINGER PHOENIX“ montiert. Die alte Nähmaschine fand ich in einer Scheune in faszinierendem Zustand - http://www.thechocolatist.com/cabinet-of-curiosities/singer- sphinx/ . Die restlichen Teile mit der tollen Patina werde ich für ein anderes „Rost-Projekt“ verwenden…

Gerne beantworte ich Ihre Fragen zu den vielen kleinen Details, welche diesen Beitrag sprengen würden.

Ich sende Ihnen herzliche Grüsse aus meinem Laboratorium in den schwülen Auen Helvetiens        Ihr Dan Aetherman aka The Chocolatist

Tags: aetherman, fernschreiber, steampunk, teletype, telex

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Welch ein Wunderwerk der Technik Herr Ætherman,
Ich befürchte meine techniſchen Fähigkeiten würden nicht ausreichen um die im Keller dahinroſtende Schreibmaſchine einer ähnlich gearteten Umnutzung zuzuführen.

gew,
Malus Acumen

Werter Herr Mechasteamiker

Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre Zeilen. Es freut mich sehr, dass Ihnen diese Maschine aus Jules Vernes Romanen gefällt.

Nun, ich bin per Zufall über diverse solcher wunderbaren Messgeräte gestolpert. Es hat fast immer mit "Glück & Zufall" zu tun, wenn man so etwas findet. Man muss einfach die Augen offen halten und spezielle Gelegenheiten nutzen, wenn sie geboten werden. Ich habe das grosse Glück, dass mir sehr viel kostenlos angeboten wird - einfach mit dem Ziel die Sachen einer weiteren sinnvollen Nutzung zuzuführen.

Ich bin ganz sicher: Plötzlich stehen Sie davor und trauen Ihren Augen nicht, werter Herr.

Mit einem herzlichen Gruss und besten Wünschen zur erfolgreichen Schatzsuche

Ihr Dan Aetherman

Herr Aetherman!

SIE.... sind Schuld!

Im Ernst, Sie haben es geschafft ganz viele Mitreisende zu inspirieren.

Und wissen Sie was, ich habe mir auch so eine LO15 angeschafft. Unser vereehrter Mitreisende Lord Mel, war so freundlich, mit eine etwas neuere Maschine zu überlassen.

Ich habe ein etwas aufwändigeres Interface gebaut und kann nun auch den Motor des Fernschreibers über ein Solid State Relais ansteuern.

Im Urlaub werde ich einen Siemens T37 restaurieren, mit dem iTELX-System aufrüsten und damit online gehen.

Hier schon einmal das Resultat dieses Wochenendes:

Lo15 Printer System an Heavy Metal 3

Hochachtungsvoll,

Horatius Steam

Hochgeschätzter Herr Steam

Oh, diese Schuld nehme ich sehr gerne auf mich.... es ist wunderbar wie es jetzt überall im Steampunk-Stil rattert und zittert...

Die Maschine des werter Lord Mel ist wunderbar gut erhalten. Ich habe sie vor längerem einmal auf Lichtbildern bewundern können. Fantastisch, dass diese Maschine jetzt wieder zum Leben erwacht!

Ich war am vergangenen Wochenende an der Maker Faire Bodensee in Friedrichshafen und der Fernschreiber der NAUTILUS hat gerattert was das Zeug hielt. Er wirkte am Stand wie ein grosser Magnet, besonders für die Fans der HAM Radio - denn die kennen den unverkennbaren Sound - oder müsste man Lärm sagen? :-)


Ich freue mich auf News aus Ihrer Werkstatt! Mein T37i steht ebenfalls im Laboratorium...

Herzlichst   Dan Aetherman

Sehr geehrter Mr. Aetherman,

ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.

Eine hervorragende Erfindung. Sie ist Inspiration und Grund zur Faszination zugleich.

Ein herausragendes wunderwerk der Technik, mein Respekt und vor allem mein Kompliment!!! 

Ganz herzlichen Dank werter Herr Darius de Gaulle!

Darius de Gaulle sagt:

Ein herausragendes wunderwerk der Technik, mein Respekt und vor allem mein Kompliment!!! 

Geehrte Herren Steam und Aethermann,
Wie kann ein kleiner Anfänger den geschätzten Vorbildern und Meistern ein Lob aussprechen? Unmöglich ist es nicht, doch bedarf es der Kunst der wohlgewählten Worte.
Einerseits bewundere ich die technische Komplexität, andererseits die Präzision und Esthetik Ihrer Arbeiten. Zudem rundet die vorzügliche Gestaltung der fotografischen Abbildungen dies nach oben ab.
Mit bewunderndem Gruß,
Kapitän Darius Cumulus

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