Rauchersalon

Forum für Steampunk, Dieselpunk und Neo-Victorian

Verehrte Mitreisende!

Just FYI... Eigentlich wollte ich eine Beschreibung der Fantasiewelt Ceria erarbeiten, die meine nächste Pen&Paper-Gruppe wird ertragen müssen. Da ich aber im Beschreiben wirklich schlecht bin, habe ich mich für eine andere Form entschieden. Das Ganze ist nicht wirklich ausgearbeitet und dient mehr dazu, meine Gedanken zu sammeln, aber da es um Steampunk geht und jemand gefragt hatte, wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten. Ich bin kein Dichter, und es ist nicht immer bierernst, aber... ach, wer mag, sieht es selbst.

Teil I: Vom Königreich bis nach Hadeh


Es rasselt und es rattern Räder,

knirschen Rohre, zischt der Dampf,

brodelnd kochen Wasserbäder,

Panzer sind bereit zum Kampf!

Thramos will geschlagen werden,

außerdem der Pharao!

Auch Rebellen in den Bergen

und Kultisten sowieso.

Soll das Königreich obsiegen,

ist kein Zweifel angebracht:

Jeder Feind wird unterliegen –

König Davan alle Macht!

Hämmer hämmern, Pressen stampfen,

Ketten rasseln, Kessel dampfen,

Männer schwitzen wie die Tiere,

Pferde strecken alle Viere,

in den königlichen Schmieden

werden Schicksale entschieden.

Wenn dann die Maschine ruht

fließt alsbald des Feindes Blut

über brache, leere Felder,

wo sodann die Steuergelder

Straßen und Paläste bau'n.

Hoch am Himmel ziehen Wolken,

nein! Man traut kaum seinem Blick:

Zeppeline, dampfgetrieben

zeigen Ingenieursgeschick.

Wohin ziehn die prallen Riesen,

fragt sich manches Jungenherz,

über Äcker, Felder, Wiesen,

blühend im noch jungen März?

Städte, Wälder, Schlösser, Auen

passiert der Flugschiffreisende.

Doch nur eines will er schauen:

Etheria, dia Gleißende!

Inmitten fließender Gewässer

erhebt sich die enorme Stadt:

Größer, schöner, höher, besser!

Niemands Auge sieht sich satt.

Giebel ragen, Fenster blinken,

Reiche speisen, Arme trinken,

Junge lieben, Alte sterben,

Schmiede hämmern, Webel werben,

Dampf steigt, Rauch steigt, jeder Blick zeigt:

Hier gibt's alles! Gibt es jeden!

Gibt es Schweigen, gibt es Reden,

gibt es Leben in den Gassen,

keine Straße ist verlassen,

schaut der Metropole Trubel!

Schon erschallt der Menge Jubel

als der König, huldvoll winkend,

müde in die Sänfte sinkend,

seinen Weg zum Luftschiff antritt:

Nein, da fährt kein armer Mann mit,

Zeppelin in Gold und Rot,

auch an Kupfer keine Not,

dienet als Monarchenfähre.

Und zum Schutze wie zur Ehre

gehören diesem Aeroplan

ein Dutzend Orlogschiffe an.

Hoheitsvoll, wie gold'ne Schwäne,

steigen Schiffe rundherum,

und man hört die Kapitäne:

Kurs auf das Imperium!

Wieder sieht man grüne Auen,

wieder sieht man Dorf und Co.

Menschen, die nach oben schauen

rufen Ah! und rufen Oh!

Während wir vorüber ziehen,

bleiben bald die Dörfer aus:

In den äuß'ren Kolonien

sind nur wenige zu Haus.

Weiter geht die luft'ge Reise:

Sturmgepeitschter Küstenfels

zeichnet heimlich, still und leise

die Grenze unsres Teils der Welt.

Grauer Himmel, graue Wellen,

geht die Reise fort und fort:

Ob im Dunkeln, ob im Hellen,

nähern wir uns fremdem Ort.

Doch! Es schallt der Ruf der Wache:

Etwas Großes fliegt heran!

Sind es Vögel? Sind es Drachen?

Nein? (Und auch nicht Super-Mann.)

Schwarze Punkt' am Horizonte,

die man kaum erkennen konnte,

werden bald zu Zeppelinen,

eins, zwei, drei, vier, fünf von ihnen,

schwarze, kleine, flinke Schiffe:

Was für viele nur Begriffe,

fordert hier nun schnelle Taten

und schon hört man: Luftpiraten!

Hektisch kommt man in Bewegung,

keine Zeit für Überlegung,

Männer rufen, Krieger rennen,

bald schon wird der Feind erkennen,

dass er die Falschen sich gesucht!

Unten beim Geschützdeck flucht

der Techniker, der in der Eil'

vergessen ein Kanonenteil,

ungeahnt verliert man Zeit,

die Gegner aber sind bereit:

Paff!

So klingt es.

Pff!

So klingt es.

Mündungsfeuer gibt es keines,

Sprengstoff ist was Teures, Feines,

doch man hat ja Dampfkanonen –

niemand wird die Kessel schonen,

geht es doch um Tod und Leben!

Paff –

der Schuss ging wohl daneben.

Bumm! Und Pfft! Und Sch und Zuck!

Im Krähennest wird sich geduckt,

als die Außenhülle reißt!

Endlich ist man auch bereit,

und eröffnet Gegenfeuer –

unten tönt es ungeheuer,

Kessel zischen, Rohre dampfen,

Schrauben lösen sich von Klampen,

Kanoniere müssen zielen

während rund um sie die vielen

Maschinisten Löcher stopfen,

Schrauben schrauben, Beulen klopfen,

neues Holz und neue Kohlen,

Wasser und Verbände holen,

ist der Feind im mal anvisiert,

wird noch wenig korrigiert,

dann tönen Rufe, schreit man: Feuer!

Wieder tönt es ungeheuer,

als sich machtvoll (wenn auch spät)

der aufgebaute Druck entlädt,

und die Kugeln (ganz aus Blei)

schießen nun den Feind zu Brei!

Schon trudelt ein Piratenschiff!

Ein weit'res kann nicht steuern!

Und mit einem letzten „Piff“

ist alles abgefeuert.

Doch Schreck! Doch ach! Doch welches Weh!

Wenn über der zerwühlten See

Piraten ihre Bosheit zeigen

und in mörderischem Reigen

Männer ihre Bögen ziehen:

Denn sie wagen nicht zu fliehen,

woll'n beenden, was begonnen,

wenn denn schon der Schatz zerronnen,

soll doch niemand triumphieren

über Schiffe wie die ihren

und sie zieh'n die effektive,

schreckliche Alternative:

Einmal in Öl die Pfeile tunken.

Leicht kreiert man einen Funken.

Die Pfeile brennen lichterloh.

Schon ruft unser Ausguck:

Oh!

Schneller, tönt es durch das Sprechrohr,

den Angriff, los, bereitet vor,

doch mögen die Maschinen rumpeln,

mögen auch die Pumpen pumpen,

eilt man auch, so schnell man kann:

Schneller als ein einfach Mann

kann ein Kessel schwerlich sein.

Und so tritt es schließlich ein:

Sehnen sirren, Bögen biegen,

Männer schreien, Pfeile fliegen,

Häute halten, Pfeile kratzen,

der im Ausguck schneidet Fratzen –

bis ein wohl gezielter doch

trifft das bereits off'ne Loch!

(Sie erinnern sich daran?

Wir sprachen's weiter oben an.)

Ein Saus! Ein Braus!

Ein Krach! Ein Bumm!

Es geschieht das Grässliche,

ästhetisch nicht ganz Hässliche,

menschlich aber grauenvoll:

In einem einzig Feuerball

vergeht der eitle Traum des Menschen.

Schreie.

Krachen.

Feurig Sturm.

Minutenlang kämpft es noch fort.

Menschen springen über Bord,

Meilen in den Ozean.

Hoch oben fing das Feuer an,

und fraß sich in Sekunden nur

durch die riesige Struktur!

Der Todeskampf eines Giganten!

Wie hohle Rippen stehen Wanten!

Asche!

Fetzen seiner Haut!

Kaum mehr hört man einen Laut,

während trudelnd, drehend, schwankend

herniederstürzt, was einst so machtvoll

schwebte über Menschen Welt,

wie ein Phönix, der vor Liebe toll

aus den Wolken fällt.

Doch der Phönix, neuerlich erwacht

steigt zum Fluge auf, wie er es immer tat.

Was zum Himmels-Sturm der Mensch erdacht

findet ewiglich ein nasses, kaltes Grab.

Alldieweil die Schreckenstaten

jeden anderen gebannt,

sind auch schon die Luftpiraten

– metaphorisch – weggerannt.

Weiter führt uns unsre Reise,

schweren Herzens zieh'n wir fort:

hinter uns verschwindet leise

jener dunkle Schreckens-Ort.

Doch ein Licht in weiter Ferne

weckt den Mann im Ausguck stumm:

Dort! Es funkelt wie die Sterne!

Das ist das Imperium!

Unter uns erscheint die Küste,

Wasser wird ersetzt durch Sand.

Vor uns streckt sich eine Wüste:

Wir erreichen Feindes Land.

Schon ersteigt ein goldner Schimmer,

schon naht Feindes Schiff heran:

Pures Gold steigt – wie auch immer –

so wie wir gen Himmel an.

Prächtig sind die Sonnenboote:

Gold und Kupfer noch und noch,

ohne Segel, Gase, Lote,

schweben durch die Lüfte doch.

Durch den Äther angetrieben,

Götter Atem stützt den Flug,

Wissenschaft wird hier vermieden,

Priester steh'n in jedem Bug.

Legendär sind auch die Waffen,

die man jenem Schiff verlieh:

Was die Ingenieur' nicht schaffen,

schafft mit hier mit der „Magie“!

Hastig lässt der König winken:

Hier, hier fliegt ein Diplomat!

Lasst die Zauberstäbe sinken!

Das ist nicht die feine Art!

Weiter führt uns unsre Reise,

im Flugwind werden Herzen leicht,

unter uns, da zieht sich leise

Sand, so weit das Auge reicht.

Endlich hebt sich aus dem Sande

ein Gebild aus hellem Stein:

Die (den meisten unbekannte)

Pyramide muss es sein!

Die Stadt Hadeh!

In Übersee

munkelt man von reichen Schätzen,

adamantbesetzten Plätzen,

Tempeln, ganz aus Marmorstein,

Flüssen voller Milch und Wein,

wo man seine Last vergisst!

Doch die bitt're Wahrheit ist:

Sklaven, sonnenglutbeschienen,

schuften in Arkanium-Minen,

denn nur dorther kommt Magie –

wo, warum, wozu und wie

soviel des Metalls hier liegt

hat noch niemand rausgekriegt.

Unsre Reise muss pausieren,

Politik entspinnt sich nun,

während hinter edlen Türen

Herrscher sich beraten tun.

Den Politikern zu lauschen

wäre wohl vertane Zeit:

Wie sie Höflichkeiten tauschen

wird ein Detektiv bald leid.

Also sieht auf bald'ges Ende

dieser Teil unsrer Geschicht'.

Lassen wir's dabei bewenden:

Krieg geführt wird wohl noch nicht.

Es rasselt und es rattern Räder,

Krieger ruhen müde Füß',

brodelnd kochen Wasserbäder,

und der Autor, der sagt: Tschüß.

Das dazu.

Hochachtungsvoll

Adrian von Bregelsaum

Seitenaufrufe: 81

Hierauf antworten

Antworten auf diese Diskussion

Sehr geehrter Herr von Bregelsaum,

wie können Sie nur oben behaupten, Sie seien kein Dichter? Das, was Sie hier abliefern, nimmt mir schier den Atem. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Glanzleistung und lade Sie ein - nein, ich fordere Sie auf - unverzüglich dem Club der untoten Dichter beizutreten!

Bitte erweisen Sie uns die Ehre Ihrer Mitgliedschaft und machen Sie das Dutzend voll; jemand, der solche Gedichte schreiben kann, der gehört einfach dazu.

Noch immer ganz atemlos grüßt

Remington Brass

Werter Herr Brass!

Ich muss es gestehen: Ich hatte gehofft, eine Reaktion Ihrerseits zu provozieren. Solche Worte aus Ihrer Tastatur ehren mich sehr! Sofern ich die unergründlichen Gänge dieses Luftschiffes durchschaue, werde ich mich dem Club gerne anschließen. Ich danke für die freundlichen Worte und hoffe, noch ein paar Ihrer eigenen Kreationen zu finden!

Hochachtungsvoll

Adrian von Bregelsaum

Auf Diskussion antworten

RSS

© 2018   Erstellt von Horatius Steam.   Powered by

Flagge zeigen!  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen